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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                                          Hans Castorp, in re Hans Brotsack

 Die Namen von Personen in Romanen werden oft mit großer Sorgfalt und Witz gewählt und ausgedeutet. Das gilt insbesondere für den „Zauberberg“.

Erinnert sei an den Namen von Frau Stöhr („störrisch“ S.68, 21; 547,17f.; Fischsaucen: 129, 3) oder der kleinen Hujus, die „mit Ah und Huh“ vor den Sterbesakramenten unter die Decke kriecht (S.86, 19f.). (1) Eine „Namensverdrehung“ findet sich  bei  dem Namen Marusja: Mazurka statt Marusja (S.112, 18 - 23; 251, 13). In Erinnerung an Schläge von einem Mitschüler spielt Hans Castorp direkt auf den Namen seines Mitpatienten Wehsal an (S.687, 17f.), der selbst das Thema der Folter in das Gespräch einführt (S.690, 32 - 691, 11). Viele Namen haben sieben Buchstaben, so Castorp, Joachim Ziemßen, Behrens, Marusja (Mazurka), Clawdia, Salomon, Ottilie Kneifer, Alfreda, Rotbein…Die Zwergin Emerentia wird in Koseformen zerlegt von Peeperkorn: Rentia, Emchen (S.833, 27-834,1)

Ausdrücklich  verweist der Roman auf die Merkwürdigkeit des Namens Hans Castorp:
Die „Überfüllte“ hält den Namen Castorp für komisch:
Setzen Sie sich doch, Herr Kasten, Herr Carsten, oder wie Sie heißen, Sie heißen so komisch, ha, ha, hi, hi, entschuldigen Sie!“ (S.464, 16f.)
Behrens begrüßt die Vettern als Castor und Pollux (S.327, 9f.).
Es liegt deshalb nahe, gerade den Namen der Hauptperson  zu untersuchen und so möglicherweise neue Einblicke in die Werkstatt des Dichters zu bekommen.
In seinen „Nachbemerkungen des Herausgebers“ zum Roman schreibt Peter de Mendelssohn:
„ Wo Thomas Mann diesen Namen fand, ist nicht sicher. Es gab und gibt in der Gegend zwischen Lübeck und Hamburg mehrere Ortschaften und Güter namens Kastorp, Kastorf und Castorp; aber möglicherweise dachte er auch an einen Lübecker Kaufherrn und Ratsherrn aus dem 15. Jahrhundert namens Hinrich Castorp, den er vielleicht in einem alten Lübecker Geschichtenbuch gefunden hatte“ (S.1011). (2)

 Michael Maar bringt „Hans Castorp“ über das Medium Ellen Brand mit Hans Christian Andersen in Verbindung:
„Wenn man aber alles bedenkt und zusammennimmt – daß Ellen aus Odense stammt, daß sie mit dem Geist des neuen Holger Danske den Zinnsoldaten hervorbringt, und daß es ein Hans C. ist, der ihn mit ihr zeugt - , dann ist die Hauptwurzel des Namens schon gezogen. Hans C., Odense, geht auf den Hans Christian des stärksten Eindrucks zurück, der sich in dem durch Vorsatz als Märchenbuch angekündigten Roman nicht weniger präsent erwiesen hat als die darum nach dem "teuren Namen" mitbenannte Hauptfigur."
Im Folgenden  soll der Versuch gemacht werden, neben den bisherigen Erklärungen des Namens Hans Castorp eine weitere hinzuzufügen.
Poetische Namen sind  umso besser, je mehr Assoziations- und Deutungsmöglichkeiten sie eröffnen.Von daher ist es einsichtig, dass es  nicht eine „richtige“ oder „falsche“, sondern eine „näherliegende“ oder „weniger näherliegende“ Erklärung gibt, eine Evidenz, die um so glaubwürdiger ist, je mehr sie ihren Niederschlag im Text selbst findet.

Wir stellen die  zentrale Stelle für eine Erklärung des Namens Castorp aus dem Text heraus vor:

Auf dem Heimweg zum „ Berghof “ werden Hans Castorp und Joachim Ziemßen von Settembrini eingeholt (S.146) und in ein Gespräch verwickelt. Nach der Verabschiedung von Settembrini im Sanatorium findet Hans Castorp einen merkwürdigen Vergleich über die Sprechweise Settembrinis :

„Aber hörenswert ist es ja, wie er zu sprechen versteht, jedes Worrt springt ihm so rund und appetitlich vom Munde, - ich muß immer an frische Semmeln denken, wenn ich ihm zuhöre."
Joachim lachte.„Das sage ihm lieber nicht. Ich glaube doch, er wäre enttäuscht, zu erfahren,daß du an Semmeln denkst bei seinen Lehren. "Meinst du? Ja, das ist noch ga nicht mal sicher. Ich habe immer den Eindruc, daß es ihm nicht ganz allein um die Lehren zu tun ist, vielleicht um sie erst in zweiter Linie, sondern besonders um das Sprechen, wie er die Worte springen und rollen läßt...so elastisch wie Gummibälle...und daß es ihm gar nicht unangenehm ist, wenn man namentlich auch darauf achtet"
(S 155, 12 - 26).
Dieser Vergleich ist nicht nur für Joachim  merkwürdig, sondern auch für den Leser.

Wann springen und rollen Semmeln? Doch dann, wenn sie aus etwas geschüttet werden, etwa aus einem Sack. Semmeln werden nun nicht aus einem „Semmelsack“ geschüttet, sondern aus einem Brotkorb oder Brotsack. Die Semmeln kommen von Settembrini auf Hans Castorp zu, dem Hauptgesprächspartner Settembrinis.
Nicht nur an das „Wie“ und „Woher“, sondern auch an das „Wohin“ ist hier zu denken. Der Vergleich muss von den Intentionen Settembrinis her weitergedacht und komplettiert werden.  Die Semmeln sollen in den Sack, den Brotsack  hinein springen und rollen – daraus erklärt sich der merkwürdige Einschub „so elastisch wie Gummibälle“, der freilich das Appetitliche des Vorhergehenden etwas zurücknimmt, aber notwendig ist, um diesen Aspekt mit herein zu nehmen.  Hans Castorp wird „aufgefüllt“ nicht mit Sauerstoff, sondern mit (Semmeln) pädagogischen Lehren.
Am Schlusse des Vergleichs werden wir geradezu aufgefordert, den Namen zu beachten: „namentlich“ sollen wir den Vorgang des Springens und Rollens von Semmeln im Auge behalten.
Solche didaktischen Bemerkungen und Hinweise dienen dazu, die Aufmerksamkeit des Lesers zu schärfen. (4)
Wenn wir an dieser Stelle das „namentlich“ wörtlich nehmen, fällt uns sofort ins Auge, dass der zum Brotsack fortgeführte Vergleich auf den Namen Castorp verweist, der rückwärts gelesen Protsac heißt.
Ob Protsac  ein jiddischer Nachname ist, wie ähnliche Namen suggerieren und  deshalb gut zu Naphta passen würde, kann hier nicht entschieden werden.
Aber natürlich ist Protsac = Brotsack. Eine ganze Wort- und Romanfamilie erschließt sich, wenn wir im Namen Kastorp „Brotsack“ mitlesen.
Die Etymologie von „Brot“  lautet  nach Wahrig:
„<ahd.prot, engl.bread <germ.*brauda- „mit Sauerteig hergestelltes, gesäuertes Brot“, zu idg. *bh(e)reu-„wallen, gären“; verwandt mit brodeln, Brodem, braten.“ (5)
Dass sofort nach dem Semmelvergleich der Bierbrauer Magnus erwähnt wird, überrascht deshalb nicht: Auch „brauen“ gehört idg. zu*bh(e)reu , ist also mit Brot verwandt.(6)
Kastorp trinkt konsequenterweise gerne Bier (S.106, 5f. 108, 10; 171, 13f. 171, 16; 178, 2, 200, 13).

Das historische Gerstenkorn (7) der Oberin im „Sanatorium Berghof“ bekommt damit seinen literarischen Platz zugewiesen (S.254, 17; 320, 7 ff.) und auch ihr Name „Mylendonk“.

Kann sich hinter dem Namen Mylendonk nicht ein „ Mühlenesel“ (engl. donkey=Esel) verbergen?  Im Wort „Schnickschnack“ (S.254, 31) ist die Abfolge der Vokale i-a herauszuhören. Ein Zusatz unterstreicht dies noch:


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