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Beitrag 91
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

,, ( Das Wort „Schnickschnack“ nahm sich ganz abscheulich und abenteuerlich aus in ihrem Munde, wie sie es mit der Unterlippe schaufelnd hervorbrachte.).“ (S.254, 32ff.) Der Name "Mylendonk" mutet mittelalterlich an (S. 95, 25 - 96, 5; 581, 31 ff.) und verweist dadurch auf die "Mühle" Bernhards von Claivaux (S. 568, 9 - 16). Settembrini bezeichnet sie als "Petrefakt"= aus Stein Gemachte (S. 96, 7) - Hinweis auf einen Mühl - oder Mahlstein.
Sie ist „kreischend“ (S. 792, 20) und wird so mit der „störrischen“ Frau Stöhr, die ebenfalls „kreischt“ (S. 848, 32; 849,1)  in Verbindung gebracht. (8)
Auch ihr Vornamen Adriatica wird verständlich, wenn man die maritime Bedeutung von Donk sieht. (9)
Peeperkorn kommt in den Blick und seine Trinkgewohnheiten: Er  lässt "Brot“ kommen ( S. 834, 15: "Genever"; 838, 30; 862, 33).
Mit „Brotkügelchen bewirft“ (S. 118, 4) sich die Gesellschaft im „Berghof“ aus Übermut und Langeweile (vor dem Ausbruch des 1. Weltkrieges), Clawdia  Chauchat begnügt  sich mit dem Drehen von Brotkugeln (S. 213, 15ff. 219, 29; 346, 20). 
 Wir können also festhalten, dass „ Brotsack“ wie ein Zweitname hinter Kastorp steht und sich im Roman entfaltet. Das zeigt sich nicht nur an der „Brot“-Familie, sondern auch  „Sack“ kommt in Variation vor als Sack – Pelzsack – Liegesack (S. 368, 7 - 12; Pelzsack als Ausweis längeren Hierbleibens S. 145, 25 - 146,5).  Joachims Herz zeigt sich sackartig (S. 331, 23).

Hans „Brotsack“ trinkt nun nicht nur gerne Bier, sondern auch „Porter“ (S. 29,27; 50, 3ff.; 62,3; 106, 3ff.).
Auch das ist kein zufälliges Getränk.

Rückwärts gelesen kommen wir beim „Porter“ zu „retro-P“. Die Bedeutung des lateinischen retro ist „zurück, rückwärts“: Wir sollen also mit einem P beginnend Castorp rückwärts  lesen, so dass wir „retroP(rotsac)“ lesen können. Oben sahen wir , dass das „P“  sich schon bei Castor und Pollux verselbständigte.

Den Namen „ Brotsack“ bestätigt die Charakterisierung Hans Castorps im Roman: Er ist im Grunde seines Wesens ein schlaffer, energieloser Bourgeois (Clawdia über Castorp: petit bourgeois, joli bourgeois S. 518, 31):

Castorp hat eine Neigung zu „dösen“, „ mit schlaffem Munde und ohne einen festen Gedanken ins Leere zu träumen “ (S. 50, 7ff.). Ein „ererbter und unbewußter Dünkel“ äußerte sich schon früh „in Gestalt einer gewissen trockenen Schläfrigkeit“ (S. 50, 20f.) und er lebt gern gut (S. 51,28): Fingerschale mit parfümiertem Wasser, russische Zigarette, Zigarre, Butter „in Form geriefelter Kügelchen“ (S. 53, 2) und auf Rentenbasis (S. 55, 26). “...vor der Arbeit hatte er den allergrößten Respekt, obwohl ihn persönlich die Arbeit ja leicht ermüdete“ (S. 56, 15ff.). Recht gesund fühlt er sich eigentlich nur, wenn er gar nichts tut (S. 94, 4f.). Sein Lebensstil zeigt auch die Nachttoilette (S. 137, 23 – 28). Die Qualität seines Liegestuhls schätzt er überaus (S. 158, 16 - 24)  ,, … er war geduldig von Natur, konnte lange ohne Beschäftigung wohl bestehen und liebte...die freie Zeit, die von betäubender Tätigkeit nicht vergessen gemacht, verzehrt und verscheucht wird “ (S. 158, 29 - 32). Duldsame und vertrauensvolle Menschlichkeit ist die positive Seite dieser Passivität (S. 254, 20 - 23). Auch eine gewisse Schlauheit ist ihm eigen (S. 211, 4f.) (10)
 Aber es gibt noch  weitere Nutzanwendungen, wenn man den Namen „Brotsack“ hinter dem Namen Castorp stehen lässt.

Der „Brotsack“ ist im 1.Weltkrieg als Ausrüstungsgegenstand des Soldaten in Form eines Ranzens zu finden. Bei der Schweizer Armee blieb dieser Name noch länger erhalten. Im Schlussteil des Romans bei der Schilderung eines Angriffs sehen wir die Soldaten, „das junge Blut mit seinen Ranzen und Spießgewehren“ (S. 1083, 19). Bemerkenswert ist auch die Wortfolge „Brot, Renzchen“, die Peeperkorn benützt und gewiss kein Zufall ist: "- Brot, Renzchen, aber nicht gebackenes Brot, - wir haben hier davon die Fülle, in allerlei Gestalt. Sondern gebranntes, mein Engel" (S. 834, 4 ff.). Hier bietet sich nicht nur eine theologische Interpretation an ("in allerlei Gestalt"), sondern das "hier" verweist auf den "Brotsack" Castorp, der neben Peeperkorn sitzt.

 Der zivilistische Name Brotsack verbindet sich also mit einem militärischen Gegenstand und verklammert die Teile des Romans. Angesichts des kompositorischen Gewichts, das der verdeckte Namen Brotsack gewonnen hat, ist nun zu fragen, ob nicht gerade dieser Begriff uns bei der Suche nach der „Keimzelle“ des Romans weiterbringt.

In dieser Vorlage muss zunächst mindestens der Name Hans und der Begriff  Brotsack vorkommen. Geht man von der Annahme aus, dass Hans ein Märchenname ist (wie es schon der Vorsatz  des Romans nahelegt), wird man in diesem Bereich suchen.

 Und hier bietet sich die nähere Betrachtung eines (von mir zusammengefassten) Stücks des estnischen Märchens „Die Galgenmännlein“ an (11):

Ein Prediger sucht für das mitternächtliche Läuten der Kirchenglocke einen Knecht. Alle, die sich dafür melden, verschwinden. Kaval-Ants (Hans) übernimmt die Aufgabe und läutet die Glocke, nachdem er auf jeder der vier Treppenabsätze ein kopfloses Männchen die Treppe hinunterrollen lässt. Das fünfte Männchen in der Glocke lässt er laufen. Hans achtet penibel auf Einhaltung der Dienstzeit. Als der Prediger mit ihm zu einer Kindstaufe in die nahe Stadt fahren will, nimmt Hans seinen Brotsack mit. Ein vorheriges Schneegestöber verweht den Weg und verlangsamt die Fahrt, die Sonne geht unter. Die Arbeitszeit von Hans ist vorbei, er steigt aus und will sich trotz Warnung vor der Gefahr des Ortes (Richtplatz mit Galgen, zwei Gehängte) ein Nachtlager machen. Der Prediger fährt weiter. Hans isst aus dem Brotsack, raucht (Pfeifenprise), macht sich sein Lager und schläft unter seinem warmen Pelz. Nachts wird er von den Galgenmännchen attackiert, seine Knochen sind wie zermalmt, er glaubt zu sterben. Das Männlein in der Glocke, das er laufen ließ, rettet ihn.

Offenbar bezieht sich der Abschnitt „Schnee“ des Romans        (S. 706, 3 - 751, 4) auf diese Stelle:
Die Welt erscheint märchenhaft und als Gnomenwelt                 (S. 710, 7 - 13).

 Hans Castorp nimmt bei seiner Fahrt Schokolade und eine Flasche Portwein mit (S. 722, 14f.). Da „Porter“ nach unserer Erklärung als „retro-P(rotsac)“ zu lesen ist und Portwein namentlich auf ihn verweist, erkennen wir, dass auch Castorp einen „Brotsack“ mitnimmt.

Die Gefahr wächst. Schneegestöber begleiten ihn (Gestöber S.722, 22; 726,10; 732,14; Sturm S.729, 3; 732,13; Schneesturm S.730, 15). Das Wort „Gestöber“ findet im Wort „Stöbern“ nach Todesfällen im Sanatorium seine prägnante Bedeutung: Todesgefahr.
Die Himmelsdunkelheit nimmt zu (S. 724, 24), es wird Abend    (S. 735, 17 - 34).
Hans  raucht (S.722, 4f.) und trinkt (S.736, 10).
Er hat keinen Pelz (726,20f.).
Der Froststurm schlägt seine Glieder immer schwerer (S. 733, 4).

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