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Beitrag 91
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Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten


                                                 Hans Castorps „Lindenbaum“

Castorp ist in der letzten Phase seines Aufenthaltes „ein Sicherer und Endgültiger, der längst gar nicht mehr gewußt hätte, wohin denn sonst, der den Gedanken der Rückkehr ins Flachland überhaupt nicht mehr zu fassen imstande war…“ (S. 1071, 29 – 32). (1) Das Flachland als Heimat war ihm weggebrochen nach so langer Zeit, in der späten Zeit war „jede Fühlung zwischen ihm und dem Flachlande restlos aufgehoben“ (S. 1074, 4f.) Aber auch das Sanatorium war nur  Heimat  in Anführungszeichen (S. 1079, 24). Es ist deshalb „ein Unternehmen der kitzlichsten Art“ (S. 987, 4f.), dieses Heimatlied „Am Brunnen vor dem Tore“ in den Roman zu integrieren und für Castorp bedeutsam werden zu lassen. Was ist  der Anstoß zur Auswahl gerade  dieses Liedes?

 Es ist der Lindenbaum im estnischen Märchen „Das Glücksei“.
(2)

Die Hauptfigur Pärtel , dessen Herz rein ist „wie das eines Kindes, in welchem weder Lug noch Trug“ wohnt (Märchen S. 269, 9f.), ist Hütejunge, später Knecht und besucht, sooft er kann, einen Lindenbaum, „denn das war der einzige Ort, wo sein Herz Ruhe fand“ (Märchen S. 265, 39f.). Unter dem Lindenbaum befindet sich ein Stein, in dessen Nähe eine Quelle.  Eine weiße Schlange kommt regelmäßig unter dem Stein hervor, wenn er Mundharmonika spielt. Pärtel lässt sich zu einer bestimmten Zeit dreimal von der Schlange küssen:

„Jetzt folgte ein Krachen, grelles Licht zuckte auf, als hätte der Blitzstrahl in den  Stein geschlagen, und schwerer Donner machte die Erde erzittern; Pärtel fiel wie tot zu Boden und wußte lange nicht, was mit ihm oder um ihn her geschah.
Aber in diesem furchtbaren Augenblick waren die Bande des Zaubers gerissen, und die königliche Jungfrau aus ihrer langen Gefangenschaft erlöst“ (Märchen  S. 270, 21 - 27).

Diese Vorlage führt zur Einführung des Grammophons und strukturiert den Schlussteil des Romans:

Liebe zum Lindenbaum und Stein schon als Knabe (Märchen S. 264, 27):

Castorp kennt das Lied seit Kindesbeinen und fasst jetzt (am Grammophon) „eine geheimnisvoll --beziehungsreiche Liebe“ (S. 970, 30 – 32).

Menschenähnliche Stimme des Lindenbaums (zwei Mal:  Märchen S. 268, 11 – 16;

 269, 35 – 38) und Musik (Mundharmonika: Märchen S. 265, 9; 268, 3), Spiel und Gesang in Träumen (Märchen  S. 264, 38ff.).

Zwei Textausschnitte des Liedes (S. 1084, 9f.; 1084, 29f.)

Donnerschlag:

„Der Donnerschlag“ : Überschrift des Abschnitts S. 1070, 27;  „ …ein historischer Donnerschlag, mit gedämpftem Respekt zu sagen, der die Grundfesten der Erde erschütterte, für uns aber der Donnerschlag, der den Zauberberg sprengt und den Siebenschläfer unsanft vor seine Tore setzt. Verdutzt sitzt er im Grase und reibt sich die Augen…“ ( S. 1075, 7 – 12).
Kriegsszenarium (Krachen, Donner  S. 1080, 22 – 29 ; Brisanzgeschoß  S. 1084, 12)

Entzauberung:

Castorp „sah sich entzaubert, erlöst, befreit“ (S. 1079, 2).

Sehnsucht des Herzens gestillt (Märchen S. 270, 40 ff.):

Castorps Erfüllung durch „Heimsuchung“ (Suchen des Heims!) auf dem Felde (S. 1079, 9 – 14: „Nahm das Leben sein sündiges Sorgenkind noch einmal an, - nicht auf wohlfeile Art, sondern eben nur so, auf diese ernste und strenge Art, im Sinne einer Heimsuchung, die vielleicht nicht Leben, aber gerade in diesem Falle drei Ehrensalven für ihn, den Sünder, bedeutete, konnte es geschehen“.)

Verschwinden:
Die Dorfbevölkerung findet weder Linde, Stein noch Quelle vor, alles ist verschwunden (Märchen S. 271, 3 – 11).

Das Zauberlied macht dem Neuen Platz (S. 990, 17 – 21).
Castorp kommt uns aus den Augen   ( S. 1084, 32). (3)



 Als  Gesamtergebnis halten wir fest:

„Brotsack“ aus dem estnischen Märchen „Die Galgenmännlein“ und „Lindenbaum“ aus dem estnischen Märchen „Das Glücksei“ sind die Zauberwörter, die den „Zauberberg“ entstehen lassen.

 

Anmerkungen:

1.       Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf Thomas Manns Der Zauberberg, Bd.5/1 (Textband) -2(Kommentarband) der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002

2.       In: Friedrich Reinhold Kreutzwald, Estnische Märchen. Aus dem Estnischen übertragen von F. Löwe, bearbeitet von Aivo Kaidja. Tallinn. Verlag Perioodika 1981, S. 263 – 271. Die Märchensammlung Kreutzwalds in der Übersetzung von Löwe erschien 1869 (1. Teil) und 1881 (2. Teil).

3.       Zwei Freunde sind „vermengt und verschwunden“ (S. 1084, 22),vgl. Kommentarband 
S. 410
 

Veröffentlichung:  13.05.07

Autor: Gerhard Adam

 

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