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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

               Spuren im „Zauberberg“ : Julius W. Grosse, Maria Mancini (1869)

 „Maria Mancini“ dient nicht nur als Name der Lieblingszigarre Castorps und ist allgemein bekannt als  Geliebte  Ludwigs XIV., sondern Details im „Zauberberg“ lassen Bezüge zu Grosses Roman  erkennen.

Bei der Faschingsszene im „Zauberberg“ lässt sich eine ähnliche Struktur wie in Grosses Maskenball feststellen.

 Mazarin schreibt ein Billet an den König, das ihm den Besuch bei seinen Nichten (Olympia, Hortensia, Maria) untersagt.   Mazarins Nichte Olympia vertauscht diese Billet mit einem Schmähgedicht auf die Prinzessin Margarethe von Savoyen (M, Band1, 51, 22 – 25) (1),  die schon zur möglichen Verlobung mit Ludwig XIV. auf den Maskenball nach  Lyon kommt. Überbringer des Epigramms ist Olympias Gatte im Pagenanzug à la Savoie schwarz mit Gold (M, Band 1: 34, 1 f.) – eine „Faschingsidee“ Olympias (M, Band 1: 34, 12). An diesem  Hinweis und dem Epigramm lässt sich die Verbindung zwischen dem Fasching im „Zauberberg“ und dem  Maskenball im Roman „Maria Mancini“ aufzeigen. Im „Zauberberg“ setzt sich am Faschingsdienstag Settembrini mit Zitaten aus dem „Faust“ in Szene (Z 491, 17 f.; 492, 8 ff.; 493, 24 – 27; 495, 8; 497, 3) (2). Settembrinis erster Zettel gewinnt seine Bedeutung dadurch, dass er zunächst an Marusja (Maria) geht: „…und es erregte am Tische Hans Castorps viel Zustimmung, als Settembrini einen Zettel herübersandte (er händigte ihn der ihm zunächstsitzenden, mit einer Jockei – Mütze aus grünem Seidenpapier geschmückten Marusja ein)…“ (Z 492, 3 – 6). Warum trägt Marusja eine Jockei – Mütze aus grünem Seidenpapier“? Dies ist nur von Grosses Roman her zu erklären, wenn man nicht an den reinen Zufall glaubt: Olympia  wurde anlässlich eines Besuches der Königin Christine von Schweden von dieser unterstützt bei ihrem Vorhaben, Gemahlin von Ludwig XIV. zu werden. „In Folge dieser Empfehlung legte Olympia aus Entzücken sogar dasselbe Kostüm der Schwedin, den Reitrock und den Mannsrock an“ (M, Band 1, 17, 22 – 25).Die „grüne“ Farbe kommt von  Margaretha von Savoyen her, der vorgesehenen Braut: Sie ist olivenfarbig (M, Band 1,  43, 15; 63, 8). .). Settembrinis zweiter Zettel (Z 493, 24 – 27) passt inhaltlich zum Thema der „königlichen Brautschau“ (M, Band 1, 3, 5). Margarethe von Savoyen hat ein körperliches Gebrechen, sie ist „verwachsen“:

                                           „Frankreichs stolz gewachs`ne Ceder,

                                              All`dein Glück ist nun verwachsen

                                                     Mit Savoyens Rose. Jeder

                                               Weiß, daß selber sie – verwachsen.“ 

                                                          (M, Band 1, 51, 22 -25)

Das Epigramm Settembrinis auf dem zweiten Zettel  richtet sich in noch gesteigerter Ironie an eine moribunde Gesellschaft:

                                              „Gesellschaft, wie man wünschen kann.

                                                        Wahrhaftig, lauter Bräute!

                                                  Und Junggesellen Mann für Mann,

                                                       Die hoffnungsvollsten Leute!“

 

Französische Texte (Gedichte) werden ohne Übersetzung in Grosses Roman angeführt (M, Band 1, 17, 12 – 17; 75, 17 – 76, 4). Das kann ein Anregung und Ermutigung für das überwiegend französisch geführte Gespräch zwischen Chauchat und Castorp (Z 508, 7 – 520, 27) im „Zauberberg“ sein. Auch bei Grosse findet ein separates Zwiegespräch während des Maskenballs statt (zwischen Ludwig XIV. und seinem „Günstling“ Vardes: M, Band 1, 83, 19 – 86, 9). Es lassen sich also strukturelle und inhaltliche Übereinstimmungen in der Faschingsepisode des „Zauberbergs“ und dem Maskenball in Grosses Roman „Maria Mancini“ finden.

 Maria Mancini hat im Unterschied zu Marusja  zwar schwarze Augen (M, Band 1, 25, 8; Z 107, 1: Marusja hat braune Augen) und einen sanften Blick (M, Band 1, 25, 22; Z 177, 11: Marusja blickt kindlich). Maria Mancini   gibt aber Augen und Blick weiter an Luise und Joachim Ziemßen: “ Luise Ziemßen hatte dieselben schönen, schwarzen und sanften Augen wie Joachim“ (Z 758, 13 f.). Hier zeigt sich im „Zauberberg“ die oben schon festgestellte Nähe von Joachims Mutter Luise („Louise“) nicht nur zur historischen, sondern zu Grosses  Maria Mancini.

König Ludwig sitzt nun beim Maskenball „in der einfachen Maske eines Domino“ (M, Band 1, 83, 8 f.), Krokowski s Lüsterhemd wirkt „dominoartig“ (Z  501, 10 ff.). Natürlich ist eine solche Beobachtung, je näher sie an „Sachnotwendigkeiten“ heranreicht, wie gängige Faschingskostüme, nicht so gewichtig.

Ganz anders verhält es sich aber mit dem Motiv des Schuhezubindens: „Man muß sich zu helfen wissen, sagte der Bauer, zog einen Wurm aus dem Acker und band sich die Schuhe damit zu“ (M 201, 20 ff.).Im „Zauberberg“ führt Behrens zu festlichen Gelegenheiten  das „ Kunststück mit seinem Schnürstiefel“ vor (Z  172, 12 – 19; 353, 18 f.; 383, 13). . Bei der Abgelegenheit eines solchen Motivs ist trotz des Unterschieds  eine Abhängigkeit des „Zauberbergs“ von Grosses Roman anzunehmen:

 Der Weg ist kurz, vom „Wurm“ auf Schnürbänder zu kommen und ein vielleicht schon bekanntes Kunststück in den „Zauberberg“  einzuführen.

 Ludwigs Zuneigung zu Maria Mancini hatte  anfänglich „eine starke Beimischung von Anbetung, Respekt und sogar Furcht “ (M, Band 1, 44, 10 f.). Dies kann Leitlinie auch für das Verhältnis Joachims zu Marusja sein: Erst am Abend vor seiner ständigen Bettlägerigkeit spricht er sie zum ersten Mal überhaupt an. „Dieser Anblick: Joachim, im Gespräch rücksichtslos hingegeben an die hochbrüstige Marusja, mit der er so lange an ein und demselben Tisch gesessen, ohne ein einziges Wort mit ihr zu wechseln; vor deren Person und Existenz er mit strengem Ausdruck, vernünftig und ehrliebend, die Augen niedergeschlagen hatte, obgleich er fleckig erblaßte, wenn von ihr die Rede war, - erschütterte Hans Castorp mehr als irgendein Zeichen der Entkräftung, das er in diesen Wochen sonst an seinem armen Vetter wahrgenommen. „Ja, er ist verloren!“  dachte er…“ (Z 804,5 -14). Auch hier könnte Grosse eine Interpretationshilfe bieten. In „Maria Mancini“ kommentiert Olympia die nach Erscheinen der „Braut“ offensichtliche Aussichtslosigkeit des „Verhältnisses“ zum König mit den Worten: „Wir sind verloren“(M, Band 1, 24, 9).

Für die burleske Darstellung von Karl IV., des Herzogs von Lothringen, entschuldigt sich Grosse: „…es wäre so dankbar gewesen, in diese Welt der gallischen Verwesung einen biderben wahren deutschen Helden als erfreulichen Kontrast zu stellen, allein die Sünde gegen die historische Wahrheit wäre allzu unverantwortlich gewesen, hätte man diesen Herzog und seinen Neffen zu Repräsentanten deutscher Reinheit und Sittenstrenge umprägen wollen.“ (M, Band 1,253, 8 – 15). Diese Bemerkung sei „vielleicht um so nothwendiger, als in der heutigen Zeit der Maßstab des „Patriotismus“ fast in allen Gebieten ein unvermeidlicher geworden ist“(M, Band 1, 253, 21 – 24). Der „Zauberberg“ nimmt sich wenige Jahre nach Versailles die Freiheit, deutschen Lesern eine große französische Passage im Roman zuzumuten.

 

Anmerkungen:

1.        Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf „Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1 (Textband) – 2 (Kommentarband) – M. Neumann -  der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002“ (Abkürzung: Z) und „ Julius W. Grosse Maria Mancini, Band 1 und 2, Adamant Media Corporation 2006“ (Abkürzung: M). Hervorhebungen durch Fettdruck vom Autor.

2.       Stellenangaben im „Faust“:  Kommentarband, S. 242 f.

 

Veröffentlichung:  27.12.07

Autor:  Gerhard Adam

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