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Castorp
Castorp
Castorp
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Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                                            Hans Castorps Freundin Clawdia Chauchat

Bei der ausführlichen Vorstellung von Clawdia Chauchat am Anfang des Romans ( S. 118, 16 – 120, 14 ) fällt ins Auge, wie eingehend die Hand Clawdias geschildert wird, obwohl Hans Castorp die Details „eher ahnungsweise“ erkannte, „als daß er es eigentlich gesehen hätte, - die Entfernung war doch zu bedeutend“ ( S. 119, 15 ff.) (1). Motiviert wird dies durch Castorps besondere Aufmerksamkeit für Hände (S. 119, 3 – 6; vgl. auch S. 196, 26 - 197, 9). Hinter dieser Beschreibung steckt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Hinweis, wie der Name Clawdia Chauchat zu erklären ist.

Natürlich  ist zunächst an eine „Mischung aus slawischem Vor – und französischem Nachnamen“ zu denken“ und diese Namen  werden  im Roman auch ausgedeutet (2). Aber warum sind es gerade diese Namen?

 Am Anfang des „Zwischenfalls“ ist es neben Fräulein Engelhart ein englisches Fräulein, Miß Robinson, die Hans Castorp verwundert anblickt (S. 118, 21 f.). Warum wird sie genannt? Soll  mit ihr unser Blick auf eine englische Erklärung des Namens gelenkt werden, da am Ende die russische und französische Erklärung der Namen eher kurz abgetan wird (S. 120, 1 – 9)?

Die Ableitung des Namens Clawdia vom engl. "claw" ist schon lange vorgeschlagen worden.
Die Bedeutung des engl. „claw“ ist „Klaue, Kralle“.  Die Etymologie zu „Klaue“ ist nach Wahrig: „ <ahd. Klawa „Kralle, Pfote, Tatze“ <germ. *klewo - <idg. *gleua – „die Packende“ und von dem dazugehörigen „klauen“ : <ahd. Klawen <germ. *klaw(j)an „mit den Klauen fassen, kratzen“ (S. 737) (3). Die im Text ausführlich dargestellte „Hand“ führt offensichtlich zum Namen. Der Bezug auf die „Klaue / Kralle“ eines Vogels bei Clawdia wird  gestützt durch den Namen von Miß Robinson (engl. robin: Rotkehlchen ), die „flaumige“ Röte von Fräulein „Engel“hart ( S.119, 32 f.), den lautlosen und „eigentümlich“ schleichenden Gang mit vorgeschobenem Kopfe von Vögeln ( S.118, 29 – 32; vgl. auch "auf Taubenfüßen" S. 577, 1; 580, 6 f.;164, 18 f.; 199, 13 f.), die aufgerauhte Haut als Folge von reinigendem Picken ( S. 119, 14 ) und durch den vermeintlichen Gatten, den „Herrn mit vorhängenden Schultern“, den vorgezogenen "Flügeln" ( S. 120, 6). Auch die Injektionsspritze Peeperkorns, die „zwei gebogene, stahlblanke Gabelzinken mit äußerst scharfen Spitzen“ zeigt ( S.945, 5 f.), erinnert an Krallen und Clawdia. 
 Liest man nun aber weiter Chauchat als phonetische Umschrift, ergibt sich das engl.“ show“ und „shut“. Wir haben also in dem Namen Clawdia Chauchat  die Kombination „Klaue - Dia -Schau – Zumachen“. Dia - Schau verweist auf die Diapositive im Durchleuchtungsraum (S. 326, 32) und ihre Vorführung durch Behrens (S. 327, 13 - 30). Der Krach bei den Aufnahmen und die sich anschließende Stille (S. 328, 18 und 22; 329, 4 f.) entsprechen Clawdias Auftritt. Damit ist die wiederholte „Unmanier“, die Türe zufallen zu lassen (S. 72, 7 – 24; 108, 2 – 9; 118, 16 – 120, 14;141, 31 f.; 213, 4 f.; 219, 28; 222, 3 ff. - ohne Publikum; 312, 27; 319, 13; 362, 27; 526, 6 f.; 879, 17;vgl. auch  528, 12 - 18; 760, 33; 837, 16 - 19), durch Namensgebung "gebrandmarkt" – nichts Ungewöhnliches bei Namensgebungen. Clawdia Chauchat ist also diejenige, die mit ihrer "Klaue" lautstark zur Schau die Türe zumacht. Unterstützt wird unsere Erklärung des Namens noch dadurch, dass es in Davos eine solche „Täterin“ gab, die Thomas Mann „mit ihrem Türenschmeißen tatsächlich sehr verletzt, beleidigt und geärgert“ hat (4).

Nun ist damit noch nicht erklärt, warum Clawdia bei ihrem Gang "die eine Hand in der Tasche der anliegenden Wolljacke hielt, die andere aber, das Haar stützend und ordnend, zum Hinterkopf führte " (S. 118, 33 - 119, 3; 141, 32 ff.;vgl. auch 164, 16 f.;323, 2 f.). Das ist offensichtlich die Gestik eines Models, das außerdem "ohne Laut" und "eigentümlich schleichend und etwas vorgeschobenen Kopfes"  daherkommt (S. 118, 29 - 32; 164, 18 f.; 872, 19; 878, 6). Bestätigt wird dies dadurch, dass "claw" rückwärts gelesen "walk", also Gang, Weg heißt. Übersetzt man "chat" in Chauchat normal mit "Katze", ergibt sich bei dem Namen Clawdia Chauchat eine Rahmung "chat-walk = engl. catwalk = Laufsteg. Interessant ist, dass auch die wörtliche Übersetzung "Katzengang" in einem späteren Vergleich von Fräulein Engelhardt bestätigt wird: "Natürlich, da geht sie, - und wie reizend sie geht, - ganz wie ein Kätzchen zur Milchschüssel schleicht!" (S. 207, 20 f.; vgl. auch 534, 11; 828, 23; 837, 21 f.) Bekanntlich ist der Speisesaal, den Chauchat betritt, voller Milch: "Es schimmerte weiß im Saale vor lauter Milch: an jedem Platz stand ein großes Glas, wohl ein halber Liter voll" (S. 105, 29 f.).  Eine allegorische Deutung der Figur Clawdia Chauchat ergibt sich nun daraus, dass Behrens Milch mit der Lymphe in Verbindung bringt: " Man spricht immer vom Blut und seinen Mysterien und nennt es einen besonderen Saft. Aber die Lymphe, die ist ja erst der Saft des Saftes, die Essenz, wissen Sie, Blutmilch, eine ganz deliziöse Tropfbarkeit, - nach Fettnahrung sieht sie übrigens wirklich wie Milch aus" (S. 401, 27 - 31).  
Clawdia Chauchat schlägt nicht nur mit ihrer "Klaue" lautstark zur Schau die Türe zu und "präsentiert" (S. 218, 28; 346, 2; 838, 9) sich auf ihrem "Laufsteg". Was ist der tiefere Sinn ihres Auftritts?
Es gilt vor allem zu sehen, dass Ziel ihres Weges der Platz neben Dr. Krokowski ist. Krokowski taucht im Roman wiederholt als der Totenrichter "Minos" auf (S. 90, 10 und 15; 297, 1). Auch der Hinweis auf das "Schattenreich" des Laboratoriums an unserer Stelle (Dia) zeigt:  Clawdias "Prozession" geht zur Unterwelt vor den Augen der schmausenden moribundi im Speisesaal. Sie kommt zu spät, weil sie vom Abtransport der Toten während des Essens kommt (S. 447, 28 f.). Ihre Haare sind "in Zöpfen um den Kopf gelegt" (S. 118, 28), also kranzförmig und festlich.  Sie ist - "blühendes" Leben als Model - Wegbereiterin des "Totentanzes". (5)
Anmerkungen:
1.   Thomas Mann, Der Zauberberg, s. Anm. oben.
2.   Kommentarband, s. Anm. oben, S. 76
3.   Wahrig, s. Anm. oben, S. 737, s.v. "Klaue".
4.   Katja Mann, zitiert im Kommentarband, S. 76. Zum Einsatz der Phonetik vgl. "Hotevoleh", das Behrens "mit scherzhaft unmöglicher Aussprache" (S. 163, 18 f.) artikuliert.
5.   Dem ersten Moribundus, den Castorp sieht, ist Chauchat nahe ( S. 164, 15). Kurz vorher werden"Paradiesvögel" und "Moribundus" nebeneinander gestellt ( S. 163, 24 f.).
Veröffentlichung: 31.07.07
Autor: Gerhard Adam
                              

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