Inhaltsverzeichnis
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Beitrag 90
Beitrag 91
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                    Spuren im „ Zauberberg “: Karl Immermann, Die Epigonen (1836)

Die Untersuchung will an einigen Stellen den Einfluss der „Epigonen“ auf den „Zauberberg“ nachweisen. Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf „Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1 (Textband) der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002“ (Abkürzung: Z) und „Karl Immermann, Die Epigonen, Zenodot Verlagsgesellschaft mbH  Berlin, 2007“ (Abkürzung: E).

 Die Biographien der beiden Romanhelden haben Gemeinsamkeiten. Hermann , die Hauptfigur der „Epigonen“, ist Sohn (Pflegesohn) eines Senators in Bremen (E  17, 24 f.), Hans Castorp Sohn eines Senators in Hamburg ( Z 34, 28; Z 11, 1f.; vgl. E 475, 9: „Hamburg und Bremen“) Beide Väter  führen den Namen Hermann (E 474, 28; Z 34, 11).Hermann und Hans sind protestantisch (E  57, 12; Z 39, 21) und um die 23 Jahre alt (E 34, 19; Z 59, 14 f.; 132, 15 f.).  Die Erinnerungen an die Eltern liegen hinter Hermann „wie Märchen“ (E 23, 4 f.), Hans hat „blasse Erinnerungen“ (Z 34, 4 f.).Einen Unterschied gibt es bei den Vorfahren: Bei den Vorfahren Hermanns gibt es das „Geheimnis der Familiensünde“ (E 457, 8), bei Castorp sind die Verhältnisse“moralisch“ geordnet.  Beide reisen zu Verwandten, Hermann zum Oheim (E 51, 8 ff.), Hans zu seinem Vetter Joachim (Z 60, 22 f.).Beide haben Zeit: Hermann ist als Referendarius aus dem Staatsdienst ausgetreten (E 24, 4 f.), Hans hat nach seinem Ingenieurexamen seine Stelle noch nicht angetreten (Z 60, 21).

Auch ihrem Wesen nach sind sie sich ähnlich. Hermann  vertraut auf seinen Geist (E 15, 4 f.), ist geistesgegenwärtig (E 100, 21) und ein „gescheiter, offener Kopf“ (E 143, 27 f.). Für den Arzt in den „Epigonen“ ist Hermanns „ ganzes Wesen, diese Mischung von Leichtsinn und Ernst, von Frühreife und Jugendlichkeit“ unverständlich  (E 196, 2 f.), er ist ein „Mischling… von Schlauheit und Kindersinn“ (Rektorin: E 152, 21 f.). Hermann hat ein glückliches Naturell (E 197, 5 – 10) Damit ist auch Castorp charakterisiert. Er ist ein „Schalk“ (Z 859, 8; auch Z 906, 18 f.). Beide nehmen es, wie es eben kommt (E 7, 30 f.; Z 54, 11 – 14).

In den „Epigonen“  zeigt Hermann Wilhelmi eine „Dose altfränkischen Ansehns“ (E 227, 32). Wilhelmi erklärt sie ihm als „Lorenzodose“ (E 227, 35). Hermann erinnert sich, eine solche Dose „als Knabe unter den Sachen meines Vaters gesehen zu haben“ (E 228, 13 f.). Auch Hans Castorps Großvater Hans Lorenz Castorp (Z 35, 1; 40, 32 f.; 42, 31; 181, 12),  in dessen Kontor  es „idyllisch – altfränkisch“ aussah  (Z 41, 20 f.), besaß  eine Dose, die er „liebte“ (Z 42, 11).  Erst die „Epigonen“ erklären uns also, wie die Dose in den Roman hineinkommt und warum der Großvater den Zweitnamen „Lorenz“ trägt.

Der alte Fiete versucht,  von der Stirn des toten Großvaters eine Fliege zu verscheuchen mit einer „ehrbaren Verfinsterung seiner Miene", so, als dürfe und wolle er von dem, was er da tat, nichts wissen, - einem Ausdruck von Sittsamkeit, der sich offenbar auf die Tatsache bezog, daß der Großvater nur noch Körper und nichts weiter mehr war“ (Z 47, 22 – 28). Ebenfalls  in „ehrbarer Verfinsterung seiner Miene“ zeigt sich Castorps Unbehagen gegenüber dem Treiben des russischen Paares im Nachbarzimmer (Z 62, 33 – 22) Eine „Verfinsterung von Castorps Miene“ scheucht Wehsal zurück (Z 644, 4 f.). Dieser Ausdruck ist in den “Epigonen"angelegt. „Mit finstrer Miene“  E 75, 22) ermahnt der Herzog  den alten Erich.  „Mit verfinstertem Gesicht“ (E 115, 35) stellt Flämmchen fest, dass sie in der Herzogin eine Konkurrentin hat. Hermann sagt – als Spitze gegen  Wilhelmi -  er wolle „nicht so unbedeutend durch das Leben gehen. Fürs erste schaffte ich mir eine finstre Miene an, und sah aus, als ruhe die Last der Welt auf meinem Busen. Es war aber nicht so schlimm; das Essen und Trinken schmeckte mir dabei, und ich schlief mit meinem Grame bis an den Morgen. Aber so schon begann ich zu gelten (=ehrbar zu werden; der Begriff „ehrbar“ E 132, 19 - 22)... Es kam nur noch darauf an, krank zu werden“ (E 21, 37 – 22, 4). Die Verbindung „ ehrbar und krank“  wird im „Zauberberg“  bei den Kanken weiter ausgebaut: „ … und der Eigenschaften, die Ehre schaffen, gibt es diese und jene. Sogar gegen Joachim selbst beobachtete Hans Castorp eine gewisse Ehrerbietung und Rücksicht, - nicht sowohl, weil dieser der länger Eingesessene war und sein Anleiter und Cicerone in dieser Welt, sondern namentlich, weil er der zweifellos „Schwerere“ war“ (Z 311, 11 – 17).

Kurz nach seiner Einquartierung im „Berghof“ hat Castorp sein erstes Erlebnis mit einem Patienten. Das Husten des „Herrenreiters“ hört sich an „wie ein schauerlich kraftloses Wühlen im Brei organischer Auflösung“ (Z 25, 7 f.). „Es ist ja gerade, als ob man dabei in den Menschen hineinsähe, wie es da aussieht, - alles ein Matsch und Schlamm…“ (Z 25, 25 ff.). Castorp versichert das wiederholt, seine Augen hatten einen „erregten Glanz“ (Z S. 25, 31 – 34; „sinnliche Erregtheit“ beim Blick nach innen: E 112, 29 - 33). Das Motiv der Auflösung und Verwesung  zieht sich durch die beiden Romane hindurch. In den „Epigonen“ ist es der Arzt, der vor dem Domherrn „ein treffendes Bild der Auflösung entwarf, worin deren einzelne Erscheinungen und Stadien mit schauderhafter Lebendigkeit hervortraten, so daß man froh sein mußte, wenn dieses widerliche Gären endlich in lauter grauem Staube sich beruhigte“ (E 175, 32 – 35). ). Ida fühlt „ein Weben der Auflösung, die schwarzen Männer werden mich gewiß wegtragen“ (E 63, 13). Die Alte weiß: „ Leben und Tod sind nicht geschieden, wie Schwarz und Weiß; ein entsetzliches Grau steht dazwischen, die Verwesung“ (E 368, 15 f.). Sie fällt in den „Scheintod“ (E 469, 21 ff., 469, 35 – 38; 113, 21 – 31): „Ich war nicht lebendig ind ich war nicht tot, ich war zwischen beiden“( E 368, 30 f.).   Im „Zauberberg“ legt James Tienappel  Behrens die Frage vor, „wie es so zugehe, wenn der Mensch verwese“ (Z 660, 23), „der Körper sich auflöse“ (Z 660, 26 f.). Behrens schildert dies in aller Ausführlichkeit (Z 660, 28 – 661, 12; vgl. auch 403, 1 – 404, 24). In der Dunkelkammer sah Castorp „in sein eigenes Grab. Das spätere Geschäft der Verwesung sah er vorweggenommen durch die Kraft des Lichtes, das Fleisch, worin er wandelte, zersetzt, vertilgt, zu nichtigem Nebel gelöst…“ (Z 333, 5 – 8). Den Körper muss man verabscheuen, „sofern sein spezifischer Geist …der Geist der Verwesung“ ist  (Settembrini: Z 381, 4 ff.). Castorp denkt über  die fleischliche Schönheit nach als „verwesend-wesenden Materie“ (Z 418, 9 – 419, 8). Bevor sich ein Moribundus „auflöst“, will Castorp  „noch ein paar menschliche Worte mit ihm “ wechseln (Z 448, 23 f.). Die „fast unanständige, niedrig körperliche Bewandtnis, die es mit dem Tode hatte (Z 47, 4 f.), die „so ganz eigentümlich zähe Ausdünstung“ des toten Großvaters lässt sich nicht „ beschönigen“ (Z 47, 5). Im toten Körper, „der ja auch nicht wirklich tot ist (Z 111, 15), herrscht ein „munterer Betrieb“ (Z 111,19 – 25; 112, 1 – 4).

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