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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

Flämmchen  wird in den „Epigonen“ mit Tanz verbunden: „Es entwickelte sich nun etwas an dem Mädchen, was niemand hatte vorausahnen können, nämlich eine Neigung, oder – denn dieses Wort sagt viel zuwenig – eine unwiderstehliche Notwendigkeit, zu tanzen “ (E 184, 18 ff.). Der Arzt schreibt in sein Denkbuch: „ Was ich von dem Mädchen höre, lege ich mir als Arzt leicht aus. Dennoch bleibt darin etwas Mystisches. Tanz? Wer hat seine Bedeutung schon ergründet? Religiöse Tänze. Tanz der Schamanen“ (E 182, 19 ff.). Die Alte braucht Geld, weil Flämmchen  viele Schule durchtanzt, besonders bei Mondlicht. (E 173, 5 – 9; 184, 30 – 185, 32)). Das „Flämmchengetänzel “  im „Zauberberg“ (Z 1021, 18) nennt dieses Motiv, aber es gibt auch sonst noch Stellen, die an Flämmchen erinnern. Die Tanzschritte waren„mehr ein Schleichen, als ein Gehen“ (E 370, 18). Chauchat geht „eigentümlich schleichend“ durch den Saal (Z 118, 31; 199, 13; 207, 21; 907, 10 f.). Der Tanz verbindet sich mit dem Tod: Flämmchen soll „den Tod und die Auferstehung tanzen“(E 369,36 f.)„ Auch Leutnant Ziemßen ist gestorben, von so vielen minder ehrenhaften Tänzern des Todes ganz abgesehen“ (Z 868, 9 f.) Behrens erzählt, dass er fast am „abtanzen“ war (Z 385, 21).Überschrieben wird ein Abschnitt mit „ Totentanz“ ( Z. 434, 11). Es ist ein „arges Tanzvergnügen“, in das Castorp als Soldat hineingerissen wird (Z 1085, 13).

Ein Tischgenosse Castorps ist Ferdinand Wehsal. Er wird im „Zauberberg“ ausführlich in seiner unterwürfigen und erbärmlichen Art beschrieben (Z 643, 4 – 644, 20; 835, 24 – 836, 6; 869, 30 -  870, 2; 878, 2 – 5; 932, 8 – 936, 17) und trägt Züge des Kurators in den „Epigonen“ (E 365, 30 – 366, 16).  Der Kurator ist von den Verwandten des Domherrn beauftragt worden, den Lebenswandel Flämmchens als „Curator ventris“ zu beobachten (E 357, 21 – 38). Er ist in Flämmchen verliebt und wird von ihr als „Hanswurst“ behandelt (E 358, 27 – 359, 4). Als Bote von der Alten missbraucht, schickt der Kurator Hermann zur Liebesnacht  angeblich mit Johanna und sorgt damit dafür, dass Flämmchen schwanger wird (E 371, 21 – 372, 4; 473, 11 – 474, 2). Angesichts seines Beitrags kann „curator ventris“ (ein juristischer Begriff) hier wohl wörtlich - ironisch übersetzt werden: Besorger des Bauches. Wenn wir jetzt die Meinung des Curators dazu nehmen, dass man  statt seiner  einfach „eine Hebamme zur Untersuchung“  hätte schicken können (E 357, 28),  so könnte man "curator ventris" mit "Hebammerich" übersetzen.Die Entstehung des Namens Wehsal wird deutlich. Wehsal ist aus den Wehen („Weh“) und dem Substantivsuffix –sal gebildet. Eine Zusammensetzung mit Weh-  findet sich im Ausdruck  „Wehmutter“  in den „Epigonen“(E 369, 26). Der Vorname Ferdinand  ist einer Hauptfigur dieses Romans entlehnt, die in aussichtsloser Liebe zu Cornelie steht.

Vergleichbar sind auch die“ Boten“ in den Romanen:  Der Advokat des Oheims in den „Epigonen“ wird durch die Atmossphäre im Schloss „verführt “ (E 203, 32; 219, 21; 231, 7 f.) und rührt „keine Feder mehr für ihn an“ (E 73, 31 f.): „So schied der verwandelte Feind“ (E 74, 17 f.). Für James Tienappel im „Zauberberg“ erweist sich ebenfalls die „Charakterstärke der Umwelt“  (Z 653, 23) auf dem „Berghof“ , die „Selbstgewißheit der Wirtssphäre …als wahrhaft erdrückend“ (Z 653, 18 f.). Er kann seinen Auftrag nicht erfüllen und ist „heilfroh, auch nur allein davonzukommen“ (Z 661, 31 ff.)

In den „Epigonen“ wird der Domherr in dieser Weise charakterisiert: „So entstand denn in ihm ein wahres Chaos von unzusammenhangenden Meinungen, und einander aufhebenden Maximen. Ein Spötter hatte ihn einst den lebendig gewordenen Vordersatz ohne Nachsatz genannt. Dagegen galt er wieder bei vielen andern für einen reichen Geist, ja für ein Genie“ (E 174, 24 – 27). Das steht in Übereinstimmung mit Peeperkorn. Dieser begleitete die Debatten „nur mit stirnfaltigem Erstaunen und undeutlich – spöttischen Abgerissenheiten“ (Z 887, 13 f.). Das „Ausbleiben sachlicher und zu Ende geführter Mitteilung“ (Z. 832, 22 f.; 840, 26 – 30) wurde nicht vermißt. Er ist ein „königlicher Stammler“ (Z 879, 32). Seine „Schlußweste verleiht ihm was Geistliches“ (Z 830, 5; 846, 22 f.; vgl. auch die biblische Anspielung  Z 860, 30 – 861, 6; 865, 22 ) Bei dem Vergleich Peeperkorns mit einem tanzenden Heidenpriester (Z 864, 20 – 26; 873, 23 ff.; 894, 12 f.) könnten Domherr und Flämmchen gemeinsam Pate gestanden haben (mit dem oben zitierten Eintrag des Arztes:  E 182, 19 ff.).

 

Das Duell des Johanniters gegen Hermann (E  53, 4 – 54, 20) hat ohne Zweifel das Duell Naphta – Settembrini im „Zauberberg“ angeregt (Z  1065, 7 – 1070, 26). Bei dem Johanniter „gibt der Orden nichts mehr zu leben“ (E  44, 17), während Naphta in guten Verhältnissen lebt (Z 591, 25 f.).  Settembrini  entspricht dem Komödianten in Kleidung und Gestalt eines „Drehorgelmannes“ (Z  88, 13 – 89, 8; 131, 16; 228, 5; 244, 22; 340, 11; 365, 18 f.; 719, 29; 588, 31 f.; 590, 10). Anlass für die Forderung ist der Vorwurf Hermanns an den Johanniter,  aus unlauteren Absichten Flämmchen zu sich zu nehmen, also der Vorwurf  körperlicher Jugendverführung (E 48, 18 ff.). Settembrini beleidigt Naphta mit dem Vorwurf, „daß Ihre Art, die ohnehin schwanke Jugend geistig zu verstören, zu verführen und sittlich zu entkräften, eine Infamie und mit Worten nicht streng genug zu züchtigen ist…“, also mit dem Vorwurf der  geistigen Jugendverführung (Z 1055, 29 – 32; vgl. dazu Medon:  E 291, 26; 297,2). Im Duell in den „Epigonen“ wird Hermann von Flämmchen abgelenkt und mit dem Degen verwundet. Arzt und Sekundanten gibt es nicht, der Johanniter fährt davon. Mit der zufällig vorbeifahrenden Kutsche des Herzogs wird Hermann ins Schloss gebracht (E 56, 18 – 28).  Das Duell imZauberberg“ findet  (ebenfalls ohne Arzt, aber mit Sekundanten) am  Ort von Castorps“Regierungs – Zurückgezogenheit“ statt (Z 1063, 23 – 28). Das ist ein Verweis auf  Castorps Ausflug  (Z 179, 24 – 190, 11). Dort überrascht ihn ein Nasenbluten (Z 182, 31), „man hätte sagen können, ein lebloser Körper liege hier oben beim Hießbache auf der Bank“ (Z 183, 18 ff.) und  im Traume erscheint ihm Pribislav Hippe. Ein Fuhrmann bringt ihn dann  in die Nähe des „Berghof“ (Z 190,3 – 11). An die Stelle von Flämmchen in Knabenkleidern („Geschlecht? Was ist das?“ E 81, 28 f.) tritt also im Traume Castorps Pribislav Hippe und  zieht in Ausfüllung der Figur Flämmchen auch die „identische“ Gestaltung  der  Figur Clawdia Chauchat  im "Zauberberg" nach sich.

Die „Epigonen“ stellen aber nicht nur das Duell Johanniter – Hermann zur Verfügung, sondern zudem die Möglichkeit eines Duells auf Pistolen zwischen  Hermann und Ferdinand um Cornelie (E 329, 14 – 35; 449, 8). Auf die Drohung Ferdinands weist Hermann kalt  auf sein „Paar gezogner Lütticher Pistolen zu Hause“ hin. (Albin im "Zauberberg" hat Pistolen aus Belgien: Z 1063, 9) Als Ferdinand später  Hermann sieht, stürzt er sich rasend vor Wut  in das Pumpenwerk. Er wird vom Gestänge erfasst, als er den „bleiernen Ring “ erobern will und stirbt (E 456, 1 -  18). Der Duellgegner Hermanns scheidet also hier vorher (durch Selbstmord?) aus und nicht während des Duells.

Veröffentlichung: 17.11.07

Autor: Gerhard Adam                                                           

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