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Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
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Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                                                           Staatsanwalt Paravant

Zur Erklärung des Namens Paravant bietet sich der Abschnitt an, in dem schon Peeperkorn vorgestellt wurde (S. 826, 30 – 827, 30). (1) Die Paravant betreffende Stelle lautet:

 „ Nicht genug, daß neuerdings hier sogar eine ägyptische Prinzessin anwesend war, dieselbe, die dem Hofrat einst das bemerkenswerte Kaffeegeschirr und die Sphinxzigaretten geschenkt hatte, eine sensationelle Person mit nikotingelben beringten Fingern und kurzgeschnittenem Haar,… übrigens von der Männerwelt nichts wissen wollte, sondern ihre zugleich träge und heftige Huld ausschließlich einer rumänischen Jüdin zuwandte, die schlecht und recht Frau Landauer hieß, während doch Staatsanwalt Paravant um Ihrer Hoheit willen die Mathematik vernachlässigte und vor Verliebtheit geradezu den Narren spielte…“ (S. 827, 11 – 23).

Paravant liebt die Mathematik. Es gelingt ihm, eine schwierige geometrische Figur mit verbundenen Augen zu zeichnen (S. 953, 23 – 32). Sein Hauptinteresse gilt der „Quadratur des Kreises“ (S. 628, 15; 953, 33 – 956, 26). Im Zentrum dieses Problems steht naturgemäß die Verhältniszahl  pi: S. 955, 8 (21); 956, 8 (16, 17). Namen von Mathematikern werden genannt, die sich mit diesem Problem beschäftigt haben: Zacharias Dase (S. 955, 10), Archimedes (S. 955, 24), Leonhard Euler („Eulenspiegelei“, S. 956, 18!) und  der  Mathematiker Edmund  Landau, der sich „schlecht und recht“ hinter  der Jüdin Landauer verbirgt (S.827, 20 f.).(2)

 Nun liegt es nahe, dass diese Leidenschaft – ähnlich wie bei Peeperkorn – Eingang in den Namen findet: Das „P“ am Anfang des Namens Paravant ist ein Pi (wieder englisch ausgesprochen). Nimmt man das folgende „a“ dazu ergibt sich wie bei Pribislav das Wort „pia“. Zu Paravant passt ein lateinisches Wort schon deshalb, weil er nicht nur Mathematik kann, sondern auch Latein  (S. 366, 26). Der Blick auf die zitierte Stelle oben zeigt nun, dass Paravant mit der ägyptischen Kultur verbunden wird: ägyptisch, Sphinx (mit kurzgeschnittenen Haaren), Hofrat Behrens („Pharao“, der das Volk Israel nicht gehen lässt, s.o.). Die beiden nächsten Buchstaben „ra“ führen uns deshalb auf den ägyptischen Sonnengott (m./f.) „RA“, der in die Unterwelt hinabsteigt und wieder erscheint. Abbildungen zeigen ihn mit kreisrunder Sonnenscheibe auf dem Kopf(vgl. die üblichen Lexika). Damit haben wir auch schon den letzten Bestandteil des Namens Paravant erklärt: „vant“ wird über die Aussprache ein „phant“, dem das griechische Verb „phaínesthai“ = „sich zeigen, erscheinen“ zugrundeliegt (vgl. etwa  die Begriffe Theophanie, Theophant).

Hinter Paravant steht also  PIA - RA - PHANT: der „heilige Ra, der  erschienen ist“. Damit ist Paravant in bester Gesellschaft: Behrens ist Rhadamantes, Krokowski Minos und Hippe Ibis. Der  über/unterirdische Bezug zeigt sich auch an anderen Stellen: Paravant beschäftigt sich mit einem „transzendente(n)  Ziel “(S. 955, 1), er bekommt „aus der Transzendenz eine derbe Backpfeife“ (S. 1014, 21 f.). RA ist mit seiner Sonnenscheibe ein gelungenes göttliches Bild für eine pi – Diskussion.

Nun stellt sich die Frage, wie Paravant zu dem Beruf des Staatsanwalts kommt. Von der Göttergestalt Ra lässt er sich kaum ableiten, wenn man nicht die Unsicherheiten mythologischer Weite voll ausschöpfen will. Hier steht eine andere Göttergestalt Pate: Pallas Athene mit ihrer poietischen Wirkungskraft.

Settembrini beklagt, dass Asien uns verschlinge. Wohin man blicke, sehe man nur tatarische Gesichter. „Man sollte der Pallas Athene hier in der Vorhalle einen Altar errichten, - im Sinne der Abwehr. Sehen Sie, da vorn ist so ein Iwan Iwanowitsch ohne Weißzeug mit dem Staatsanwalt Paravant in Streit geraten. Jeder will vor dem anderen an der Reihe sein, seine Post zu empfangen. Ich weiß nicht, wer recht hat, aber für mein Gefühl steht der Staatsanwalt im Schutze der Göttin (S. 366, 16 – 26).  

Im Traum Castorps durchbohrt Paravant Hauptmann Miklosich, der „Frau Stöhr in seinem Rachen davontrug“, mit einem Speer (S. 141, 25 ff.)  Die Lanze ist Attribut von Pallas Athene. Paravant wird hier tätig im Sinne der Gefahrenabwehr, eine Aufgabe, bei der ein Staatsanwalt bevorzugt mitwirkt.

Der schon früher festgestellte naheliegende Bezug Paravant – Paravent („Stellwand“) verbindet Paravants Beruf des Staatsanwalts über die Funktion des Schutzes direkt mit dem Namen Paravant.

Die Einführung der Schutzgöttin Pallas Athene in den Roman hat also wesentlich zur Ausgestaltung der Figur Paravant beigetragen, insbesondere zur Wahl des Berufes. Dass sie als Göttin der Weisheit darüber hinaus auch die mathematische Leidenschaft bei Paravant entfacht hat und damit sogar die ganze Figur Paravants entstehen ließ, darauf könnten die folgenden Stellen hindeuten:

Paravant hat sich mit seiner Mathematik  „der klaräugigen Göttin in die Arme geworfen, von deren kalmierender Macht der Hofrat so Sittliches zu sagen wußte…“ (S. 954, 20 ff.). „Die Beschäftigung mit der Mathematik, sage ich, ist das beste Mittel gegen die Kupidität. Staatsanwalt Paravant, der stark angefochten war, hat sich drauf geworfen, er hat es jetzt mit der Quadratur des Kreises und spürt große Erleichterung“ (Behrens, S. 628, 12 – 16). Auch die  Mathematik dient also unter der jungfräulichen, „klaräugigen Göttin “ Pallas Athene der Abwehr – Gott RA ist nur das geometrische Bild dazu.   

 Auch Castorps gelungenes Wort von der  „Eulenspiegelei“ (S. 956, 18) gewinnt dadurch an Bedeutung: Es führt nicht nur zum pi – Spezialisten Euler, sondern ist eine Erinnerung an die Eule (heiliges Tier) der Athena. (3)

 Anmerkungen:

1.      Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1(Textband) -2(Kommentarband) – M. Neumann - der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002.
Hervorhebungen durch Fettdruck vom Autor.

2.       Details über die genannten Mathematiker etwa im Internet bei www.wikipedia.de

3.        Zu Pallas Athene, die auch den Gerichtshof auf dem Areopag einsetzt:
           Hunger, Herbert:  Lexikon der griechischen und römischen Mythologie, 8. Aufl. 1988, 
           Wien: Hollinek, S. 87 - 91.
 
Veröffentlichung:   25.01.08
Autor:   Gerhard Adam

 

  

 


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