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Castorp
Castorp
Castorp
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Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                                                                     Holger

Ellen Brand kommt „nicht einmal aus Kopenhagen, sondern aus Odense auf Fünen“ (S. 993, 10 f.) (1). Mit der Ortsangabe Odense auf Fünen liegt ein klarer Verweis auf den Geburtsort von Hans Christian Andersen (1805 - 1875) vor.  Auch die Ausgestaltung Holgers ist mit Andersen in Verbindung zu bringen:  Eitelkeit, Locken, Rechtschreibschwäche. Maar, der dies überzeugend dargelegt hat, erklärt den Namen Holger so: „Der dänische Holger, Schattenmann und „Schutzgeist“ (914), wie er genannt wird, ist kein anderer als der dänische Nationalschutzgeist Holger Danske“. Dieser alte Haudegen kann – Andersens Märchen „Holger Danske“ sei `s gedankt -, auch ein Dichter sein:
„ Der alte Holger in allen Ehren, Andersens Märchengroßvater aber, der die Sage nacherzählt, führt die Neuerung ein, daß es noch eine Stärke gäbe, außer der des Schwertes: Und er zeigte auf das Bord, wo alte Bücher lagen, wo Holbergs sämtliche Komödien lagen, die so oft gelesen wurden … Der dänische Nationalheros könnte demnach auch als Schriftsteller oder Dichtr wiedererscheinen“. (2)
Nun darf man hier die Suche nicht beenden. Gelingt es, den Dichter Holger konkreter zu erfassen, können sich neue Interpretationswege eröffnen.


Weiter führt der Gedanke, dass im „Zauberberg“ nicht nur Andersen "präsent" ist.  So ist der Einfluss des dänischen Schriftstellers Georg  Brandes (1842 – 1927) auf den „Zauberberg“ schon lange geklärt (3). Auch der Anklang des  Namens (Ellen) Brand ist deutlich.

Diese Feststellungen führen nun zu der Frage:

Sollte sich hinter dem Namen Holger ein weiterer namhafter Vertreter der  dänischen Kultur  verbergen?
Holger ist Dichter (S. 1003, 32 – 1004, 8). Dass es sich bei Holger um einen „dänischen“ Dichter handelt, darf als sicher gelten:  Nach poetischer Logik könnte er  „einmal aus Kopenhagen“ sein (wie  Georg Brandes).  Es liegt nun nahe, diesen Dichter  im Kreise von  Brandes  zu suchen. Dann bietet sich der dänische Dichter Holger Drachmann (1846 – 1908) als Namensgeber für Holger an. Drachmann hat Georg Brandes sein erstes Bändchen „Gedichte“ (1872) gewidmet und war (vorübergehend) „poetischer Mittelpunkt“ des revolutionären Kreises um Brandes.  

Drachmann ist in Kopenhagen geboren, studierte Kunst und wurde zunächst Marinemaler. Bekanntlich sagte einer zu Konsul Tienappel nach der Betrachtung des von Castorp in Wasserfarben gemalten  Doppelschrauben-Postdampfers „Hansa“, „das sei Talent, und daraus könne  ein guter Marinemaler werden“ (S. 55, 16 f.).

 Die Frage, ob er ein lyrischer Dichter sei, will Holger (auch angesichts der Fülle von Romanen, Novellen und Dramen Drachmanns?) nicht beantworten (S. 1004, 2 – 5). Die Art der Gedichte Holger Drachmanns sollen hier mit den Worten des Literaturwissenschaftlers und Übersetzers Otto Hauser gekennzeichnet werden (1915):

„“Die meisten Stücke machten den Eindruck, nur so „hingeschmissen“ zu sein. Und in der Tat dichtete Drachmann recht sorglos, oft rein improvisatorisch zur Laute (und diese Verse sollen seine besten gewesen sein). In der Folge erschienen eine lange Reihe von Versbüchern, neben lyrischen Gedichten und Zyklen, die vielfach ihre Tonart änderten …, auch epische, gute und schlechte bunt durcheinander, aber die schlechten in der Mehrzahl. Drachmann konnte entzückend frisch sein und hatte dann in seinen Versen etwas Stürmisches, Freudiges, Jugendliches, aber zumeist fehlte jeder geistige Gehalt. … Wo er Matrosen oder Fischer sprechen ließ, brachte er Meerluft und Meerklang in die Worte. Sonst waren seine Ideale: Wein, Weib und Humanität. Man braucht an seinen Versen nicht lange herumzukratzen; der Romantikerepigone liegt oft ganz offen zutage, zumal in seinen recht mittelmäßigen  Versepen. Trotzdem war Drachmann der letzte repräsentative Lyriker der Dänen“. (4)

Holgers Gedicht im „Zauberberg“  ist „uferlos, wie das Meer, von dem es vornehmlich handelte“ (S. 1005, 26 f.), es ging „im Zickzack vom Hundertsten ins Tausendste“ (S. 1007, 3 f.). Dies entspricht  der Charakterisierung Hausers.  Aber auch die „See- und Strandgeschichten “ Drachmanns  zeigen Berührungspunkte. In der ersten Erzählung „Sündflutsage“ erinnert die Landschaft, „die, nicht unähnlich einem großen Düngerhaufen, aus dem fallenden Wasser emportauchte“ (S. 22, 19 ff.), an den„Seemist in langen Haufen entlang des schmalen  Strandes der weit geschwungenen Bucht des Insellandes mit steiler Dünenküste“ (S. 1005, 27 f.).

Mag man dies  noch zu den typischen Elementen von Strandschilderungen rechnen, so zeigt Drachmann doch den Stil Holgers in überzogenen Formulierungen. Ein Beispiel aus der dritten Erzählung der „See- und Strandgeschichten“ mag dies illustrieren („Wird er um die Landspitze kommen?“):

„Der Nachtsturm tobte von der See her. Große, verworrene Wolkenmassen wälzten ihre Riesenleiber in wilder Flucht an dem Mond vorüber – eine vom Himmel zurückgeworfene Titanenarmee, die zwischen ihren eigenen Schanzen, den Felsen der Erde, Zuflucht sucht. Der Mond stand wie ein olympischer Nachtwächter, ausgesandt, die Bewegungen der Flüchtenden zu beobachten. Wenn zuweilen ein Schimmer von der Blendlaterne des Wächters in die dichten Scharen fiel, zeigten sich draußen über dem Meere andere, ähnliche Scharen, die von weit, weit her Land zu erreichen suchten. Aber sie kamen in geordneten Reihen. Es blinkte und schimmerte als sprengten tausende von Reitern einher mit hochgeschwungenem Schwerte über schnaubenden, schäumenden Pferdeköpfen. Wer dürfte sich zwischen diese galoppierenden Reihen und ihr Ziel wagen? Wer dürfte sich diesen dampfenden Leibern entgegenwerfen und Trotz bieten diesen flatternden Mähnen und hochgeschwungenen Schwertern, deren Sausen und Blinken selbst von der Ferne her die Mutigsten zwingt, die Augen zu schließen? Wer durfte es wagen? Und wer war es, der eben jetzt das Wagstück versuchte?- “ (5)

Gewiss wird man inhaltlich noch näherliegende Stellen finden, wenn man das umfangreiche Werk Drachmanns danach absucht. Aber das „ Gedicht“ unseres Dichters Holger attackiert  unverkennbar in Thema und Stil Holger Drachmanns „lirische“ Aura. Am Ergebnis dürfte deshalb kein Zweifel bestehen:
Holger Drachmann steht hinter der Figur des Dichters Holger, versehen mit Eigenschaften von Andersen und der Schutzfunktion von Holger Danske. Eine solche Mischung bei Figuration und Namensgebung ist ein poetischer Kunstgriff, der die Assoziationen des Lesers nur bereichern kann.

 

Anmerkungen:

1.      Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1(Textband) -2(Kommentarband) – M. Neumann - der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002.
Hervorhebungen durch Fettdruck vom Autor.
2.     Maar, Michael: Geister und Kunst. Neuigkeiten aus dem Zauberberg. München/Wien 1995, 
        S. 246 - 253; Zitate: S. 250, 7 ff.; 250, 26 - 33.
3.     Vgl. die im Kommentarband angegebenen Stellen: S. 494, s.v. „Brandes, Georg“.
4.     Otto Hauser, Die Lyrik des Auslands seit 1800, Leipzig 1915, S. 123.
5.     Holger Drachmann, See- und Strandgeschichten, übersetzt und eingeleitet von 
        J.C.Poestion, Leipzig 1888 (Reclam); Zitate: S. 22, 19 ff.; 63, 12 - 64, 3.
 

Veröffentlichung:  09.03.08
 Autor:  Gerhard Adam

 

 

 


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