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Beitrag 91
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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                            Spuren im „Zauberberg“: Knut Hamsun, Hunger (1890)

Folgt man dem Vorschlag, hinter dem Namen Castorp „Brotsack“ zu lesen, so liegt es nahe,  den „Zauberberg“  auf Hamsuns Roman „Hunger“  hin zu befragen (1).

 Das zentrales Wort des Romans „Hunger“ ist „Brot“ (H 5, 11; 11, 11.13.; 30, 25; 36, 26; 38, 31;  52, 22 f.25; 53, 31; 62, 7;  65, 31; 66, 1; 76, 38.40; 80, 29; 89, 19 (Brotsack); 94, 21; 111, 33; 115, 17.39; 148, 22; 149, 10; 151, 35; 159, 8) (2). Im „Zauberberg“  erscheint „Brot“ nicht als Gegenstand des Mangels, sondern „Brot“ wird in die Struktur der Gesellschaft auf dem „Berghof“  hineingenommen: Castorp ist ein „Brotsack“, andere Figuren des Romans gehören zur „Brotfamilie“ (s. Beitrag „Hans Castorp, in re Hans Brotsack“).

Castorp wird scharf gegen den namenlosen Icherzähler gesetzt: Er stammt aus guten Verhältnissen (Zb 55, 25 f.; 300, 26 f.) und die Verpflegung auf dem „Berghof“ ist vorzüglich (vgl. Zb  27, 6 f.; 68, 25 – 30; 117, 24 -31; 127, 30 – 128, 4; 237, 10 f.; 246, 8; 289, 13 – 17; 545, 32). Der Icherzähler dagegen in Hamsuns Roman „Hunger“ ist mittellos und täglich auf der Jagd nach Nahrung.

Beide Protagonisten verschwinden am Ende des Romans mit ungewissem Schicksal: Der Icherzähler heuert auf einem Schiff an, Castorp  zieht in den Weltkrieg.

Schon ein erster Blick zeigt uns also die Nähe der beiden Romane. Diese soll nun durch einzelne Vergleichspunkte belegt werden. Freilich sind sie von unterschiedlichem Gewicht. Aber in  ihrer Summe zeigen sie, wie stark der „Zauberberg“ von Hamsuns „Hunger“ Motive übernommen und weiterverarbeitet hat. 

 Castorp hat auf die Reise   das Buch „Ocean steamships“ mitgenommen (Zb 12, 6). Warum blättert er nicht in einem Journal oder unterhält sich mit Mitreisenden?  Die Anregung  für Buch und Titel könnte von „Antiquarbuchhändler und Dampschiffexpediteur“  und ihrer (reduzierten) Kontamination herrühren(H 17, 32 f.; 53, 23 f.). Der „antiquarische“ Charakter des Buches wird dadurch betont, dass  Castorp in dem Buch „zu Anfang der Reise bisweilen studiert hatte“ (Zb 12, 6 f.) und  „der hereinstreichende Atem der schwer keuchenden Lokomotive seinen Umschlag mit Kohlenpartikeln verunreinigte“ (Zb 12, 8 ff.). Ein Buchhändler taucht im „Zauberberg“ ebenfalls auf (Zb 140, 2). Natürlich passt das Buch in besonderer Weise zum Schiffsbauingenieur Castorp und zum Umfeld Hamburg.

Der Concierge des „Berghofs“, der den Gepäckschein Castorps übernimmt, „hinkte auffallend“ (Zb  15, 24; weitere Stellen  75, 14; 114, 26 f.; 639, 14). Ein alter hinkender Mann geht vor dem Icherzähler her (H 8, 21 f.41; 118, 37).

Joachim Ziemßen hat  abstehende Ohren (Zb 16, 11; 805, 27 ff.; 1032, 28 f.). Der Erzähler will die Hauptperson seines Einakters mit abstehenden Ohren ausstatten (H 142, 31).

Das Kabriolett, mit dem Castorp abgeholt wird, ist gelb (Zb 17, 6). Settembrini hat hat „hellgelblich“ karierte Hosen an (Zb 88, 19) und eine „gelbliche Hand“ (Zb 89, 25; Ziemßen 805, 26; weitere Stellen: Zb 30, 31; 49, 32; 51, 4 f.; 73, 17; 812, 28 f.).  Eine besondere Rolle spielt die Farbe Gelb auch im Roman „Hunger“: gelbe Rose (H 17, 22; 23, 38; 51, 18); gelbe Köpfe des Gewürms (H 26, 27 f.); Bild wird gelb (H 38, 11).

Joachim spricht schon im Wagen, der ihn und Castorp auf den „Berghof“ bringt, von „Leichen“ (Zb 20,12; 28, 24 ff.). Früh wird im Roman „Hunger“ die „Leichenwäsche bei Jungfer Andersen“  erwähnt (H  5, 23; weitere Stellen 30, 1 f. 36; 111, 29; 151, 10). Das Zimmer des Icherrzählers scheint ein Sarg zu sein (H 5, 5).

Eine dunkle Stelle im „Zauberberg“ wird durch den Rückgriff auf Hamsuns „Hunger“ erhellt: Nach seiner Ankunft  speist Castorp mit Ziemßen  im Restaurant des „Berghofs“. Dort  sitzt eine Dame, die immer ein Buch bei sich hat (Zb 26, 15 ff.).Es handelt sich offenbar dabei um eine ironische „Antwort“ auf die Bemerkung des Icherzählers gegenüber einer fremden  Dame: „Sie verlieren Ihr Buch, Fräulein“  (H 13, 8.30).

Bei der Begrüßung Castorps  werden „die gelblichen Zähne“  Krokowskis sichtbar (Zb 30, 31). Der Icherzähler sieht (am Anfang des Romans) eine Frau, die einen langen, gelben Zahn hat (H 8, 8).

Im Nachbarzimmer produziert das Russenpaar Geräusche, die Castorp mithören muss (Zb 63, 1; 64, 12). Der Zwerg kann die Menschen im Nebenzimmer atmen hören (H 22, 7). Angeregt kann die Episode mit dem Russenpaar durch die Schlüssellochszene sein: Der Wirt schaut durch das Schlüsselloch zu, wie sich ein fremder Steuermann mit seiner Frau vergnügt (H 154, 19 - 155, 10).

Eine Zwergin mit altem Gesicht bedient  beim ersten Frühstück (Zb  68, 33; 105, 6 f. 8.; weitere Stellen:  262, 24; 638, 18; 833, 4 f. 23; 834, 18; 848, 6; 1036, 3). Ein kleiner Zwerg im Greisenalter  setzt sich auf eine Bank  neben den Erzähler (H 23, 15; 27, 40).

Ein „Schmettern und Klirren“ erzeugt Clawdia mit der Türe (Zb 72, 16 ff.) Die  Türe des Pfandleihers gibt einen „klirrenden Laut“ von sich (H 16, 36).

Der „Verein halbe Lunge“ (Zb 80, 28; 81, 22 f.) kommt  Castorp und Ziemßen beim Spaziergang entgegen. Die frische Luft geht die Lungen des Icherzählers nichts an (H 7, 30 f.).

Settembrini wird häufig  als „Drehorgelmann“  bezeichnet (Zb 89, 5;  131, 16; 141, 13; 228, 5; 244, 22; 304, 14 f.; 340, 11; 365, 18 f.;  468, 9; 588, 31 f.; 590, 10; 676, 18; 719, 29; 732, 31; 736, 24; 737, 29). Eine ausführliche Szene ist im Roman „Hunger“ dem Leierkastenmädchen gewidmet (H 68, 7 – 69, 4).

Kamelhaardecken (Zb 101, 19; 136, 1 – 21; 145, 21 – 146, 13) werden für Castorp angeschafft. Eine ausgeliehene(Bett-) Decke will der Icherzähler zurückgeben (S. 8, 29; 38, 20; 39, 1.23; 64, 10; 74, 32.37; 75, 2.7.21.34.40.41; 87, 34; 88, 24).

Der Liegestuhl ist vorzüglich (Zb 104, 20 – 23; 109, 5 – 8). Ein Schaukelstuhl ist „das einzig Erfreuliche“  im Zimmer des Icherzählers. (H 6, 8 f; 28, 28; 30, 9 - 14.; 36, 20; 111, 31).

 Bekanntlich  leihen Pribislaw Hippe und Clawdia Chauchat ihr Bleistift an Hans Castorp aus („Entschuldige, kannst du mir einen Bleistift leihen?“ Zb 187, 27; „Hast du nicht vielleicht einen Bleistift?“ : Zb  504, 12; weitere Stellen 140, 15 – 26 (Traum); 315, 21 f.; 492, 18 – 24; 721, 8 – 13; 841, 33 f.; 869, 17 - 20).  Castorp gibt Hippe und Chauchat den  geliehenen Bleistift wieder  zurück (Zb 188, 22 f.; 525, 14 f.).
Für den Icherzähler (Journalisten und angehenden Schriftsteller) ist sein Bleistift ein unentbehrliches  Arbeitsmittel.  Der  Bleistift ist ein Hauptmotiv im Roman (H 7, 20; 11, 33; 12, 3 f.5.23.37; 15, 31; 16, 1.4.6.12.17 – 20; 26, 9; 27, 2; 29, 3.19.; 48, 29; 156, 33; 160, 20). Aus Not  bringt der Erzähler seine Weste zum Pfandleiher (H 10, 1 – 11). Versehentlich bleibt in der Westentasche sein Bleistift, den er sich dann wieder beim Pfandleiher holt (H 11, 32 – 35; 15, 32 – 16, 28).

Schon im Roman „Hunger“ wird also ein Bleistift mit einem Leihvorgang in Zusammenhang gebracht.

Zu beachten ist nicht nur dieser Leihvorgang, sondern auch die immense Bedeutung, die in beiden Romanen  gerade einem bestimmten Bleistift zugemessen wird:

„Es könne mir nicht einfallen, sagte ich, weite Wege wegen irgendeines beliebigen Bleistiftes zu gehen; mit diesem hier aber sei es eine andere Sache, eine eigene Sache. So gering er auch aussah, hatte dieser Bleistiftstumpf mich schlechthin zu dem gemacht, was ich in der Welt war, hatte mich sozusagen auf meinen Platz im Leben gestellt…“ (H 16, 3 – 8). Das „kleine Ende von einem Bleistift“ habe „allzu großen Wert für mich, es sei mir beinahe wie ein kleiner Mensch“ (H 16, 18 ff.).

  Im „Zauberberg“ ist wichtig, dass  Castorp den Bleistift von den (einseitig) Geliebten Hippe/Chauchat ausleiht. Darin liegt die Bedeutung des Bleistifts. Das Ausleihen ist durch einen „Notfall“ legitimiert und dient so unspektakulärer als etwa ein Geschenk  der direkten  Kontaktaufnahme  (und einer weiteren bei der Rückgabe).

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