Inhaltsverzeichnis
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Beitrag 90
Beitrag 91
 Beitrag 92 - Teil 1
Beitrag 92 - Teil 2
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                       Spuren im „Zauberberg“:  Knut Hamsun, Im Märchenland
                               Erlebtes und Geträumtes aus Kaukasien (1903)

Die schon früher geäußerte Vermutung, dass der dänische Dichter Holger Drachmann Namensgeber für „Holger“ ist, findet ihre Bestätigung in Hamsuns Roman „Im Märchenland“. (1) Dort wird Drachmann genannt: „ Nun fängt der Musikant an, zu seinem Geklimper leise zu singen. Wir können kein Wort verstehen, aber die wiegende, halbheisere  Innigkeit dieses Summens wirkt auf uns. Drachmanns „ Sakuntala“ kommt uns in den Sinn, das ist auch eigentlich nichts, gar nichts – nur ein goldener Strom“ (M 42, 28 – 33). Das Beispiel, das der „Zauberberg“ von Holgers poetischer Qualität gibt, entspricht dieser Charakterisierung (Zb 1005, 20 – 1007, 19). (2)
Auch das Motiv der Rechtschreibschwäche und der Lyrik  findet sich bei Hamsun. An der Reisestation Woronesch kommt der Icherzähler auf einen Dichter zu sprechen: „ Hier ist Alexej Wassiliewitsch Kolzow geboren, hier draußen auf diesen Feldern wanderte er umher und schrieb. Er soll niemals seine Sprache fehlerfrei schreiben gelernt haben, aber ein Dichter war er, und schon mit sechzehn Jahren hatte er einen Band Lyrik verfaßt.“ (M 18, 31 – 35).
Der  Schriftsteller Georg Brandes, in dessen Kreis Drachmann gehört, wird (ehrenvoll) erwähnt (M 123,  22 -33). 

 Hamsuns Bericht über die Reise nach Baku, Stadtführung ,Betriebsbesichtigungen der Fabriken und Ausflug zu den Petroliumquellen in Balakani (M 143, 25 – 161, 12) stellt natürlich den Rohstoff Naphtha ins Zentrum (M 144, 20; 150, 34.37; 151, 7 f.; 155, 20.26.27.32; 156, 17.19.21.31 f.34.37; 157, 2.29; 158, 21.25; 160, 38; schon 38, 25) Herausgehobene Eigenschaft des  Naphtha ist, dass es brennt (M 25, 24; 144, 20; 151, 19; 155, 19). Den alten Juden war dies bekannt: „ Das rohe Naphtha war schon den alten Juden und Griechen bekannt, und hier draußen auf der Halbinsel Apscheron hat die Bevölkerung es schon in alten Zeiten als Brenn- und Beleuchtungsmaterial gebraucht“ (M 155, 32 – 35), „die Makkabäer brannten „das dicke Wasser“ zur Reinigung des Tempels“ (M 157, 26 ff.).
Im Rahmen eines religionsgeschichtlichen Exkurses (M 157, 35 – 161, 12) wird auch das Christentum mit dem „ewigen Feuer“ verbunden (M 158, 15 – 19). Naphtha wird also Juden und Christen zugeordnet: Die Entwicklung der Figur Naphta im „Zauberberg“ zum „Judenchristen Brand“ ist hier vorbereitet. 

 Bei Hamsun sitzen der Icherzähler und seine Reisegefährtin beim Essen, als ihr Kutscher Karne kommt und sie zu seinem toten Pferd führt:  „Eins von Kornes Pferden ist tot. Er hat es zu Tode getränkt. Da liegt das Tier mit einem Bauch, so aufgeblasen wie ein Ballon. Das bedeutet hundert Rubel, sagt Karne“ (M 64,8 – 11; auch 63, 6 f.). Dazukommende Männer fangen an die Haut abzuziehen:  „Dabei scheinen sie eine wahre Wollust zu empfinden, sie tasten mit den Händen auf dem nackten Fleisch herum und wärmen sich daran und lachen hitzig und gedämpft. Erwacht der Heide in ihnen?“ (M 65, 37 – 41). „Da sticht plötzlich ein junger lüsterner Mann die Spitze seines Messers in den Bauch des Tieres und öffnet diesen. Alle stoßen einen gedämpften Ausruf aus als kleinen Ausdruck ihres Wohlbehagens, und bald wühlen viele mit ihren Händen in den Eingeweiden herum  und sprechen übermäßig laut, als gälte es, einander zu übertäuben. Karne selbst beteiligt sich nicht, er ist doch ein besserer Christ, als nur so, er hat sogar die heidnische Haut von sich auf die Erde geschleudert und will nichts damit gemein haben. Aber er sieht doch dem Gemetzel zu und sogar in seinen Augen scheint ein kleines Feuer aufzuglimmen“ (M 66, 3 – 14). Bei Karne ist der "Heidenchrist" angedeutet. 

Diese Textpassage könnte Anregung gewesen sein für die Episoden des „Herrenreiters“ (Zb 24, 28 – 25, 34; 441, 5 – 445, 8), von „Reuter“ (Zb 163, 25 – 164, 16) und der „Überfüllten“ (Zb 463, 7 – 466, 26).

 Nach der Ankunft Castorps auf dem „Berghof“ und seiner Einquartierung  gehen die Vettern ins Restaurant. Auf dem Wege dorthin sind gräßliche Geräusche auf dem Flur zu hören, die vom Herrenreiter herrühren (Zb 24, 28 – 25, 34). Sein Husten klingt „wie ein schauerlich kraftloses Wühlen im Brei organischer Auflösung“ (Zb 25, 7 f.). „Es ist ja gerade, als ob man dabei in den Menschen hineinsähe, wie es da aussieht, - alles ein Matsch und Schlamm…“ (Zb 25, 25 ff.). Hans Castorp „ konnte sich gar nicht über den vernommenen Husten beruhigen, er versicherte wiederholt, daß man förmlich dabei in den Herrenreiter hineinsähe, und als sie das Restaurant betraten, hatten seine reisemüden Augen einen erregten Glanz“ (Zb 25, 30 – 34). Der Tod des Herrenreiters (Zb 434, 12; 441, 5 – 445, 8) bringt die Kosten der Ballons in den Blick (Zb 441, 21 – 27).
Eine Reihe von Elementen ist vergleichbar:
1.        Pferd und Reiter (Herrenreiter) sind zusammengehörige Begriffe. Die Tatsache, dass der „Herrenreiter“ keinen weiteren Personennamen bekommt, unterstreicht diesen Bezug (Zb 25, 9 ff.).
2.       Das Innere der Körper ist „förmlich“ einsehbar.
3.       Ein „Wühlen“ findet konkret und in übertragener Form statt.
4.       Dabei sind übermäßig laute Geräusche zu hören.
5.       Das Umfeld ist erregt.
6.       Am Leitbegriff „Ballon“ (M 65, 17; Zb 441, 23) werden die Kosten festgemacht („Ballon“ Pferd: 100 Kronen; Moribunden-Ballons: 240 Franken).
7.       Die Protagonisten gehen oder sind beim Essen.

 Durch Erweiterung des zum Pferde gehörenden Begriffes Reiter zum Beinamen „Herrenreiter“ kann Reiter zusätzlich als Nachname „Reuter“ verwendet werden. Auch hier werden die Ballons angesprochen (Zb 163, 27; Tod 448, 5 - 9).
Frau Zimmermann wird mit Tieren (Zeisig, Gans) verglichen (Zb 463, 8; 465, 10; 466, 19 f.24) und sie ist überfüllt wie das Pferd (Zb 463, 9.16; 465, 28.31; 466, 9; 468, 18 f.)

Die grundlegende kreative Idee liegt also darin, den „Ballon“ Pferd in Hamsuns Roman mit therapeutischen (Sauerstoff-)Ballons zu assoziieren, Daraus entstehen die Episoden „Herrenreiter“, „Reuter“ und „Überfüllte“.

Die Region Kaukasien und ihre Menschen stehen im Blickfeld auch des „Zauberberg“.

Fräulein Engelhart klärt Castorp über den Mann Chauchats auf:
„Beamter. Russischer Administrationsbeamter, in einem ganz entlegenen Gouvernement, Daghestan, wissen Sie, das liegt ganz östlich über den Kaukasus hinaus, dahin ist er kommandiert“ (Zb 209, 31 – 210, 1.15 f.; auch 512, 19.30; M 81, 6: Daghestan).
„Er hat ja einen französischen Namen, aber darum ist er doch ein russischer Beamter, und das ist ein roher Menschenschlag, wie Sie mir glauben können. Ich habe einmal einen davon gesehen, er hatte so einen eisenfarbenen Backenbart und so ein rotes Gesicht… Im höchsten Grade bestechlich sind sie, und dann haben sie es alle mit dem Wutki, dem Branntwein, wissen Sie… (Zb 210, 19 – 25; M 17, 36: „Bestechungssystem“).

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