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Beitrag 89 - Teil 1
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Beitrag 90
Beitrag 91
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                Spuren im „Zauberberg“:  Knut Hamsun, Kinder ihrer Zeit (1913)

Bei der Taufe von Hans Castorp ist es ein „Küster Lassen“, der das Wasser in die hohle Hand von Pastor Bugenhagen gießt (Zb 39, 20 f.). (1) Dieser Name lässt sich aus Hamsuns Roman „Kinder ihrer Zeit“ heraus erklären. Lars, der begabte Sohn des Fischers Lars Manuelsen (KiZ, 282, 16 – 19)(2), wird vom Gutsbesitzer Leutnant Willatz Holmsen gefördert (KiZ, 314, 24 f.) und geht in das Seminar nach Tromsö. In einem Brief berichtet er von seinen Eindrücken (KiZ, 359, 5 – 360, 1 f.). Lars „hatte auf dem Seminar in Tromsö angefangen, sich Laursen zu nennen, aber hier in seinem Heimatdorfe als Hauslehrer für Herrn Holmengraas Kinder ließ sich das nicht durchführen; jetzt hieß er schon lange Lassen, L. Lassen “ (KiZ 421, 5 – 10). Später kommt er als Pastor (Vikar) wieder  nach Hause (KiZ 456, 32 – 464, 22). Lassen beerdigt die Frau des Leutnants (KiZ 476, 23 – 478, 40). Hierbei kommt es zu einem Eklat: „ Als die Predigt eine halbe Stunde gewährt hatte und der Leutnant nicht länger warten wollte, nahm er dem Küster plötzlich den kleinen Holzspaten aus der Hand, und reichte ihn dem Pastor, - o, er reichte ihn ihm nicht einmal mit dem Griff voran. Der Pastor mußte innehalten, er sah den Leutnant an, und er begriff wohl, daß die Zeit jetzt um war, er nahm den Spaten und warf die drei Schaufeln Sand auf die Blumen hinunter“ (KiZ 478, 4 – 12). Der Küster wird bei Hamsun über den Leutnant mit Lassen verbunden. Für den „Zauberberg“ wird ein Vermittler eliminiert. Statt des Spatens der Beerdigung kommt das Wasser der Taufe durch Küster Lassen in die Hand des Pastors. (3).

Für den Leser etwas überraschend ist, dass Patienten aus Mexiko auf dem „Berghof“ anzutreffen sind. Auf dem Hintergrund von Hamsuns Roman ist dies freilich nicht erstaunlich. Von Mexiko ist dort viel die Rede (KiZ 292, 2; 297, 9; 305, 6; 343, 36; 368, 28; 369, 8; 402, 11. 13 f.; 412, 39; 436, 26; 466, 37; 467, 30; 475, 8; 484, 30; 490, 27).

Der aus Mexiko in die Heimat zurückgekommene reiche Tobias Holmengraa  (KiZ 292, 13 – 19) hat  zwei Kinder (Mariane und Felix: KiZ 293, 5 – 10; 412, 35 – 41; 436, 26 - 35), die er später aus Mexiko nachkommen lässt. Seine Frau, eine Indianerin, ist tot (KiZ 293, 3; 297, 16; 343, 36 f.; 383, 30 f.; 413, 8; anders  475, 11 – 21).

Aus Mexiko ist die Mutter, die „Tous-les-deux“ genannt wird (Zb 62, 17 – 33; 65, 11 – 66, 12; 166, 24 – 168, 29). Auch im „Zauberberg“  ist die Mexikanerin allein mit ihren Kindern. Herkunft und Figurenkonstellation sind  ähnlich.

 Nachdem der erste Sohn Fernando schon gestorben ist, kommen Castorp und Ziemßen im Rahmen ihrer Moribundenbesuche  zum zweiten Sohn Lauro (Zb 466, 30 – 33; 468, 21 – 469, 27).

Woher kommt dieser Name? Lars wandelt den zwischenzeitlich angenommenen Namen Laursen in Lassen um, weil er zu seiner neuen Stellung im Heimatdorfe nicht passt. Thomas Mann wandelt den Namen Laursen ebenfalls um, indem er das gängige norwegische Suffix –sen („Sohn“) durch die maskuline spanische Endung –o ersetzt. Lauro („Lorbeer“) ist der passende spanische Namen für das „prahlerisch – dramatische(s)“ Gebaren (Zb 469, 2 f.) des mexikanischen Moribunden. (4)

Der Sohn von Gutsbesitzer Leutnant Willatz Holmsen und seiner Frau Adelheid heißt „Willatz Wilhelm Moritz von Platz Holmsen“. Zum Verdruss des Vaters nennt Adelheid ihn nur Moritz (KiZ 278, 12.28.31.; 284, 21.22.29; 285, 9.18.21.24.; 285, 25 ff.; 287, 20; 485, 34 f. 39; 486, 3.6). Jung – Willatz wird nach England geschickt und lernt dort „gute und feine Dinge“ (KiZ 365, 37 – 40; 366, 14 – 27). Dem Vater missfällt manches: Willatz beginnt die Briefe mit „Will“ oder „Bill“ zu unterschreiben (KiZ 388, 35 – 41). Freilich hatte er „gewiß auch nicht vor, aus der Art zu schlagen, er war nur noch zu jung und war jetzt so englisch“ (KiZ 389, 3 – 5).

Wenn ein deutscher Leser  in dieser Zuspitzung den Namen „Moritz“ liest, denkt er an Wilhelm Busch und „Max und Moritz“. Im „Zauberberg“  jedenfalls macht Thomas Mann diese „Bubengeschichte“ für die Episode „Tous-les-deux“ fruchtbar.

 Max und Moritz werden explizit  bei einer Aufzählung von Mitgliedern der Kurgesellschaft eingeführt: „ zwei eng zusammengehörige(n) Stutzerchen, die „Max und Moritz“ genannt wurden und für große Ausbrecher galten…“ (Zb 353, 11 ff.).

Bekanntlich befreien sich Max und Moritz bei Wilhelm Busch aus dem gebackenen Kuchenteig. Sie sind „große Ausbrecher“:

                                   „Knusper, knusper! – wie zwei Mäuse
                                        Fressen sie durch das Gehäuse;
                                        Und der Meister Bäcker schrie:
                                         „Ach herrjeh! Da laufen sie!!“

 Die „Stutzerchen“ weisen auf das „schwarze(s) Schnurrbärtchen“ hin, das Lauro trägt. (Zb 469, 1). (5) Unmittelbar nach dieser Stelle mit „Max und Moritz“ wird im „Zauberberg“ der „bucklige Mexikaner“ erwähnt - eine zusätzliche Bestätigung dafür, dass „Max und Moritz“  mit der Episode  „Tous-les-deux“  in Beziehung stehen. Dem Mexikaner verleihen   "Nichtkenntnis der hier vertretenen Sprachen den Gesichtsausdruck eines Tauben“  (Zb 353, 13 ff.).  Dies entspricht den Sprachkenntnissen der Mexikanerin (Zb 65, 15 ff.). Bei seinen Anfällen zieht der Mexikaner die Umgebung „in seine Ängste hinein“ (Zb 310, 12 – 17) – wie es auch die Mexikanerin in abgeschwächter Form tut.

 Bekanntlich werden Max und Moritz  zusammen durch die Mühle gedreht:

                                        „Rickeracke! Rickeracke!
                                   Geht die Mühle mit Geknacke.
                                 Hier kann man sie noch erblicken
                                  Fein geschroten und in Stücken“. 

 Hans Castorp findet das gleichzeitige Sterben der „Tous-les-deux“ (Kinder) merkwürdig:  
„Das wäre doch sonderbar, - ich meine, es wäre komisch und unheimlich zu gleicher Zeit“ (Zb 66, 6     ff.; auch 282, 7 - 12). Die Bedeutung von Korn und Mühle im „Zauberberg“ wurde schon früher gewürdigt (vgl. Beitrag „Hans Castorp, in re Brotsack“).

Wo gibt es sonst noch den Tod eines Paares?  Sterben eines Paares „ zu gleicher Zeit“ findet in der Literatur nicht nur bei „Max und Moritz“ statt, sondern überall. Aber der „Zauberberg“ führt uns auf die griechische Tragödie (und ihre Bearbeitungen): zu  Aischylos, Sieben gegen Theben (Brüderpaar Eteokles – Polyneikes), zu Sophokles, Antigone  (Liebespaar Antigone -  Haimon) und zu Euripides, Medea (bringt ihre beiden Kinder um). Dabei geht es nicht um die exakte „Gleichzeitigkeit“ (Lauro ist "schon längst" gestorben, Zb 466, 32. f.), sondern um die Aufführungspraxis.
Die „ältere Dame von düsterem, ja tragischen Aussehen“ (Zb 62, 17 f.) „erinnerte Hans Castorp an das Bild einer berühmten Tragödin, das ihm einmal zu Gesichte gekommen, und unheimlich war es zu sehen, wie die schwarzbleiche Frau, offenbar ohne es zu wissen, ihren langen, gramvollen Tritte dem Takt der herüberklingenden Marschmusik anpaßte“ (Zb 62, 26 – 30).


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