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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

        Spuren im „Zauberberg“: Ernst Deecke, Lübische Geschichten und Sagen (1852)

In dieser Sammlung der Geschichten und Sagen, die „zu einem festen Bestandteil der lübischen Literatur“ geworden ist (1), finden sich Namen, die im „Zauberberg“ Verwendung finden: Castorp, Tunder & Wilms, Bugenhagen, Pribislav, Tienappel (Tinnappel), Magnus.

 Dort begegnet uns im Jahre 1455 Bürgermeister Heinrich Kastorp, der insbesondere wegen seiner Friedensliebe mit hohem Lobe bedacht wird: „Item hat er auch gemeiniglich gesagt, Lübeck sei eine Kaufstadt und zur Nahrung gebaut, darum denn sei ihr nichts besser als der Friede. Item ist er ein großer Liebhaber von allen Künsten gewesen, sonderlich von der Musica, wie denn auch er die Sängerkapelle zu St. Marien angerichtet“. (LGS Nr. 122, S. 132, 9 – 14).
 Aspekte im „Zauberberg werden hier deutlich: Auch wenn „Nahrung“ den „Handel“ bezeichnen mag, ist der Gedanke an „Brot“ durchaus möglich. Die hier vorliegende Verbindung Castorp  mit Kaufstadt und Nahrung (Brot) sucht oder bestätigt die Assoziation „Brotsack“ mit Castorp:  Die gebräuchliche Bezeichnung für einen Kaufmann ist „Pfeffersack“. Sie  kommt in der Sammlung vor:  „Mecklenburger Pfeffersäcke“ (LGS Nr. 128, 39 f.). Die einfache Feststellung,  dass Castorp rückwärtsgelesen  „Brotsack“ heißt, bekommt durch diese naheliegende Analogiebildung eine höhere Weihe.  Hans Castorp hat musische Interessen (Malerei: Zb 55, 4 – 21;  Musik: Zb 285, 2 – 5; Grammophon). (2)  Das Singen wird im „Zauberberg“  besonders berücksichtigt (Zb 180, 13 – 181, 8; 214, 15 – 215, 7). Dass „nichts besser als der Friede ist“, macht der Schluss des „Zauberbergs“  deutlich (Zb 1080, 22 – 1085, 23).

 Von Andreas Wilms („Tunder&Wilms“: Zb 13, 3 ff.; 56, 1; 59, 20 f.; 60, 21; 220, 31; 649, 24) wird berichtet, dass er wegen seiner evangelischen Predigten aus Lübeck ausgewiesen wurde (LGS Nr. 180, S. 174, 24 – 29).

 Johannes Bugenhagen  (Zb 39, 21.25; 48, 12 f.) zeigt sich als Verfasser der Kirchenordnung in Lübeck und Gründer einer „hohen Schule im St. – Katharinen – Kloster“ und des „Burgkloster(s) für arme Leute“. Im  Gespräch mit einem Fuhrknecht stellt er seine Schlagfertigkeit unter Beweis (LGS Nr. 185, S. 180, 15 – 181, 4).

Der Fürst des Wagerlandes Pribislav macht 1138 einen Raubzug in Holstein (LGS  Nr. 7, S. 19, 8 f.). Nach dem Tode Heinrichs (1127) und des direkten männlichen Nachkommens überging  Lothar III.  den Neffen von Heinrich von Alt Lübeck Pribislav und krönte Knut Lavard von Schleswig zum König über das Abotritenreich (Wagrien und Polabien). Nach dessen Ermordung 1131 wurde kein Gesamtherrscher eingesetzt, Pribislav übernahm Wagrien. (3) 

 Castorps Mitschüler  Pribislav Hippe stammt „aus Mecklenburg und war für seine Person offenbar das Produkt einer alten Rassenmischung, einer Versetzung germanischen Blutes mit wendisch – slawischem – oder auch umgekehrt “ (Zb 184, 15 - 18). Er ist „Sohn eines Historikers und Gymnasialprofessors“ (Zb 184, 12 f.). Der Vorname von Pribislav Hippe und das Fach seines Vaters  weisen auf die Vergangenheit Lübecks  und auf Pribislav zurück.

Angesichts der Häufung der Namen in dieser Sammlung, die im „Zauberberg“ auftauchen,    
ist zu fragen, ob nicht auch der Name Tienappel von dort übernommen ist.
Die verschiedene Schreibweise Tienappel - Tinnappel ist  kein Hinderungsgrund. (4)
Bartel (Bartholomeus) Tinnappel  geht 1560 mit anderen als Abgeordneter  zum König von Dänemark, zu einem  „Tag zu Odense in Fünen“ (LGS Nr. 197, S. 195, 19 – 23). Lübecks alte Handelsprivilegien werden dort bestätigt.
Im Kampfe der lübisch – dänischen Flotte gegen die Schweden 1566 ist der Bürgermeister  Tinnappel   Admiral. Nach einem Seegefecht bei Gotland kentern die Schiffe schon vor Anker liegend im Sturm, ein Großteil der Besatzung ertrinkt, darunter auch Tinnappel (LGS Nr. 199, S. 204, 1 – 18).
Tinnappel ist bei dem „Tag zu Odense in Fünen“.  Aus Odense auf Fünen stammt Ellen Brand (Zb 993, 10 f.).  Die bekannte Erklärung dafür, dass Odense Geburtsort von Hans Christian Andersen ist, könnte eine interpretatorische Erweiterung erfahren. Der Tag zu Odense findet im Vorfeld des Nordischen Siebenjährigen Krieges (1563 – 1570) statt, in dem Lübeck mit Dänemark gegen Schweden kämpft.  (5) „Brand“ signalisiert Krieg („Brandröte“: Zb 1080, 23) und färbt das in der Nähe stehende Odense. 

Mit der Wahl des Bürgermeisters und Admirals Tinnappel unterstreicht Thomas Mann das uralte großbürgerliche Ambiente Castorps und fängt die „Zeitform der tiefsten Vergangenheit“ (Zb 9, 11 f.) ein: „Bequem und nicht ohne Würde trug er auf seinen Schultern die hohe Zivilisation, welche die herrschende Oberschicht der handeltreibenden Stadtdemokratie ihren Kindern vererbt“  (Zb 51, 31 ff.). Der Titel Konsul für Tienappel betont ebenfalls Tradition und Würde. (6) Überdies ist  der Name Tinnappel gestaltungsfähig:   Die  Endung –appel  erfasst auch noch den Weingroßhändler (Zb 11, 29; 48, 7.22.24 f.; 49, 6.14.28 f.; 50, 7; 55, 22; 56, 2; 60, 1; 1073, 13;). Sohn James ist im Weinhandel des Vaters tätig, Sohn Peter  bei der Marine (Zb 49, 19 ff.).

Herzog Magnus von Mecklenburg wird genannt, der 1501 seine Jungfernklöster reformiert und  „die frommen Töchter der lübschen Herren“ wegjagt (LGS Nr. 158, S. 152, 9 – 12). Bierbrauer Magnus und seine Frau aus Halle gehören zum ständigen Ensemble (Zb 148, 19 - 29; weitere Stellen:  155, 26 f.; 156, 8; 192, 8 f.; 229, 10 – 16; 243, 3 ff.; 763, 15 f.; 847, 28 f.; 861, 12). 

Nach dem Tode des Domherrn Rabundus ertönen drei Schläge unter dem Grabstein (LGS Nr. 103, S. 113, 26 – 37).Schwere Faustschläge erschrecken die Teilnehmer der Séance im „Zauberberg“ (Zb 1108, 17 – 29; 1009, 13 – 16).

Die Stiftungsgeschichte des Jerusalemsbergs in Lübeck  wird im „Zauberberg“ aufgegriffen (LGS  Nr. 148, S. 146, 11 – 147, 18).

„1493 ist in dem Eichholz vor dem Burgtor zu Lübeck, welches Jerusalem hieß, der Berg Golgatha von Herrn Heinrich Constin aufgehöht“ (LGS  Nr. 148, 12 ff.). Diese Geschichte kann zwei merkwürdige Stellen im „Zauberberg“ erklären. Bei ihrem ersten gemeinsamen Spaziergang gehen Castorp und Ziemßen einen Hang hinauf (Zb 75, 24 – 31; 82, 31 – 83, 4). Castorp „zeichnete mit der Zwinge seines städtischen, silberbeschlagenen Stockes Figuren im Sand“ (Zb 83, 9 f.25). Bei der Verabschiedung Ziemßens am Bahnhofsgebäude in Davos – Dorf „zeichnete Hans Castorp nur noch mit seinem Stock auf dem Asphalt“ (Zb 639, 33 f.). Es könnte unten der Anfang und oben das Ende des Kreuzwegs angedeutet sein, den Heinrich Constin selbst messend einrichtete, „von Pilati Richthaus bis zur Schädelstätte“ (LGS Nr. 148, S. 146, 38 f.). (7) Für diese Vermutung sprechen folgende Beobachtungen:

Es gibt direkte Anspielungen im „Zauberberg“ auf die Passionsgeschichte: Krokowski zeigt sich am Schlusse seines Vortrags wie der gekreuzigte Jesus: „Wahrhaftig, er stand da mit ausgebreiteten Armen und schräg geneigtem Kopf hinter seinem Tischchen und sah trotz seines Gehrocks beinahe aus wie der Herr Jesus am Kreuz!“  (Zb 198, 17 – 20).Peeperkorn erinnert in einem ausgedehnten Festmahl, zu dem man sich „Zu zwölf Personen“  niedergelassen hat (Zb 848, 1 f.), an „Gethsemane“ (Zb  860, 29 – 861, 6). Dabei hatte er „das Haupt schräg geneigt. Sein blasser Blick hatte sich gebrochen bei dem, was an einsamem Todesschmerz von seinen zerrissenen Lippen gekommen “ (Zb 861, 9 – 11). Karen Karstedt hat auf dem Friedhof den "Kopf ein wenig schräg vorgeschoben" (Zb 488, 3 f.).

Mit seitwärts geneigtem Kopfe“ schaut Castorp die „sechs oder sieben Personen“ an, die den Hang herabkommen, „während er an Joachim dachte“ (Zb 78, 16 – 19). Sieben Stationen hat der Kreuzweg in Lübeck. Das Anpfeifen Castorps durch  Hermine Kleefeld mit dem Pneumothorax (Zb 79, 5 – 15.29 – 33) erinnert an das Wehen des Geistes und den „pneumatischen Zipfel“ (Zb 81, 21 f.; 356, 17: "pneumatische Trupp"). 

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