Inhaltsverzeichnis
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Beitrag 90
Beitrag 91
 Beitrag 92 - Teil 1
Beitrag 92 - Teil 2
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

Schon früher waren wir der Meinung, dass sich der Name Settembrini aus  italienisch „sette“ und „brina“ (Raureif, Frost, also etwa „Siebenfrost“) zusammensetzt. Während der „Brotsack“ Castorp sieben „fette“ Jahre verbringt,  sind  es für Settembrini sieben  „magere“ Jahre.(9) Overbecks Bild in Rom (später in der Nationalgalerie Berlin) ist der Ausgangspunkt für die Suche nach dem dazu passenden italienischen  Namen. Thomas Mann findet diesen dann „auf dem freien Markte“ (10). Folgende  Entwicklungslinie ist anzunehmen: Römer (GH) – Overbeck (GH 472, 2; Lübeck) – Hauptwerk „Die sieben mageren Jahre“ – Settembrini.

Settembrini ist damit neben Castorp und Naphta („Brand“) der dritte Protagonist des „Zauberbergs“, der seine Wurzeln (über Overbeck) in Lübeck hat.

 Der Vorname Ludovico (Zb 232, 24; 242, 27)  könnte an König Ludwig I. von Bayern anknüpfen (1786 – 1868), der sich 1818 während eines Besuchs in Rom mit den Nazarenern traf. Ludwig I. ist ein begeisterter Philhellene und unterstützte den griechischen Freiheitskampf finanziell. Großvater Settembrini hat mitgekämpft  (Zb 234, 18 ff.). Vater Settembrini ist in Griechenland zur Welt gekommen, „weshalb er denn wohl auch ein so großer Humanist und Liebhaber des klassischen Altertums geworden war“ (Zb 234, 20 – 23). 

 Schon in früheren Beiträgen wurde auf die Sonderstellung des Buchstabens „P“ hingewiesen  (11). Die Anregung dazu kommt aus einer Schulszene im „Grünen Heinrich“, in der  Buchstaben benannt werden sollen (GH  27, 26 – 29, 6). „Ich (sc. Heinrich) hatte schon seit geraumer Zeit einmal das Wort Pumpernickel gehört, und es gefiel mir ungemein, nur wußte ich durchaus keine leibliche Form dafür zu finden, und niemand konnte mir eine Auskunft geben, weil die Sache, welche diesen Namen führt, einige hundert Stunden weit zu Hause war. Nun sollte ich plötzlich das große P benennen, welches mir in seinem ganzen Wesen äußerst wunderlich und humoristisch vorkam, und es war in meiner Seele klar, und ich sprach mit Entschiedenheit: „Dieses ist der Pumpernickel!“ Ich hegte keinen Zweifel, weder an der Welt, noch an mir, noch am Pumpernickel, und war froh in meinem Herzen“ (GH 28, 1 – 12).

Nimmt man Heinrichs Rückwärtsbeten des Vaterunsers dazu (GH 27, 9 – 16), ergibt sich geradezu eine Handlungsanweisung, wie man von Castorp zu Brotsack kommt: P zu b und Rückwärtslesen.

Ihm Rahmen der Fastnacht wird vom Heimatdorf Heinrichs und anderen Dörfern  Schillers „Wilhelm Tell“ aufgeführt (GH 297, 17 – 20). Bestandteil ist natürlich auch der Schwur auf dem Rütli (GH 309, 27 – 310, 11). Alles verläuft bestens, „nur tadelte der Schulmeister, daß die Jungen und die Alten bei der feierlichen Handlung kaum die Pfeifen aus dem Mund täten und der Pfarrer Rösselmann unaufhörlich schnupfte“ (GH 310, 6 – 9). In der Endphase seines Aufenthalts auf dem „Berghof“  bezieht  Castorp seine Zigarren („Maria Mancini“) nicht mehr aus Hamburg, sondern besorgt sich oben eine neue Marke namens „Rütlischwur“ (Zb 1074, 6 – 19).   

 Die ausführliche Schilderung der Sonderbeziehung des „grünen Heinrichs“ zum Schulkameraden Meierlein (GH  118, 11 – 133, 8; 671, 26 – 672, 10) kann äußerer Anlass für die Einführung von Pribislav Hippe sein (Zb 183, 23 – 188, 32). Dass aus einer „Hassgeschichte“ eine „Liebesgeschichte“ wird, stellt dies nicht in Frage. Die Erinnerung an den Mitschüler erfolgt jeweils im Traum.

Castorp sieht gerne einen Sarg: „Ich finde, ein Sarg ist ein geradezu schönes Möbel, schon wenn er leer ist, aber wenn jemand darin liegt, dann ist es direkt feierlich in meinen Augen“ (Zb 168, 12 – 16).   Im „Grünen Heinrich“ wird ausführlich die Schönheit und Qualität des hergestellten Sarges gelobt (GH 411, 11 – 29). Schreiner ist „ein Norddeutscher von der fernsten Ostsee“, der „von den alten Städten im Norden, vom Meere und von der mächtigen Hansa“ erzählt und von den dortigen Gebräuchen (GH 410, 14 – 411, 3). Als für eine Öffnung des Sarges, durch die man das Gesicht des Toten sehen konnte, noch ein Glas zur Abdeckung fehlt, holt Heinrich ein „Diapositiv“.Die „drei musizierenden Engelknaben“ (GH 412, 8 f.), die Heinrich auf dem Glase sieht, die „freudig und andachtsvoll nach oben“ schauen, werden im „Zauberberg“ heruntergestimmt auf krude Röntgenbilder, die den Tod signalisieren (Zb 333, 17 f.). Castorp sieht im Diapositiv „Joachims Grabesgestalt und Totenbein…dies kahle Gerüst und spindeldürre Memento“ (Zb 332, 5 f.). Auch bei seinem Diapositiv sieht er „in sein eigenes Grab“ (Zb 333, 5; „funebre(s) Lichtbild“: 367, 10). Die Verbindung Glas – Sarg (Grab) im „Grünen Heinrich“ wird hier aufgenommen. Castorp macht dabei ein Gesicht, wie „wenn er Musik hörte (Zb 333, 19) – ein direkter Bezug zu den Engeln im „Grünen Heinrich“: Der optische Eindruck wird durch den akustischen ersetzt. Für Heinrich ist die Scheibe seine“ schönste Gabe“ für den Sarg seiner Freundin Anna (GH 412, 25 f.). Er „befestigte sie selbst an dem Deckel“ (GH 412, 25 ff.). Castorp bekommt das „gläserne Angebinde“ (Zb 588, 1) von seiner Freundin Chauchat: Er hatte sich in der Fastnacht „von Frau Chauchat einen Bleistift geliehen, ihr später denselben auch wieder zurückgegeben und auf Wunsch etwas anderes dafür empfangen …eine Erinnerungsgabe, die er in der Tasche trug“ (Zb 525, 13 – 16). Es ist ihr Diapositiv, das sie auf dem Zimmer hatte (Zb 515, 3). In der Séance liegt es merkwürdigerweise auf den Knien Castorps (Zb 1009, 31 – 1010, 2). 

 Zum Abschluss seien noch andere Entsprechungen vermerkt:

Die französisch geführte Konversation zwischen Heinrich und seiner geliebten Anna (GH 248, 32 – 250, 25) wird dadurch motiviert, dass Anna in einer Bildungsanstalt der französischen Schweiz war (GH 235, 13 f.)(12). Eine französische Unterhaltung bedeutet die Möglichkeit, ihre Französischkenntnisse zu zeigen (GH 249, 9  ff.). Castorp unterhält sich mit „Tous les deux“  auf Französisch, weil sie kein Deutsch kann (Zb 167, 17 ff., 168, 26 – 29). Die französische Unterhaltung mit seiner Geliebten Chauchat (Zb 508, 7 – 520, 27) ermöglicht wie bei Heinrich und Anna eine Annäherung in sprachlicher Distanz.

Der Vorwurf Heinrichs, dass Lys charakterlich aus Unglauben bestehe, ist Grund für die Forderung zum Duell für Lys (GH 550, 9 – 34). Er will die „moralische Ehre seiner Weltanschauung“ verteidigen, Heinrich ihm die Wahrheit seines Gottesglaubens beweisen (GH 553, 27  - 33). Im Gegensatz zu dieser ad-hoc -Motivierung im Narrenkleide (vgl.GH  551, 6 – 11) ist im „Zauberberg“ das Duell lange vorbereitet und Realisierung einer radikalen Ideologie.

Die Überschrift „Totentanz“  des  4. Kapitels im zweiten Teil (GH 207, 16) wird im „Zauberberg“ aufgenommen: Fünftes Kapitel, Abschnitt 8 (Zb 434, 11).

Am Brunnen vor dem Tore“ (GH 538, 13; Zb 985, 30; 1084, 9 f.29 f.) wird neben anderen Liedern auf dem Feste Rosaliens von den „vier frommen Geiger(n)“ (GH 526, 1 f.) gesungen.

Die Vorträge Krokowskis über „Die Liebe als krankheitsbildende Macht“  (Zb 178, 7 – 26; 190, 12 – 199, 13) haben eine Entsprechung in der Vorlesung über Anthropologie, die Heinrich besucht und nacharbeitet (GH  580, 11 – 586, 26). 

 
Anmerkungen:

1.   Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1(Textband) -2(Kommentarband) – M. Neumann - der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002.
Hervorhebungen durch Fettdruck vom Autor. Abkürzung:  Zb.
 Gottfried Keller, Der grüne Heinrich, nach dem Text der Ausgabe von 1879/80. Artemis und 
Winkler, 2000. Abkürzung: GH.
2.   Vgl. frühere Fassung, zitiert in: Kommentarband, s. Anm. oben, S. 149  - 152.
3.   Vgl.  Kommentarband, s. Anm. oben,  S. 132.
4.   GH  21, 12; 37, 4; 43, 29; 57, 4; 74, 35; 106, 13; 127, 22; 137, 27; 138, 14; 139, 23; 144, 10; 146, 30; 150, 25. 32; 156, 23. 35; 161, 31; 162, 1. 32; 164, 21; 165, 14; 166, 28; 168, 37; 171, 20 f.; 172, 16. 29; 191, 4; 193, 22; 202, 8; 203, 35; 210, 6; 242, 30; 252, 37; 253, 25; 275, 13. 276, 32; 277, 6; 288, 30; 289, 1; 290, 35; 291, 19; 295, 25; 300, 38; 301, 24; 302, 2; 314, 20; 326, 10. 23. 28. 38; 327, 16; 328, 24; 332, 18; 335, 31; 371, 5; 374, 23 f.; 399, 33; 409, 22; 410, 33; 414, 10; 447, 22; 456, 15. 17. 29; 494, 11. 13; 497, 9; 503, 30; 507, 22; 510, 10; 515, 33; 522, 32; 550, 12; 568, 18 f.; 593, 15. 22. 28; 612, 20; 618, 20; 619, 17; 657, 25; 660, 10; 661, 21; 662, 1. 15; 663, 23; 673, 7; 685, 13; 691, 29; 693, 20; 700, 38; 711, 9; 722, 15.16; 733, 14; 748, 10; 750, 5; 753, 29; 762, 25; 767, 17. 26. 31; 771, 7; 778, 17; 783, 8; 790, 30; 796, 11. 19. 22; 803, 1; 807, 15). Auch Castorp sieht schon "grün" aus (Zb 77, 25 - 29).
5.   Ob man bei „Heinrich“ von einer zweideutigen Chiffre Thomas Manns ausgehen soll, sei  dahingestellt.  
6.   Dass sich Holger in seinem Zustand  „gelassen“  (Zb 1004, 15) fühlt, erinnert an den jungen Castorp (Zb 50, 16; 57, 25).
7.   Vgl. Historisches Wörterbuch der Philosophie, hrsg. von J. Ritter und K Gründer, Basel 1995, Bd. 9, Spalte 1414 („Spiritualismus“).
8.   Overbecks Bild „Der Einzug Christi in Jerusalem“  hing an der Südwand der Beichtkapelle zu St. Marien in Lübeck. Bei einem Feuersturm wurde es 1942 vernichtet (Lübeckische Geschichte, a.a.O., S. 605).
9.   Vgl. Beitrag: Hans Castorps Vetter Joachim und die Geschichte Israels  
10. Vgl. Kommentarband, s. Anm. oben, S. 84 f.
11.  Vgl. Beitrag:  „Mynheer Pieter Peeperkorn“.
12.   Die Tochter von Behrens lebt „im französischen Teile der Schweiz“  (Zb 203, 27 f.).

Veröffentlichung: 04. 02. 09
Autor:   Gerhard Adam

 

 

               

 

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