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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

               Spuren im „Zauberberg“: Gottfried Keller, Züricher Novellen (1878).

                                   Das Sinngedicht (1882). Martin Salander (1886)

Eine  Anregung zur  Kapitänshand von Peeperkorn (Zb 846, 11 ff.; 851, 24 f.; 860, 15; 873, 4;  876, 8; 896, 12; 908, 28; 912, 33; 916, 29 f.; 920, 10; 927, 13; vgl. auch „Kapitänsschultern“: 882, 27) findet sich  in der Novelle „Hadlaub“. (1) Der Name des Vaters von Johannes, Ruoff oder Rudsolf am Hadelaub, wird zunächst mit „Hruodwolf, lupus gloriosus, ein berühmter Wolf, ein Hauptwolf, ein Wolf der Wölfe“ erklärt (ZN „Hadlaub“, S. 24, 31 ff.). Ruoff macht Speere (ZN „Hadlaub“, S. 21, 2 – 19). Der Kantor, der  Johannes zur  Ausbildung zu sich nehmen will, zeigt dem Vater Hadlaub die Hände seines kleinen Sohnes:  „ Seht, Kapitan aller Wölfe; sind diese schmalen Händchen diejenigen eines Pflugführers und Speerträgers? Oder nicht vielmehr diejenigen eines Pfaffen oder Magisters?“ (ZN „Hadlaub“, S. 24, 38 – 41). Dass hieraus die Zusammenführung  Kapitänshand mit Nagellanzen  (z.B. Zb 846, 11 f.) für Peeperkorn auch unabhängig von der Gestalt Hauptmanns  erfolgen kann, ist offensichtlich. (2)

Behrens nimmt „aus einem der auf dem Tischchen angeordneten buntfarbigen Blechbüchschen eine Nadel“ und befestigt sie im Gelenkarm des Grammophon (Zb 965, 26 ff.).  In der Novelle schenkt die geliebte Fides (notgedrungen) dem „Minnekanzler“  (ZN „Hadlaub“, S. 40, 2) und Minnesänger Johannes Hadlaub eine Nadelbüchse (ZN „Hadlaub“, S. 58, 49 ff.) als Minnelohn. Eine „Vorstufe“ des Grammophons im „Zauberberg“ lässt sich erkennen: Das dem Namen Fides  zu Grunde liegende lateinische Wort „fides“ bezeichnet nicht nur „Glaube, Treue“  usw., sondern auch „Saite, Saiteninstrument, Lyra, Laute, Saitenspiel “. Die Nadelbüchse in der Novelle „Hadlaub“ könnte also zusammen mit diesem musikalischen Ambiente  zur Assoziation „ Grammophonnadel“ und Grammophon im „Zauberberg“  führen. 

 In der Novelle „Kapitän“ wird ein Kapitän Gimmel eingeführt, der aus holländischen Kriegsdiensten zurückkehrte. Seine Frau war Holländerin  (ZN „Kapitän“, S. 122, 6 ff.). Er  bietet nach dem Duell holländische Schnäpse an (ZN „Kapitän“, S. 123, 4ff.). Salomon Landolt nennt die Tochter Wendelgard des Kapitäns ebenfalls „der Kürze halber den Kapitän“ (ZN „Kapitän“, S. 133, 16 f.). Peeperkorn ist Holländer (Zb 839, 7 f.; 872, 33; 870, 17; 876, 31).  

Die Schilderung der Gegenstände, die sich im Inneren des Glasschranks befinden, den der Großvater für seinen Enkel öffnet (Zb 37, 22 -31), entspricht der detaillierten Schilderung des Inhalt des Schreibtisches der Großmutter, den sie für ihren Enkel  Salomon Landolt öffnet (ZN „Kapitän“, S. 126, 38 – 48).

 Mit der richtigen Erklärung, dass Castorps Vornamen Hans ein „Märchennamen“ sei, stellt man die Suche nach weiteren Erklärungen ein. Bei Keller nun gibt es Modifikationen von „Hans“, die sogar  erklärt werden. In der Novelle „Ursula“  heißt der Rottmeister Hansli Gyr deshalb Hansli, weil „sich darin eine gewisse vertrauliche Beliebtheit und der Ruf der Zuverlässigkeit“ ausdrückt  (ZN „Ursula“ I, S. 217, 2 ff.). Die Erzieherin von Lucie im „Sinngedicht“ heißt Fräulein Hansa: „Sie bewunderte und liebte nämlich den Namen Hans über alles, und um seiner teilhaftig zu werden, hatte sie ihn ohne Rücksicht auf Sinn oder Unsinn mit einem a verziert und angenommen“ (SG, 13. Kap., S. 455, 11 – 15). Hansa ist die latinisierte Form von „Hanse“. Erst bei dieser Lektüre wird dem Leser klar, dass er bei  dem Vornamen Hans (Castorp) ja auch an die Hansestädte (Lübeck!) und „Kaufmannsgilden“ denken kann.  

Dies ermutigt dazu, sich den Namen Hans (Castorp) näher anzusehen.  

In den „Züricher Novellen“ wird der Protagonist Jacques von seinem Paten „Jakob(us)“ genannt (ZN „Einleitung“:  S. 12, 39; „Der Narr auf Manegg“:  S. 79, 45; 80, 21.24;  „Grasmücke und Amsel“: S. 166, 10). Der Pate nimmt an der Erziehung und Förderung von Jaques großen Anteil („Der Narr auf Manegg“: S. 80, 15 f.), spielt also eine „pädagogische“ Rolle wie Settembrini gegenüber Castorp.
Jaques führt den weiteren (übersetzten) Namen Jakob(us). Diese Technik, den Namen mit Hilfe einer Fremdsprache zu erweitern,  findet sich auch im „Zauberberg“.  Settembrini nennt  Joachim „Giacomo“, also Jakob (Zb 780, 19 ff.). Der Name „Giacomo“ passt zu Joachim  wenig:  Die korrekte italienische Übersetzung von „Joachim“ ist „Gioacchino“. „Jakob“ (Giacomo) war für uns bis jetzt  deshalb nur Wegweiser für die biblische Herkunft des  Namens Joachim (Jojakim). (3) Überraschenderweise findet sich der Vorname Jakob noch einmal:  Castorps Onkel  Tienappel führt den Vornamen „James“ (Zb 49, 20). James ist die englische Bezeichnung für „Jakob“. Der Name Jakob erscheint also im „Zauberberg“ in italienischer und englischer Form zur Bezeichnung von Castorps Vetter und Onkel. Wie sieht es nun mit dem Verwandten Hans Castorp aus?

Settembrini  redet Hans beim Abschied mit dem Vornamen „Giovanni“ an (Zb 1080, 3.6). Giovanni heißt  Johannes, nicht Hans. Hans heißt italienisch Gianni.   Warum macht Settembrini Hans zum „Johannes“?  Mit dem Namen Johannes eröffnet sich natürlich eine Vielzahl von  Interpretationsmöglichkeiten. Berücksichtigt man aber die Situation, in die hinein der Name gesprochen wird, ergibt sich eine textnahe Lösung:  Hans wird  mit Johannes angeredet, als er in den Krieg zieht, es ist eine Abschiedsszene. Der hier einmalig gebrauchte Name Johannes (Giovanni) ist ein Abschiedsgruß. Johannes kommt etymologisch vom hebräischen „hohanan, johanan“ mit der Bedeutung „Jahwe ist gnädig“. (4) Ein „Gott ist (sei) dir gnädig“ etwa wäre also das unverschlüsselte Wort, wenn es so zu Settembrini passen würde.

Der Name Johannes steht aber noch in einer anderen Beziehung. Zur Taufe Castorps kommt der Küster  von der  Kirche St. Jakob. Es ist die Kirche von Jakobus dem Älteren, des Bruders von Johannes. Auf neutestamentlicher Basis ergibt sich eine Verwandtschaft zwischen Joachim  (Jakobus) und Hans (Johannes). 

Es bleibt bei Hans noch eine Leerstelle. Übersetzt man  den Namen „Hans“  ins  Englische, also  umgekehrt wie bei James,  kommt man zum Namen „ Jack“, der etymologisch mit Jakob zusammenhängt. Das Ergebnis ist dann: Die Verwandtschaft Ziemßen – Tienappel - Castorp hat im Hintergrund denselben Stamm „Jakob“.

Eine Bestätigung für die „Erweiterung“ des Namens Hans durch „Jack“ ergibt sich auch daraus, dass St. Jakobi zu Lübeck die Kirche der Seefahrer ist. Wie der Name Hans schon mit der Seefahrt verbunden ist („Hanse“), so auch der Name „Jack“. Bei diesem Vornamen denkt jeder Leser an Jack London und seinen Roman „Der Seewolf“ (1904). Schon eine flüchtige Lektüre zeigt, dass die Protagonisten Humphrey van Weyden  und Wolf Larsen Hans Castorp und  Pieter Peeperkorn nahestehen. Auch Hans Castorps Name "Giovanni" (Johannes) kann auf Jack London verweisen: Die englische Übersetzung von Johannes ist "John", der ursprüngliche Vorname von Jack London (John Griffith London).

 Krokowskis Sprachfehler („Wir gdießen dich, Holger“: Zb 1023, 15; auch 1017, 18; „mein Freind“: Zb 1020, 5) hat einen Vorläufer in Goethes Lied, das der verliebte  Schuhmachermeister im „Sinngedicht“ so singt:

„Kleine Blumen, kleine Blätter – ja Blätter
Streien wir mit leichter Hand
Gude junge Frihlings – Gädder – ja Gädder
Tändelnd auf ein luftig Band“ (SG 13. Kap., S. 468, 28 – 31)

Ebenso in der letzten  Strophe: „Fihle, sang er, Fihle, was dies Herz empfindet…(S. 469, 10 f.).
Die Anrede Holgers mit „Gesell“ (Zb 1023, 16) korrespondiert mit dem jungen „Meister“ (SG 13. Kap., S. 468, 3 f.).In Anlehnung dazu spricht Kleefeld das y in „lyrisch“ zum Missfallen Castorps wie i aus (Zb 1004, 2 ff.).

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