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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                         Spuren im „Zauberberg“:  Friedrich Huch, Mao (1907)

Wenn  Patienten in einem Lungensanatorium „liegen“, ist das nichts Besonderes. „Liegen“ und damit verbunden „horizontal“ zu Leitbegriffen im „Zauberberg“  zu machen, dafür finden wir die Anregung  in Huchs Roman „Mao“ : „Es schien, daß Thomas, wenn es nach seinem Wunsche gegangen wäre, niemals seine horizontale Lage verlassen hätte“ (Mao 9, 11 ff.)  (1) 

 Da Thomas Mann  in Wortfamilien denkt,  ergeben sich für den Roman eine Reihe von Zusammensetzungen mit „Liegen“ und eine Vielzahl ihrer Erwähnung. (2)

Kann man das „Liegen“ noch als schlichtes Therapiemittel ansehen, so bekommt  „Liegen“ mit dem  pleonastischen Zusatz „horizontal“ bei Thomas Mann eine existentielle Bedeutung. Das zeigen die folgenden Belege:

 Horizontale(r) Lage (Zb 132, 28 f.; 139, 7 f.; 512, 5;  635, 15; 677, 32 f.: “endgültig horizontale Lage“ ). „Wie war das übrigens mit der „Lage“? Um sich in einer Lage zu befinden, mußte er liegen und nicht stehen, damit das Wort seinen gerechten und ordentlichen Sinn, statt eines bloß metaphorischen, gewänne. Horizontal, das war die Lage, die einem langjährigen Mitglied Derer hier oben zukam“ (Zb 737, 2 – 7; 1075, 27). „Wir müssen liegen, immer liegen … Settembrini sagt immer, wir lebten horizontal, - wir seien Horizontale, sagt er, das ist so ein fauler Witz von ihm“ (Zb 114, 6 – 9),  „die Horizontale herrscht(e)“  auf dem „Berghof“ (Zb 636, 31) Joachim nimmt „dauernd die Horizontale ein (Zb 804, 17).

„Horizontal“ wird anderen Begriffen zugeordnet: „horizontale Lebensweise“ (Zb 178, 32; 308, 3;  706, 27; 756, 15); “horizontale Art“ (Zb 131, 27); „horizontale Lebenslage“ (Zb 250, 30; 553, 4 f.); „horizontale(n) Daseinsform“ (Zb 487, 22).

Wie Thomas bevorzugt Castorp die horizontale Lage (z.B. Zb 109, 5 – 8). Im Liegestuhl erwarten ihn „gefriedete Stunden“ (Zb 158, 25 f.; Friedhof!). Mit den Decken kann man „eine richtige Mumie“ aus sich machen (Zb 226, 16; 654, 29).  

 Thomas verehrt den Mitschüler Alexander, versucht aber nicht ihn kennenzulernen. Nun will Alexander die Bekanntschaft einleiten und winkt ihn zu sich (Mao 35, 23 – 36, 3). Während Thomas noch dasteht, kommt ein Mitschüler auf ihn zu und leitet eine Serie von Erpressungen ein (Mao 36, 5 – 45, 30; Grund:  mögliche Bestrafung für Fratzen hinter dem Lehrer). Dieser Mitschüler leiht sich zunächst von Thomas einen Federhalter, den er nicht mehr zurückgibt. Dann lässt er sich einen Bleistift schenken. (3) Als Thomas ihm den Bleistift vor die Füsse wirft, zwingt der Mitschüler ihn dazu, diesen aufzuheben:  „Glühend vor Scham mußte er sich bücken, da half nichts; die Vorstellung, daß er in der Klasse vor allen Schülern, vor Alexander mit dem Stock geschlagen wurde, war stärker als alles andere“ (Mao 38, 1 – 4).

Castorp wird in der Schule nicht von Lehrern geprügeltgesellschaftlicher Rücksicht halber“ (Zb 687, 10). Thomas wäre von einem Lehrer bestraft worden, „wenn du nicht einen Vater hättest, den ich in Dankbarkeit verehre“ (Mao, S. 32, 1 f.). Aber einmal  wird Castorp von einem stärkeren Mitschüler mit dem Stock geschlagen (Zb 687, 10 – 18). Thomas Mann verschärft also das Motiv: Castorp wird nicht vor Mitschülern geschlagen, sondern von einem Mitschüler. (3)

 Das Aussehen des Lehrers Hentschel läßt Thomas an einen Hasen denken (Mao 29, 18 – 25). „Und da er sah, daß es kein Hase, sondern nur ein Lehrer war, so glaubte er, er sei verzaubert“ (Mao 29, 25 f.). Thomas denkt sich „oft die phantastischsten Geschichten aus: Ob wohl seine (sc. Hentschels) Frau auch so aussähe wie er selbst, ob seine Kinder wohl auch schon kleine  Bärtchen hätten; er sah ein ganzes Nest voll kleiner Menschenhasen auf dem Fußboden in einem winzigen ganz leeren Zimmer, da ging die Türe auf und eine Frau trat herein mit einem wirklichen Hasenkopf und langen Ohren“ (Mao 30, 1 – 6).

 Frau Stöhr hat „Hasenzähne (Zb 70, 12; 116, 11; 483, 1). Dass Frau Stöhr ein Heim (Zb 28, 31; 523, 28 f. : „Nest“) und eine Familie hat (Zb 756, 26 f.; 28, 31, 230.19.33), könnte auf die „Hasenfamilie“ des Lehrers Hentschel  zurückzuführen sein. Mangelnde Bildung heißt auch mangelnde Schulbildung. Bekanntlich wird  Frau Stöhrs defizitäre Bildung im „Zauberberg“ ständig herausgestrichen (z.B.  Zb 28, 31 f.: „Ungebildetste“;  149, 9: „Mörderlich ungebildet“; 482, 26: „große Unbildung“). (5)

In Thomas „steckt eine ganz verdammte Verträumtheit“ (Mao 9, 17 f.). Castorp hat die Neigung, „ohne einen festen Gedanken ins Leere zu träumen“ (Zb 50, 8 f.).

Ein Lehrer in Schlapphut beaufsichtigte das Treiben (sc. in der Pause: Zb 183, 30 f.), indem er in eine Schinkensemmel biß“ (Zb 184, 4 ff.).  „Die Lehrer trugen eine bessere Kleidung und blickten in den Pausen nicht mit Aufmerksamkeit auf die guten Dinge, die er (sc. Thomas) seiner Frühstücksdose entnahm, sondern verzehrten selbst ihr Wurst – und Schinkenbrötchen“ (Mao 115, 3 – 6).

Wie weit das Spiel mit den Namen gehen kann, zeigt der Name „Mao“. Thomas findet in einem alten Wappenschild des Hauses  den Anfangslaut des Namens seines geliebten Alexanders  in „zwei pyramidenförmig zueinander gestellten (n) Streifen,  ähnlich zwei Schwertern, deren verloschene Spitzen sich einst kreuzten“ (Mao 47, 4 – 12). Im Traum erfährt Thomas nun den Namen eines Knaben, dessen Bild seit je in seinem Zimmer hängt: Mao. „Nun endlich enträtselte sich ihm auch das Wappenschild: Es war das Innerste von Maos Namen, das, was nach beiden Seiten hin geschützt, nur Eingerweihten sein Geheimnis offenbarte. Und wie Thomas über den Namen nachsann, der fremdartig und weich war, fand er ihn mit einem Male, umgestellt, im Herzen seines eigenen Namens wieder. Nun war er ihm ganz zugehörig; noch mehr: Einer war in dem andern“ (Mao 76, 24 – 30). Immerhin werden wir hier darauf aufmerksam gemacht , dass sich „im Herzen“ des Namens Clawdia Chauchat die Initiale „C“ (Castorp) befindet (sieben Buchstaben links, sieben rechts).   

 Anmerkungen:

 1.        Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1(Textband) -2 (Kommentarband) – M. Neumann - der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002.
Hervorhebungen durch Fettdruck vom Autor. Abkürzung:  Zb
Friedrich Huch, Mao, S. Fischer Verlag, Berlin, o.J. (Fischers Bibliothek zeitgenössischer Romane).  Abkürzung: Mao

2.        Ohne Anspruch auf Vollständigkeitr seien hier die Stellen aufgeführt:   Liegen:  Zb 21, 19; 21, 23; 44, 29; 47, 12; 95, 8; 109, 13 f.; 168, 15; 261, 32; 262, 11.13; 309, 16; 415, 25; 750, 1; 761, 17; sich legen: Zb 339, 20; Lage: Zb 284, 23; 447, 22; 559, 22; 577, 27; 636, 28; Liegekur : Zb 21, 18; 96, 25; 104, 12.15.23; 105, 17; 109, 5; 111, 1; 121, 6; 128, 15; 135, 20. 29.33; 139, 6; 144, 5; 145, 23; 154, 31; 155, 1. 7; 156, 22. 27; 158, 27; 170, 6; 221, 11; 224, 7; 225, 14; 226, 16; 230, 16; 247, 8; 250, 4.5; 252, 15; 260, 9; 267, 31; 285, 17; 288, 20; 289, 1. 26; 290, 6;  292, 10. 18; 307, 22; 318, 28; 320, 16; 335, 2; 340, 5; 343, 15; 346, 30; 408,1; 555, 18; 646, 25; 757, 1; 795, 30 f.; 797, 21 f.;  969, 20 f.;  Lebenslage: 280, 22; 730, 3;  Liegedienst:  Zb 382, 8; 405, 19; 537, 30; 655, 33; Liegestuhl: 101, 19; 114, 30; 158, 16.; 247, 10; 251, 2; 340, 25 f.; 343, 32 f.; 411, 15; 412, 32; 414, 18; 433, 24; 524, 13; 546, 23; 549, 7; 553, 2 f.; 554, 13; 557, 13; 569, 18; 633, 3; 710, 21 :  996, 21; 1073, 22; Liegehalle. 109, 31; 116, 27; 1121, 27; 220, 13 f.; 221, 12; 258, 20; Stuhllager: 157, 8; Liegesack: Zb 406, 6; Liegestunde: Zb 654, 24.

3.        Zum Motiv „Ausleihen eines Bleistifts“ vgl. die Stellen im Beitrag Spuren im „Zauberberg“:  Knut Hamsun, Hunger (1890).

4.       Das Motiv der Züchtigung taucht an weiteren Stellen auf:  Schulmeister züchtigt Kaben (Zb 130, 3); Debatte über körperliche Züchtigung (Zb 685, 23), Folter (Zb 690, 32); Wortwahl „Züchtigen“ (Zb 1055, 32; 1056, 32; 1057, 5) ist Mitursache für das Duell Naphta – Settembrini.

5.       Die Vorlage für Hentschels Hasenfamilie könnte ein Volksstück sein, dessen Titel in Huchs "Pitt und Fox" genannt wird (PuF  282, 3):
Adolph L`Arronge, Hasemanns Töchter. Volksstück in 4 Akten, Sechste Aufl.,o.J., Eduard Bloch Theaterverlag Berlin.
Außer dem Namen des Protagonisten Hasemann wird auf einen Hasen nur an einer Stelle Bezug genommen: „Der Junge (sc. Eduard) ist ganz toll – er springt herum wie ein Hase im Kohl, pfeift ein Liedchen und (lispelnd) arbeitet mit der Zunge gegen die Zähne, daß man fast kein Wort versteht“ (Has 110, 16 – 19). Geht man davon aus, dass Thomas Mann dieses Volksstück gekannt hat, bestätigt  sich hier die Verbindung Frau Stöhr (Hase) – Lied.  Vgl. dazu  Beitrag Spuren im „Zauberberg“: „Auf `m Wase graset d‘ Hase ond em Wasser gambet d‘ Fisch“   (Schwäbische Volksweise). 

 

Veröffentlichung:  10. 11. 09
Autor:  Gerhard Adam

 

 

 

  

                                          

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