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Beitrag 91
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

      Spuren im „Zauberberg“: Richard Wagner, Mein Leben 1813 – 1868  (1911)

Richard Wagner wollte seine Oper „Tannhäuser“ ursprünglich „Der Venusberg“ nennen, ließ sich aber davon abbringen: „Nur gegen den Titel, welcher damals noch >>Der Venusberg<< lautete, war Meser (sc. Hofmusikalienhändler in Dresden) so vollständig eingenommen, daß er mir ihn auch wirklich ausredete: er behauptete, ich käme nicht unter das Publikum und hörte nicht, wie man über diesen Titel die abscheulichsten Witze machte, welche namentlich von den Lehrern und Schülern der medizinischen Klinik in Dresden, wie er meinte, ausgehen müßten, da sie sich auf eine nur in diesem Bereich geläufigere Obszönität bezögen. Es genügte, eine so widrige Trivialität mir bezeichnet zu hören, um mich zu der gewünschten Änderung zu bewegen“ (WML 313, 41 – 314, 6).(1) Thomas Manns Titel „Der Zauberberg“ wird durch die Zauberwelt der Venus im umbenannten „Tannhäuser“ nahegelegt. (2)

Wagner reist nach Stuttgart und erwartet von dem dortigen Kapellmeister Karl Eckert, „daß er beim Aufsuchen eines stillen Unterkommens, etwa in Cannstatt bei Stuttgart“ behilflich sein könne. (WML 754, 17 – 20). Eckerts Frau will ihrem Manne ein „behagliches Haus“ halten (WML 454, 30 f.). Bekanntlich ist Caroline Stöhr „Musikergattin aus Cannstatt“ (Zb 28, 31) und „Hausfrau“ (Zb 523, 29). Caroline ist die weibliche Form von Karl. Damit kann man erklären, warum Thomas Mann auf Cannstatt kommt. (3)

Auf Frau Stöhr deutet eine weitere Stelle bei Wagner hin: „ In einer anderen Weise sehr freundlich anregend erwies sich für mich (sc. Wagner) eine Berührung mit Rossini, welchem ein Witzreißer für die Journale ein bonmot untergeschoben hatte, wonach er seinem Freunde Caraffa, als dieser sich für meine Musik erklärte, bei einem Diner den Fisch ohne Sauce serviert und dies damit erklärt haben sollte, daß ja sein Freund auch die Musik ohne Melodie liebe. Hiergegen protestierte nun Rossini in einem öffentlichen Schreiben sehr förmlich und ernsthaft, erklärte das ihm untergelegte bonmot für eine „mauvaise blague“ und bezeugte zugleich, daß er derartige Scherze sich nie in betreff eines Mannes erlauben würde, den er darin begriffen sehe, das Gebiet seiner Kunst zu erweitern“ (WML 622, 34 – 43).

Mit ähnlicher Bestimmtheit redet Frau Stöhr von ihren 28 Fischsaucen: Sie erklärte, daß sie achtundzwanzig verschiedene Fischsaucen zu bereiten verstehe, - sie habe den Mut, dafür einzustehen, obgleich ihr eigener Mann sie gewarnt habe, davon zu sprechen. >>Sprich nicht davon! << habe er gesagt. >>Niemand wird es dir glauben, und wenn man es glaubt, so wird man es lächerlich finden!<< Und doch wolle sie es heute einmal sagen und offen bekennen, daß es achtundzwanzig Fischsaucen seien, die sie machen könne“ (Zb 129, 2 – 10).Nicht nur auf das Bekenntnishafte, sondern auch auf das Scherzhafte der Anekdote wird hingewiesen.

Überprüft man die Szene auf ihren „musikalischen“ Gehalt , so ergibt sich Folgendes:
1.       Frau Stöhr ist Musikergattin. Der Musiker („eigene Mann“) wird besonders erwähnt. Dieser besitzt ein „italienisch – musikalisches(n) Vokabular“ (Zb 482, 28 f.).
2.       Bei der Anekdote setzt der passionierte Koch Rossini eine Fischsoße mit einer Melodie gleich.
3.        Settembrini bezeichnet im „Zauberberg“ die ganze Fischsoßenepisode als „liederlichen Unsinn“ (Zb 133, 16). Die Fischsoßen scheinen es mit „Liedern“ zu tun zu haben.
4.       Frau Stöhr will 28 Fischsoßen = 28 „Melodien“ verfertigen können.
5.       Warum sind es gerade 28? Diese Zahl bestätigt unsere Interpretation: Es liegt hier die  Anspielung auf einen weiteren italienischen Komponisten vor, nämlich auf Giuseppe Verdi mit seinen 28 Opern.
6.       Auch der „Gegenspieler“ Verdis, Richard Wagner, könnte präsent sein. Frau Stöhr spricht umständlich davon, „sie habe den Mut, dafür einzustehen“. Verdeckt dieser Ausdruck ein  „sie wage es, dafür einzustehen“,dann  würde aus der Anekdote auch der Bezug zu Wagner mitgenommen werden: "Wagner" leitet sich nämlich nach Meinung des mit ihm befreundeten Philologen Lehrs nicht von „Fuhrwerk“, sondern von „Wagen“ ab (WML 191, 42 – 192, 7).
7.       Die Äußerung des Musikers Stöhr (4) passt dazu: Es wäre lächerlich zu glauben, Wagner würde „italienische“ Arien komponieren mit seinem „dramatisch – deklamatorischen Sologesangsstil“. (5)

Als Ergebnis halten wir fest: Der Vergleich mit den Fischsoßen wird durch den passionierten Koch Rossini angeregt, die Zahl 28 durch die Zahl der Opern Verdis mit ihren  „Melodien“ (Arien).

Schon früher wurde auf den jüdischen Ursprung des Namens Joachim hingewiesen. (6) Wagner berichtet: Über „Joachim, der stets in bescheidener, fast weicher Zurückhaltung geblieben war, sagte mir Bülow zur Erklärung, daß er in einer gewissen wehmütigen Schüchternheit gegen mich befangen sei, und zwar wegen meines famosen Artikel über das „Judentum“ ausgesprochenen Meinungen. Bei der Vorlegung einer seiner Kompositionen habe er ihn mit einer gewissen freundlichen Ängstlichkeit gefragt, ob ich dieser Arbeit wohl etwas Jüdisches anmerken können würde.“ (WML 514, 29 – 35). (7) Der Träger eines jüdischen Namens distanziert sich also, wie Joachim im „Zauberberg (Zb 582, 7 ff.), von der Festlegung durch den Namen.

 Anmerkungen:

1.       Richard Wagner, Mein Leben 1813 – 1868. Vollständige, kommentierte Ausgabe, hrsg. von Martin Gregor – Dellin, Neuausgabe 1994, Paul List Verlag München. Abkürzung: WML.
2.       Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1 (Textband) -2 (Kommentarband) – M. Neumann - der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002.
Hervorhebungen durch Fettdruck vom Autor. Abkürzung: Zb
3.       Zur Attraktion dieses Ortes vgl. Beitrag „Auf’m Wase graset d‘ Hase“.
4.       Einem Musikdirektor Karl Stör begegnet Wagner in Weimar (WLM 426, 2; Anm.: 811).
5.       MGG – Die Musik in Geschichte und Gegenwart, dtv 1989, Band 1, S. 622, s.v. „Arie“ (R. Gerber).
6.       Vgl. Beitrag „Hans Castorps Vetter Joachim und die Geschichte Israels“.  
7.       Bei Joachim handelt es sich um Joseph Joachim, den Geigenvirtuosen und späteren Direktor der Berliner Hochschule für Musik. Wagner schrieb einen Artikel: „Das Judentum in der Musik“ (dazu WML 479, 21 – 480, 24).

Veröffentlichung:   20. 09. 10
Autor: Gerhard Adam

 


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