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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                                             Joachim Ziemßens Ohren

In einem Gespräch zwischen Castorp und Ziemßen über Naphta mokiert sich Ziemßen über dessen „Judennase“ (Zb 582, 8). (1) Dies ist umso erstaunlicher, weil Ziemßen selbst mit einem eigenen körperlichen „Fehler“ behaftet ist, nämlich mit „abstehende(n) Ohren“(Zb 16, 11). Ziemßen leidet an diesem Merkmal seit seiner Kindheit und noch an Ziemßens Totenbett werden   diese Ohren erwähnt (Zb 805, 26 - 30). Nun steht ja dieser „Fehler“ der Ohren auf einer Ebene mit dem „Fehler“ der Nase des Juden Naphta. Können wir auch den metaphorischen jüdischen Bezug übertragen? Ziemßen hat dann „Ohren wie ein Jude“ oder „Judenohren“.  Judenohr (Judasohr)“ ist eine schon zum Namen gewordene Metapher zur Bezeichnung einer Pilzes, der die Gestalt einer Ohrmuschel mit Stiel annimmt (2).

 Natürlich sind nicht alle, die die „Ohren eines Juden“ oder „schwarze Augen“ haben (Zb 16, 9) Juden. Aber es gibt weitere Indizien dafür, dass Joachim Ziemßen ursprünglich als „assimilierter Jude“ konzipiert war:  

 1.       Der Vorname Joachim ist ein Name des Alten Testaments (3). Settembrini nennt Joachim „Giacomo“, also „Jakob“ (Zb 78ß, 20 f.).

2.       Der Nachname Ziemßen wurde von uns als eine reduzierte Form von „Ziemssen“ gelesen (4). Es ist freilich die Möglichkeit zu bedenken, dass der ursprüngliche Name schon aus sieben Buchstaben (wie Castorp, Behrens) bestand, die dann passend verändert wurden.  Dieser ursprüngliche Name scheint „Siemsen“ zu sein. Nathan Siemsen ist (neben einem Samuel Frank) Schutzjude der Stadt Lübeck. Beide erhielten 1681 das Niederlassungsrecht in Lübeck.(5) Nicht nur der Name Castorp, sondern auch der Name seines Vetters Ziemßen kann damit auf einen Namen der Stadtgeschichte Lübecks zurückgeführt werden.

Die Distanzierung Ziemßens gegenüber anderen Juden (Zb 582, 2 - 9) ist bei einem „assimilierten“ Juden gewiss keine Besonderheit.  Schon Siemsen verklagt seine Glaubensgenossen beim Lübecker Rat, um seine  Privilegien für sich zu haben.

3.       Mit dem Status eines Berufsoffiziers erreicht Ziemßen den höchsten „Assimilationsgrad“ eines Juden: Aus dem „Schutzjuden“ Siemsen, der Geld für seinen Schutz zahlen muss, wird der Soldat Ziemßen, der seinen Staat schützt. (6)  

 Als Ergebnis ist festzuhalten: Der Jude Joachim (Jakob) Ziemßen passt  somit konzeptionell  zu seinen  jüdischen  Verwandten  „Brotsack“ Hans (Jack, Jakob) Castorp und James (Jakob) Tienappel.  

 
Anmerkungen:

1.       Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1 (Textband) -2 (Kommentarband) – M. Neumann - der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002.
Hervorhebungen durch Fettdruck vom Autor. Abkürzung: Zb

2.       Vgl. zu Einzelheiten des „Judenohrs“ ein Pilzbuch oder Lexikon s.v. „Judenohr“. 

3.       Vgl. Beitrag „Hans Castorps Vetter Joachim Ziemßen und die Geschichte Israels“.

4.       Vgl. Beitrag „Romanschriftsteller im „Zauberberg“.

5.       Peter Guttkuhn, Die Geschichte der Juden in Moisling und Lübeck. Von den Anfängen 1656 bis zur Emanzipation 1852. (Veröffentlichungen zur Geschichte der Hansestadt Lübeck. Herausgegeben vom Archiv der Hansestadt Reihe B Band 30), 1999, S. 24 f.
Lübeckische Geschichte, herausgegeben von Antjekathrin Graßmann, Verlag Schmidt-Römhild, 4. Aufl. 2008 (1988), S. 479.
Frank und Siemsen handeln mit Gold und Silber. Vielleicht liegt hierin die Erklärung, warum die Haushälterin Schalleen Tochter eines Goldschmieds (in Altona) ist (Zb 49, 23).

6.         Auf einem Grabstein im jüdischen Friedhof Lübeck wird vom 19jährigen Kriegsfreiwilligen David Adler berichtet, der am 23. November 1917 in Flandern fiel: „Wie ein Held gürtete er sich zum Kampf zu kämpfen aus Liebe zu seinem Vaterland und als er im Schlachtfeld weilte kam der Feind über ihn und erschlug ihn“.In: Albrecht Schreiber, Über Zeit und Ewigkeit. Die jüdischen Friedhöfe in Moisling und Lübeck (Kleine Hefte zur Stadtgeschichte, herausgegeben vom Archiv der Hansestadt Lübeck, Heft 4), 1988, S. 76.

Veröffentlichung: 20. 02. 11
Autor: Gerhard Adam   

 

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