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Beitrag 90
Beitrag 91
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                Spuren im „Zauberberg“: E. G. Bulwer – Lytton, Kenelm Chillingly (1873)

 Namensgeber für Hofrat Behrens ist der kongeniale Zeitgenosse Thomas Manns, der Architekt, Maler und Designer Peter Behrens (1868 – 1940) aus Hamburg. Für die Romanfiguren Mylendonk, Dr. Blumenkohl und Peeperkorn lässt sich ein starker Einfluss Bulwer – Lyttons nachweisen.

Die einschlägigen Stellen sollen zunächst vorgestellt werden.(1) 

Der Chillingly - Familienrat tritt zusammen, um zu beraten, wie das neugeborene Kind heißen soll (KC I, Kapitel 4). Der Vater Sir Peter stellt folgende Überlegungen an:

„Aber, meine Freunde, es gilt nicht nur die Wirkung, welche der Klang eines Namens auf Andere übt, in sorgfältige Erwägung zu ziehen, noch wichtiger ist vielleicht die Wirkung, welche der Name eines Menschen auf ihn selbst übt. Einige Namen sind geeignet, ihre Träger anzufeuern und zu ermuthigen, andere, sie zu entmuthigen und zu lähmen; ich selbst bin ein trauriges Beispiel dieser Wahrheit. Seit vielen Generationen wird der Erstgeborene in unserer Familie, wie Sie wissen, auf den Namen Peter getauft. Auf dem Altar dieses Namens hat man mich geopfert. Es hat noch nie einen Sir Peter Chillingly gegeben, der sich in irgend einer Weise vor seinen Genossen ausgezeichnet hätte. Dieser Name hat schwer auf meiner geistigen Spannkraft gelastet“ (KC I 23, 12 – 25). Sir Peter zieht die Folgerung daraus: „Mein Sohn soll nicht durch den Namen Peter petrificiert werden“ (KC I 24, 12 f.; 388, 13; II 107, 11 – 17; I 280, 13 – 16).  

Bei der späteren Beratung über die Erziehung Kenelms lehnt Vetter Mivers den Vorschlag Pfarrer Johns ab, Kenelm zunächst auf eine „ideale Schule“ zu schicken: „Wollen Sie, Sir Peter, Kenelm geschickt machen, sentimentale Gedichte zu fabriciren, so hören Sie auf Pfarrer John; wollen Sie, daß er sich den Kopf mit idyllischem Schnickschnack von unschuldiger Liebe füllt, damit er vielleicht schließlich eine Müllersthochter heiratet, so hören Sie auf Pfarrer John; wollen Sie, daß er als ein alberner Grünschnabel ins Leben tritt, welcher jeden Wechsel über ein mit fünfzig Prozent zu verzinsendes Darlehn unterschreiben wird, für welche ein junger Taugenichts  ihn Garantie zu leisten bittet, so hören Sie auf Pfarrer John“ (KC I 49, 15 – 24).

Die drei Chillingly – Schwestern haben eine Methode entwickelt, durch die Auswahl passender Lektüre (abwechselnd zwischen Roman und einem „guten Buch“) ihren „geistigen Thermometer“ zu beeinflussen (KC I 27, 20 – 29).

Ein „mittelalterliches“ Stubenmädchen bedient Kenelm (KC I 111, 13).


Aus diesem Assoziationsfeld ergeben sich Namensgebung und Ausgestaltung der Romanfigur Mylendonk:

1. „Schnickschnack“ ist eines der zwei Lieblingswörter Mylendonks (Zb 254, 31 f.; 255, 9 f.; 256, 4). (2) Bedenkt man, dass in unserer Quelle eine Diskussion über den Vornamen „Peter“ geführt wird und Peter Synonym für „Mittelmäßigkeit“,(mit Tendenz zu „Esel“) ist, dann wird verständlich, dass schon die Quelle mit „Schnickschnack“ den Laut eines Esels nahelegt (Vokalfolge:„ia – ia“). (3)

2.  Die „Müllerstochter“ steuert die „Mühle“ bei. Die Oberin ist ein „Mühlenesel“. Das „mittelalterliche“ Stubenmädchen führt zu dem Thomas Mann bekannten Namen Irmentrudis von Mylendonk der „mittelalterlichen“ (Zb 96, 1) Äbtissin (Granatkreuz, Zb 95, 28; 254, 14).  Thomas Mann erfindet also den Namen Mylendonk nicht, sondern wählt ihn nach den Anregungen unserer Quelle aus, die er noch in Details übernimmt. „Donk“ passt als Kurzform zu engl. „donkey“ = Esel.

3.Der „Wechsel“ weist auf kaufmännisches Handeln hin (Verkauf des Thermometers).Settembrini nennt diesen Verkauf ein „einwandfreies Handelsgeschäft“ (Zb 296, 22).

4.  Das Thermometer ist von zentraler Bedeutung für die Mitgliedern der Berghof – Gesellschaft. Bei manchen geht es darum, die Messergebnisse des Thermometers zu manipulieren, um glücklich auf dem Berghof bleiben zu können.(4)

Zum Vornamen „Peter“ des Hofrats führt uns die Beobachtung, dass „Petrefakt“ (Zb 96, 7) auf „Petrifizieren“ zurückgeht.

 Nicht nur, wie bislang angenommen, ist an „Stein, Versteinerung“ bei „Petrefakt“ zu denken, sondern auch an den Vornamen „Peter“. Liest man in „Petrefakt“ den Namen „Peter“ mit, kommt man zu „Peter – Fakt“, also etwa „(von) Peter Gemachtes, Peter – Faktotum“. (5) Daraus ergibt sich für uns, dass Hofrat Behrens den (unterdrückten) Vornamen „Peter“ besitzt.

Folgende Argumente lassen sich außer „Petrefakt“ dafür anführen:

1. In der Diskussion bei Bulwer - Lytton über den Namen „Peter“ wird als rühmliche Ausnahme der Maler Peter Lély (1618 – 1680) genannt.(6) Lély ist Hofmaler in London, malt Portraits wie der „Künstler“ Behrens (seine Frau, Chauchat : Zb 388, 4. 32). Peter Lély ist in Westfalen geboren (KC I 23, 29 – 32), der Hofrat „aus dem Nordwesten Deutschlands“ (Zb 201, 30 f.). Peter Lély führte auch den niederländischen Namen „Pieter van der Faes“, ein Verweis auf den Vornamen des Holländers Pieter Peeperkorn.

2. Der Nachname „Behrens“ des Hofrates bestätigt den über Bulwer – Lytton und „Petrefakt“ gewonnenen Vornamen „Peter“.  Bei Peter Behrens stößt man auf den Namen eines aus Hamburg stammenden berühmten Architekten, Malers und Designers, nämlich Peter Behrens (1868 – 1940). (7) Folgende Punkte machen ihn als Namensgeber wahrscheinlich:

a. Hofrat Behrens übergibt der Berghof – Gesellschaft ein Grammophon. Es ist ein „Deutsches Fabrikat“ (Zb 965, 32). Das Design des Grammophons wird ausführlich beschrieben (Zb 964, 22 – 965, 20) Peter Behrens war insbesondere für die AEG tätig.    

b. Ebenso ausführlich wird das „Design“ des Liegestuhls beschrieben (Zb 104, 23 – 32). Wer hat diesen Liegestuhl entworfen?

 „>> Nun, es lag sich ja ausgezeichnet. Was sind denn das für Stühle? Wenn es die hier zu kaufen gibt, dann nehme ich mir einen mit nach Hamburg, man liegt ja darauf wie im Himmel. Oder meinst du, daß Behrens sie eigens nach seinen Angaben hat anfertigen lassen? << Joachim wußte das nicht.“ (Zb 105, 21 – 26). Elemente, die zum Designer Peter Behrens gehören, werden hier mit Hofrat Behrens verbunden:  Produktionsentwurf und Industrieprodukt.

c. Liest man „Petrefakt“ wieder vom  griechischen Petros („Stein“) her, also als „Stein – Gemachtes“, sind wir bei dem Architekten Peter Behrens. Die oben zitierte Äußerung Settembrinis kann auch hierfür als Beleg gelten, „daß unser Radamanth (sc. Behrens) einzig und allein aus künstlerischem Stilgefühl dieses Petrefakt zur Oberaufseherin seines Schreckenspalastes“ gemacht habe.„Palast“ und „Petrefakt“ gehören als „Steinbauten“ zum Arbeitsfeld des Architekten Peter Behrens. (8)

Mit Sicherheit lässt sich also sagen, dass der Name „Peter Behrens“ des Hofrats von dem zeitgenössischen Architekten Peter Behrens stammt. (9)

Einer der vielen Vorbilder Peeperkorns ist Chillingly – Gordon (senior), der zwei Eigenschaften mit Peeperkorn teilt: Er hatte eine „imponi(e)rende Art“, seine Ansichten auszusprechen, die freilich nicht viel wert waren (KC I 13, 16 ff.; Zb 832, 7 - 24), und „er konnte grob werden, wenn man ihm widersprach“ (KC I 13, 26; Zb 851, 9 f.; 857, 28 – 858, 14).

Auffallend ist, dass der Protagonist des Romans, Kenelm Chillingly, keinen Blumenkohl mag. Dies wird in breiter Ausführlichkeit dargelegt (KC I 108, 6 – 109, 11). Nun weist nicht nur der Name Dr. Blumenkohl im „Zauberbergs“ auf Blumenkohl hin, sondern auch sein Essensverhalten: Mit „leise(m) angewiderte(n) Ausdruck seines Gesichtes“ (Zb 120, 17 f.) verlässt Dr. Blumenkohl das Essen. „Immer stärker hatte sein (sc. Dr. Blumenkohls) Gesicht den Ausdruck angenommen, als habe er etwas schlecht Schmeckendes im Munde“ (Zb 544, 1 ff.; 70, 14). (10)

Möglich ist, dass Thomas Mann aus diesem Roman den Namen „Settembrini“ gewonnen hat. Das engl. „Chillingly“ heißt „frostig“. Die Übersetzung des Namens Settembrini ist bekanntlich „Siebenfrost“ (ital. sette und brina= Raureif).  (11)

Das Spiel mit dem Namen findet sich in einem Brief Lady Chillinglys an ihren Sohn Kenelm, „Pfarrer John habe sich in Veranlassung des Buches eines Ausländers, Camte oder Cannt oder ähnlich so“ geäußert (KC II 205, 31 ff.). Ein Name wird auf einem Grabstein entziffert (KC II 177, 7 – 22). (12) Die „Überfüllte“ sucht nach dem richtigen Namen Castorps (Zb 327, 9 f.), „Mazurka“ nennt Castorp Marusja (Zb 112, 18 – 23; 251, 13). Mit der Aufzählung von Endungen will Fräulein Engelhart auf den russischen Vornamen Chauchats kommen (Zb 209, 4 – 7).Chauchats Vornamen ist Gegenstand einer ausführlichen Erörterung (Zb 212, 23 – 213, 5). Peeperkorn spielt mit dem Namen Emerentia (Zb 833, 19 – 834, 17).  

Im Gespräch mit Lady Glenalvon äußert sich Kenelm über die Umwelt: „Ich habe alles aufgeboten, eine treibende Kraft in mir in Bewegung zu setzen, es hat mir aber nicht gelingen wollen. Ich sehe nichts, das zu erstreben oder zu gewinnen mir der Mühe werth scheint. Die Zeit, in der wir leben, erscheint mir wie Hamlet „aus den Fugen“ und ich bin nicht wie Hamlet geboren, sie >> einzurichten<<.“ (KC I 382, 13 – 18).  Bei der Schilderung und Beurteilung Hans Castorps wird in entsprechender Weise der Einfluss der Epoche auf den Einzelnen betont (Zb 53, 22 – 54, 19).

Der zweiter „Aussteiger“ in Bulwer – Lyttons Roman, der Vagabund und Sänger, hat einen „Haß gegen stete Gewohnheiten und ernste Arbeit“ (KC II 327, 19 f.). Arbeit wird im „Zauberberg“ zum Thema (z.B. Zb 92, 19; 93, 3.4; 94, 2; 101, 1.151,24). Settembrini wollte Castorp zu Arbeit entlassen (Zb 1080, 9). Trotz anfänglichen Widerstandes „fremde und neue Gebräuche“ zu übernehmen (Zb 66, 25 ff.), gewöhnt sich Castorp schnell an die Hausordnung.  Auch der Körper selbst mutiert zum „Gewohnheitstier“: Auf die Frage, wie weit der „Akklimatisierungsprozeß“ bei Castorp gediehen sei, antwortet Castorp: „Manche gewöhnen sich nie, sagte mein Vetter mir gleich, als ich ankam. Aber man gewöhnt sich daran, daß man sich nicht gewöhnt“. (Zb 366, 8 ff.; 587, 7 – 13; 713, 24 f.).

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