Inhaltsverzeichnis
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Beitrag 90
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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

Den Namen Elia (Elias) trägt der Vater Naphtas. Elia Naphta ist „Schächter“(Zb 663, 7) und hat „etwas Priesterliches in seinem Wesen (Zb 663, 16). Er ist „Erforscher der Thora“ (Zb 664, 23).
Der Name des Rektors Elias und der „Doppelberuf“ von Andreas Hartknopf, der „Grobschmidt und ein Priester“ ist (AH 19, 31), werden bei Naphtas Vater kombiniert.
Andreas Hartknopf, der ein „Arkanum für die Schwindsucht (sc. „Lungentuberkulose“!)“ hat (AH 20, 3f.), heilt wie der „Wundermann“ Elia (Zb 664, 32).
Hartknopfs „weit größres Arkanum, den Leib des Menschen durch die Seele zu heilen“ (AH 20, 5f), übernimmt Dr. Krokowski (Zb 291, 24: „Das Organische ist immer sekundär“; 337, 33f.; 554, 26 ff).  

 Die „sprechenden Namen des Romans“ wirken anregend: „Küster“ heißt nicht nur einer der beiden Begleiter Hartknopfs, sondern er ist Küster (AH 22, 16; 23, 18 f.). „Knapp“ ist kein Mann der großen Worte (AH 29, 22f.; 30, 7f.59, 20 ff.), „Heil“ betont die Frömmigkeit des Pächters (PJ 126, 7 – 28), der Superintendent „Tanatos“ ist fast schon tot (PJ 169, 2 – 11).(11) Als Beispiel im „Zauberberg“ sei Wehsal erwähnt (Zb 687, 17f.) und in verdeckter Form natürlich Castorp („Brotsack“).

 Während einer Predigt „schlug sie (sc.Sophie Erdmuth) die Augen auf, um Hartknopf, den Prediger anzublicken, dessen Stimme und Laut der Worte sie schon irgendwo gehört zu haben glaubte, und sich doch auf keine Weise zu erinnern wußte, wo und wann? – Es war, als ob sie in eine dunkle Ferne blickte; als würden Erinnerungen in ihr aufgeweckt, an etwas, daß einen Augenblick vor ihrer Seele, schwebte, und plötzlich wieder verschwunden war. Sie hieng dem nicht mit ihren Gedanken nach, und in wenigen Minuten waren diese Regungen ganz verschwunden“ (AH 120, 14 – 23). Bei Castorp ist es der Anblick Chauchats, der ihn an irgend etwas erinnerte (Zb 119, 24ff.; 130, 27f.; 133, 31f.). Im Traum fällt es ihm ein (Zb 140, 25f.; 177, 7 – 10).  

Settembrini im „Zauberberg“ ist Freimaurer (Zb 764, 11 f.). Unter dem Stichwort „Freimaurerei“ fällt hier sofort die ausführliche Belehrung Castorps durch Naphta ins Auge und die Reaktion des Freimaurers Settembrini (Zb 764, 11 – 781, 22). Die Einführung der Freimaurerei schafft einen Gegenpol zur „Societas Jesu“ Naphtas und die Möglichkeit, den reichen Hintergrund der Freimaurerei und angrenzender Organisationen (Rosenkreuzler) in den Roman einzubringen. Die Anregung, Settembrini zum Freimaurer zu machen, könnte auf Moritz zurückgehen: „Andreas Hartknopf“ wird als „Freimaurerroman“ bezeichnet, Moritz selbst war „bekennender“ Freimaurer.(12)

Nun ist es natürlich unmöglich, die Herkunft der großen (nicht nur freimaurerischen) Begriffe Settembrinis: Humanität, Vernunft, Freiheit, Tod und andere konkret gerade aus diesen Romanen herleiten zu wollen. Auf gemeinsame freimaurerische Rituale und Einrichtungen kann man hinweisen, ohne eine unmittelbare Abhängigkeit feststellen zu können. (13) Hier soll nur der Begriff „Resignation“ erwähnt werden, auf den die Erziehung Hartknopfs hinläuft: „Die Weißheit, welche Hartknopf seine Schüler lehrte, ist einzig, fest und unerschütterlich; sie heißt:  R e s i g n a t i o n“ (AH 104, 9 – 12).

Für die Ausgestaltung und Beurteilung der Romanfigur Castorp ist dieser traditions- und facettenreiche Begriff geradezu ein Schlüsselwort. Thomas Mann sucht mit dem Namen Castorp die Metapher „Brotsack“ für seinen Protagonisten und nützt  das hohe philosophische Ziel der „Resignation“ (insbesondere in der Prägung Schopenhauers) inhaltlich als Rechtfertigung für ein „schöngeistiges Schmarotzerleben“, obwohl „ jeder Einzelne die Pflicht hat, seine Kräfte im Dienste des Ganzen zu bethätigen“. (14)  

 
Anmerkungen: 

 1.      Karl Philipp Moritz, Andreas Hartknopf. Eine Allegorie; Andreas Hartknopfs Predigerjahre, hrsg. von Martina Wagner – Egelhaaf, Reclam Universal- Bibliothek Nr. 18120, 2001. Abkürzung: AH und PJ
Beitrag „Spuren im „Zauberberg“: Karl Philipp Moritz, Anton Reiser (1785/1790)“
2.      Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1 (Textband) -2 (Kommentarband) – M. Neumann - der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002.
Hervorhebungen durch Fettdruck vom Autor. Abkürzung:  Zb
3.      Die Kennzeichnung Dr. Krokowkis als „Mönch“ weist nicht nur auf das „Predigen“ hin, sondern auch auf ein anderes „mönchisches“ Betätigungsfeld Dr. Krokowkis: die Botanik (Zb 550, 8f.11.33).
4.      Voges, Michael: Aufklärung und Geheimnis. Untersuchungen zur Vermittlung von Literatur – und Sozialgeschichte am Beispiel der Aneignung des Geheimbundmaterials im Roman des späten 18. Jahrhunderts. Tübingen 1987, S.479.
5.      Hartknopf ist – um einen Ausdruck von Thomas Mann in anderem Zusammenhang zu verwenden – in eine „analytische Grube“ (Zb 342, 32) gefallen. Zur Bedeutung des Begriffs „Resignation“ im 18. Jh. (etwa „Hingabe“) vgl. Anm. 14, 28f. (S. 203 f.) der oben genannten Ausgabe.
6.      Bei der geschickten Handhabung von Decken können „einige wenige Altgediente … beide Decken gleichzeitig mit drei sicheren Bewegungen um sich schleudern“ (Zb 157, 20 ff.; 136, 1 – 113; 226, 14 – 25; 260, 9 – 11); 411, 27: „nach dem Ritus geschlagen“). Am Schluss kommt eine „Mumie“ heraus (Zb 226, 16; 654, 29).
7.       Vgl. die Variation, die „Hand gegen den Himmel“ zu halten (Zb 342, 25 – 33: „Lebenshand“).Weitere Stellen zu „Verwesung“: „Geist der Verwesung, der Wollust und der Schande“ (Zb 381, 5f.); „Fäulnis, Verwesung“ (Zb 404, 1); „Gedanke an Tod und Verwesung“ (Zb 445,33f.).
8.      Der nekrophile Castorp „hatte viel Sinn und kritische Aufmerksamkeit für Hände und war gewöhnt, auf diesen Körperteil zuerst, wenn er neue Bekanntschaften machte, sein Augenmerk zu richten“ (Zb 119, 3 – 6). Der lang gewachsene Nagel des Jungen mit dem Monokel (Zb 171,2.5; 362, 13; 363, 9; 494, 29) und die Nägel Peeperkorns (Zb 846, 12; 873, 4; 896, 12; 916, 31; 920, 10) weisen darauf hin, dass bei „Leichen“(anscheinend) die Nägel wachsen (Zb 749, 4) Chauchat pflegt wohl „das kleine Laster des Fingerkauens“, „vertilgt“ also das Fleisch (Zb 119, 14f.; 219, 29; 346, 21). Castorp erkennt dies „eher ahnungsweise“ (Zb 119, 16).
9.      Zur biblischen Gestalt Elias: Anm. 47, 22 der oben genannten Ausgabe und Lexika.
10.  Vgl. den Beitrag “Hans Castorps Mitschüler Pribislav Hippe“.
11.  Vgl. Nachwort zur oben genannten Ausgabe, S. 275 f.
12.  Ibid., S. 252f.
13.  Ein paar parallele Beispiele seien genannt: In Heils Wohnstube ist es ein „rundes Tischgen“, das „in der Mitte“ steht (PJ 125, 9; 149, 22f.und „grüne Kirchplatz“). In Settembrinis Wohnung hält ein grüngedeckter Rundtisch „einsam die Mitte des Zimmers“ (Zb; 612, 27; 779, 20). Bei Hartknopf und seinem ehemaligen Lehrer, Rektor Elias, ist der Händedruck „das Zeichen ihres ehemaligen Bundes der Weißheit und Tugend“ (AH 38, 13 f.; 47, 11 – 21; auch 29, 29; PJ 126, 11). Kersting drückt Hartknopf „oft bedeutend die Hand“ (PJ 186, 9f.). Krokowski schüttelt Castorp zweimal die Hand (Zb 30, 30ff.; 31, 28). Bei der Suche nach einem Bleistift blickt Castorp „gen Osten“ (Zb 492, 21). Castorp rasiert sich am Morgen „im Tageslicht der Vernunft“ (Zb 61, 15), Herr von G…“eine Stunde vor Sonnenuntergang“ (PJ 134, 29 – 135, 13).  
Eine Zusammenfassung über die Wirkung freimaurerischer Ritualsprache in den „Hartknopf – Romanen“ gibt Voges : „Die freimaurerische Ritualsprache hat mit der ihr eigenen Verbindung von Allegorie und Esoterik die Konstitution der Romanwelt beeinflußt. Ritualsprachliche Anspielungen und Zitate – Himmelsrichtungen (Osten, Westen), Gestirne (Sonne, Mond), Tageszeiten (Mittag, Mitternacht), Licht und Finsternis, geometrische Formen (Linie, Kreis, Kubus, Pyramide, der >>rötliche<< Quaderstein<<), Erkennungszeichen (Handgriffe, Losungsworte), Zahlen- und Dingsymbolik (Dreizahl, das >>zerknickte Rohr<<, Gold und Eisen)  - geben dem narrativen Verlaufszusammenhang seine eigentümliche sinnbildlich verrätselte Struktur. Auch die Figurenkonzeption ist von einer der Freimaurerei vergleichbaren Handwerksallegorie bestimmt“ (S. 517).
14.  E.von Hartmann zur Schopenhauerschen „Resignations-Lehre“, zitiert in: Historisches Wörterbuch der Philosophie, hrsg. von J. Ritter und K. Gründer, Band 8 (1992), s.v. “Resignation“, Spalte 912. 

Veröffentlichung: 10.12.11
Autor: Gerhard Adam

 

 

 

 


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