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Beitrag 90
Beitrag 91
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

                                Spuren im „Zauberberg“: Horaz, Schwätzersatire

Woher kommt Thomas Manns Einfall, Schwester Berta das Attribut einer aufdringlichen Schwätzerin anzuhängen
(Zb 164, 26 – 166, 23)? (1) Ein Blick auf die sog. „Schwätzersatire“ des Horaz kann dies erklären. (2)

Offensichtlich fand das in den Sanatorien bekannte Instrument der „stummen Schwester“ das besondere Interesse Thomas Manns. Dabei handelt es sich um ein „Thermometer ohne Bezifferung“. (3)

Fräulein Ottilie Kneifer (Zb 134, 258) „durchaus von Familie“ (Zb 134, 16), will unbedingt auf dem „Berghof“ bleiben und gibt falsche Messdaten an. Sie muss eine „Stumme Schwester“ benützen (Zb 134, 15 – 135, 7).

Dagegen ist auf Castorp „Verlaß, nach oben wie nach unten. Man braucht ihn (sc. das Thermometer) nicht mit einer Stummen Schwester zu vertauschen, wie der Person, von der Settembrini erzählte, Ottilie Kneifer“ (Zb 258, 1 – 4).

Die „stumme Schwester“ tritt im Fasching als Diakonissin (Frau Iltis) zusammen mit einer anderen Instrumentenfigur, dem „blauen Heinrich“ (Herr Albin) auf (Zb 495, 17 – 496, 3).

Die Assoziation „stumme Schwester - geschwätzige Schwester“ ergibt sich zwanglos. Die bekannte “Schwätzersatire“ des Horaz drängt sich auf, vielleicht auch durch das erlebte Vorbild einer gesprächigen Schwester im Sanatorium.

Einige Einzelbeobachtungen bestätigen die Nähe zur „Schwätzersatire“:


1.       Horaz geht auf der „via sacra“, als ihm der Schwätzer begegnet (V.1).

Während Horaz nicht ahnt, was hier auf ihn zukommt, weiß Joachim dies, als er Castorp Schwester Berta vorstellt: Er hatte ihr schon „früher manchmal kleine Plaudereien gewährt“ (Zb 164, 27ff.).
Horaz und der Schwätzer kommen am „Tempel der Vesta“ (V. 35) vorbei. Es ist Sabbat (hier gleichzeitig mit „jüdischem Neumondfest“), der Tag der „verschnittenen Juden“ (V.69f.). (4) Horaz will sich dem Schwätzer durch den Hinweis entziehen, dass er einen Krankenbesuch mache (V.17). Muss der Schwätzer  nicht „te salvo“ Mutter und Verwandten besuchen (V. 26f.)? Der Schwätzer hat aber alle schon beerdigt (V. 27f.). Die Frage des Horaz an den Schwätzer beantwortet Schwester Berta, ohne dass sie dort gestellt wird: „>>Er (sc. Fritz Rotbein) schläft!<< sagte sie. >>Er braucht mich nicht. Da bin ich für einige kurze Minuten auf den Gang hinausgetreten …<<“ (Zb 166, 8f.).
Apoll rettet Horaz nachher: Er ist auch Heilgott.
Die Häufung religiöser Begriffe in Verbindung mit Krankheit (und Tod) kann dazu anregen, aus einer „normalen“ Krankenschwester eine Diakonissin zu machen, die überdies einen ähnlichen Lebenszuschnitt hat wie eine Vestalin (Keuschheit, Gehorsam).

2.       Der Schwätzer bezeichnet sich als gelehrt („docti sumus“, V. 7) und streicht seine Talente (V. 22 – 25) heraus. Bei Schwester Bertha sind die „docti“ ihre Verwandten: Der Papa ist Jurist, ihr Cousin Arzt (Zb 165, 6 - 10.15f.; 166, 15). Sie komme „aus gebildeter Gesellschaftsschicht“, „aus akademischem Hause“ und besitze die „Feinfühligkeit der höheren Klassen“. Sie selbst hat freilich wenig im Kopf (Zb 166, 15f.). Der Schwätzer und Berta leiten jeweils den Anspruch ab, von Horaz und Maecenas bezw. von Behrens bevorzugt behandelt zu werden.  Das Gespräch erweist die Substanzlosigkeit des Eigenlobs.  

3.       Horaz bedauert kein jähzorniger Bolanus zu sein (V. 11f.). Auch für Castorp und Ziemßen kommt das jähzornige Abbrechen des Gesprächs nicht infrage. Sie haben „Erbarmen“ mit Schwester Berta (Zb 165, 6). Es wäre „grausam“ gewesen, , „ihr nicht noch eine Frist zu gewähren“ (Zb 166, 7f.).(5) Die Kehrseite ihrer humanen Haltung ist allerdings, dass sie Schwester Berta nur „entschlüpfen“ können (Zb 166, 18f.). 

4.       Aufgrund eines Orakels der sabellischen Hexe hat Horaz Furcht, einem Schwätzer zum Opfer zu fallen (V. 29 – 34). Schwester Berta fürchtet die Beendigung des Gesprächs (Zb 165, 2f.). Während sich für Horaz im Orakel immerhin noch ein Ausweg zeigt, hat Schwester Berta keine andere Perspektive als Moribunde zu pflegen.

5.        Der Schwätzer fragt nach dem Verhältnis des Maecenas zu Horaz (V.43). Im Umfeld von Behrens geht es anders zu als im Maecenaskreis (V. 48 – 52). Schwester Berta beklagt sich, wie sie von Behrens behandelt wird: „Und sie begann über Hofrat Behrens zu klagen und den Ton, in dem er mit ihr verkehre und der allzu zwanglos sei, um ihrer Herkunft zu entsprechen“ (Zb 166, 10-13).

6.       Die Rolle des „unbeteiligten Zuschauers“ spielt bei Horaz der vorbeikommende Freund Aristius Fuscus (V. 60 – 74), Hans Castorp in den Tagen vor der Bekanntschaft mit Schwester Berta (Zb 23f.).

7.       Zufällig kommt der Prozessgegner des Schwätzers entgegen (V. 74 – 78). Er schreit den Schwätzer mit lauter Stimme an, wohin er gehe. Schwester Berta ist am Schreien, wenn die Vettern weggehen wollen (Zb 166, 18).  

8.       Horaz hält als Zeuge das Ohr hin (V. 76f.). Der Prozessgegner des Schwätzers berührt das Ohr des Horaz und kann damit den Schwätzer legal „verhaften“ und zum Praetor bringen.(6) Geradezu auffällig weisen diese Elemente auf Schwester Berta hin: Schwester Berta will die Vettern „klammern“ (Zb 165, 5; 166,5), „fesseln“ (Zb 166,7. 17), „ansaugen“ (Zb 166, 21f), „zu sich zurückziehen“ (Zb 166,21f.). Dieses „Festhalten“ kennzeichnet auch das Verhalten des Schwätzers (V.15: „tenebo“). Jetzt wird er selbst mit der Hilfe des Zeugen Horaz vom Gegner  festgehalten.
Schwester Bertas Hinweis an unserer Stelle auf Hofrat Behrens (Zb 166, 11) und Dr. Krokowski (Zb 166, 13) ordnet sich in dieses Motiv des „Festhaltens“ ein. Beide wollen Castorp schon bei der ersten Begegnung zum Patienten machen (Zb 74, 14-33; 31, 1ff.). Dr.Krokowski ist „seelenvoll“ = voller (gefangener) Seelen (Zb 166, 14). Castorp wird allerdings nicht von den beiden „Schwätzern“ (Zb 747, 11) Settembrini und Naphta auf dem „Zauberberg“ festgehalten, sondern von Clawdia Chauchat. 

9.       Mehrmals wird Schwester Bertas „Kneiferband hinter dem Ohr“ erwähnt (Zb 22, 10f.; 164, 29f.; 462, 10; 806, 29f.). Was zunächst als normale Beschreibung eines Gebrauchsgegenstandes daherkommt, entpuppt sich hier als komprimiertes Bild eines rechtlichen Vorganges: Mit dem „Kneiferband hinter dem Ohr“ ist Berta geradezu das „Festhalten“ ins Gesicht geschrieben. Sie übernimmt die Rolle des Schwätzers und den Part des Prozessgegners, der den Zeugen ins Ohr „kneift“, um den Schuldner legal „binden“ zu können. (7) Nicht nur mit Recken des Halses (Zb 164, 27), Worten, Blicken, Lächeln (Zb 165, 4f.; 166, 5. 21), „vorgebeugtem Oberkörper“ (Zb 166, 20) will Berta die Vettern festhalten, sondern "ganzheitlich" mit dem Signal „Kneiferband hinter dem Ohr“. (8) 

10.    Dies alles geschieht unter Geschrei. Interessant ist es, den lateinischen Text heranzuziehen. Dort heißt es „clamor utrimque, undique concursus“ (V.77f.). Daraus wird dann im „Zauberberg“: Schwester Berta erhob „plötzlich mit einem Anlauf die Stimme“ und begann „beinahe zu schreien“ (Zb 166, 17f.). Die beiden Begriffe „clamor“ und „concursus“ gehören nun in der römischen Literatur zum Repertoire von Schlachtschilderungen. (9) Thomas Mann nimmt diesen Hintergrund auf, indem er auf den „versus heroicus“ ( Hexameter)verweist: „sie entschlüpften ihr endlich und gingen“ (Zb 166, 18f.) ist ein daktylischer Vers mit doppeltem Auftakt. Er bezeichnet die Eile, mit der die Vettern weggehen, besser fliehen.

Das komplexe Verhaftungsritual bei Horaz wird im „Zauberberg“ zweigeteilt:
An den Anfang unserer Textstelle wird der spätere horazische Handlungsablauf „plastisch“ mit „Kneiferband hinter dem Ohr“ gestellt
(Zb 164, 29f.). Am Schlusse unserer Textstelle finden das „Zusammenlaufen“ und „Geschrei“ ihren Niederschlag im „Anlauf zum Schreien“ Bertas (Zb 166, 17ff.).

Horaz bringt den Leser direkt auf den Gedanken an eine „Konversationskomödie“, wenn der Schwätzer von der „zweiten Rolle“ spricht (V. 46). (10) Beim Gespräch zwischen Schwester Berta und den Vettern auf dem Korridor könnte man von der Parodie einer „Konversationskomödie“ reden, die ja eigentlich eine geistreiche Unterhaltung vorführen soll. 

Der Schwätzer rühmt Bezirke und Stadt (V.13) Für den sinnenden Horaz ist dies jetzt völlig uninteressant. Aber es gibt Substantielles: Bei Horaz ist es die Korrektur der Auffassung des Schwätzers hinsichtlich des Maecenaskreises.

Im „Zauberberg“ gipfelt die Plattheit in einer Tautologie:  Hans Castorp will frühzeitig das Gespräch abschließen mit einer Art Zusammenfassung: „Ja, sagte Hans Castorp, ihr Beruf sei gewiß schwer, aber doch auch befriedigend, sollte er denken. Gewiß, antwortete sie, befriedigend sei er, - befriedigend, aber sehr schwer“ (Zb 165, 32 – 166, 2). Völlig uninteressante Dinge erzählt Berta den Vettern (natürlich nicht den Lesern) und  wiederholt sich dabei noch (über ihre Verwandten: Zb 165, 7f.; 166, 15).Bertas „Langenweile“ (Zb 164, 32) erfasst so in wörtlichem Sinne ihre Gesprächspartner.

Eine noch größere Rolle als Schwester Berta spielt im „Zauberberg“ die Oberin Adriatica von Mylendonk. Unsere Beiträge bringen sie mit einem „Esel“ in Verbindung („Mühlenesel“). Auch diese Zuordnung  könnte von Horaz angeregt sein: Horaz lässt seine Ohren sinken wie ein „iniquae mentis asellus, cum gravius dorso subiit onus“ (V.20f.). (11)

Anmerkungen:

1.      Die Zahlen in Klammern (Seite, Zeilenangabe) verweisen auf Thomas Manns Der Zauberberg, Bd. 5/1 (Textband) -2 (Kommentarband) – M. Neumann - der Großen kommentierten Frankfurter Ausgabe, S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002.Hervorhebungen durch Fettdruck vom Autor. Abkürzung: Zb
2.      1. Buch, 9. Satire in: Quintus Horatius Flaccus, Sermones Satiren, Lateinisch/Deutsch, übertragen und herausgegeben von Karl Büchner, Reclam UB Nr. 431, 2011 (1972).             Stellen zu Horaz im Kommentarband: 1. Buch, 11. Ode (Zb 369, 18) und 3. Buch, 4. Ode (Zb701, 10f.).
Ob die Satire den Namen „Schwätzersatire“ zu Recht trägt oder „Der Zudringliche“, weil das eigentliche Ziel des Schwätzers die Aufnahme in den Freundeskreis des Maecenas sei, ist für uns hier ohne Belang.(vgl. Karl Büchner, Studien zur römischen Literatur, Band III Horaz, Franz Steiner Verlag 1962, S. 113).  Der Typus „Schwätzer“ wird hier jedenfalls vorbildhaft geschildert.
3.      Kommentarband, S. 163 (Zb 134, 30): „1896 eingeführt von Dr. Aimé Mercier (Arzt in Zürich und Arosa): der Arzt stülpt zum Ablesen eine Metallhülse mit Gradeinteilung darüber; der Ausdruck >>stumme Schwester<< war verbreitet“. Hinweis auf Beat Rüttimann: Die Lungentuberkulose im Zauberberg. In: Auf dem Weg zum >>Zauberberg<<. Die Davoser Literaturtage 1996. Hrg. v. Thomas Sprecher. Frankfurt/Main 1997, S. 100.
4.       Dazu „ Q. Horatius Flaccus, Sämtliche Werke, 2. Teil Satiren und Episteln, erklärt von G.T.A.Krüger, Teubner 1904 (15. Aufl.), zur Satire I 9 (S.86): „Diese Bezugnahme auf die jüdische Bevölkerung und ihre Feste erscheint um so näher liegend bei der Annahme, daß Horaz bei Fortsetzung seiner Wanderung (vgl. V.13) jetzt bis in den vicus Tuscus, das römische Judenviertel … gekommen ist und infolgedessen bei dieser Begegnung mit Aristius Fuscus in vorwiegend jüdisch gefärbter Umgebung sich befindet“. „Dem Dichter ist es hierbei, wie es scheint, um eine Verspottung jüdischen Aberglaubens zu tun, sowie derjenigen Römer, welche in jener Zeit zu allerlei fremden Religionsbräuchen hinneigten“. Auch wenn Thomas Mann diesen bekannten Schulkommentar (15.Aufl.) nicht gekannt haben sollte, genügen schon die Hinweise auf Juden im Text des Horaz, um den Einschub Bertas über Fritz Rotbein an unserer Stelle zu erklären und nahezulegen, dass Fritz Rotbein als Jude konzipiert ist. 
5.       Horaz gewährt (unfreiwillig) dem Schwätzer eine Frist, weil der Weg „trans Tiberim“ noch weit ist und der Schwätzer mitgehen will.
6.       Vgl. Krüger, a. a. O., zu V. 74 – 78, S. 87. In diesem Kommentar taucht das Wort „kneifen“ auf (Übersetzung für „pressare“ (V.64) „drücken und kneifen“ (S. 86).
7.       Nach antiker Auffassung sitzt im untersten Teil des Ohres das Gedächtnis, das damit aktiviert wird.
8.       Es ist ein gutes Beispiel für die Arbeitsmethode Thomas Manns. Natürlich erfindet er das „Kneiferband hinter dem Ohr“ nicht, sondern hat es oft gesehen: „Phantasie haben heißt nicht, sich etwas ausdenken, es heißt, sich aus den Dingen etwas machen“ (in: „Meerfahrt mit Don Quijote“).
9.        Stellen etwa bei Eduard Fraenkel, Horaz , 6.Aufl. 1983, WBG, S. 141.
10.  Vgl. zu den Begriffen die gängigen Literaturlexika, z. B. Metzler Lexikon Literatur, begründet von G. und I. Schweikle, hrsg. von D. Burdorf, Chr. Fasbender und B. Moennighoff, 3. Aufl. 2007.
11.   Vgl. die Beiträge: Hans Castorp, in re Hans Brotsack; Spuren im „Zauberberg“: E.G.Bulwer-Lytton, Kenelm Chillingly (1873).  Allgemein: Thomas Sprecher, „Die Krankenschwesterfiguren im frühen Werk Thomas Manns unter besonderer Berücksichtigung von Adriatica von Mylendonk“, in: Thomas Mann-Studien, 26. Band „Literatur und Krankheit im Fin-de-siècle (1890-1914)“. Thomas Mann im europäischen Kontext. Die Davoser Literaturtage 2000. Hrsg. von Thomas Sprecher. Klostermann 2002, S. 35 – 72. 

Veröffentlichung: 20. 01.13
Autor:  Gerhard Adam

 

 

 

 

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