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Beitrag 91
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

Das Gebäude des "Berghofs" wirkte "vor lauter Balkonlogen von weitem löcherig und porös ...wie ein Schwamm" (Zb 18, 15ff.). Der Leser denkt sofort an eine Lunge,  da es sich beim "Berghof" ja um ein Lungensanatorium handelt. Die Vielzahl von Balkonlogen zeigt jetzt schon an, wie eng die Patienten ohne Zwischenraum aufeinander sitzen (wie Lungenbläschen) und wie hellhörig dadurch das Haus ist (Zb 64, 11 - 14: Castorp hört das russische Ehepaar). Nun kann man einen Schwamm auch "ausdrücken". Diesen Aspekt legt uns Hamlet nahe, wenn er diese Metapher auf den "officer" (Höfling, Diener) Rosencrantz anwendet: Ein Höfling ist ein Schwamm ("sponge"), der vom König ausgepresst werden kann (Haml.IV.2.11 - 20). Dann signalisieren die Balkonlogen, dass in diesem Hause die Patienten finanziell "zur Ader gelassen werden". Castorp zeigt sich freilich über die erste Wochenrechnung zufrieden (Zb 200, 22ff.), wobei er natürlich nicht an die Verweildauer denkt, die Hofrat Behrens den Patienten zudiktiert (vgl. etwa Zb 310, 2: unabsehbar).

Bei einem so engen Zusammenleben ist das Beobachten von Mitpatienten nichts Besonderes. Als ein zentrales Thema in Shakespeares Tragödie wurde das "Beobachten, auch in der potenzierten Form der Beobachtung der Beobachtenden" herausgestellt (10). So beauftragt Hamlet seinen Vertrauten Hortensio, mit ihm zusammen die Miene des Königs bei eine Szene des Schauspiels zu beobachten, die an die Ermordung von Hamlets Vater erinnert (Haml.III.2.72 - 86). Für das "Beobachten eines Beobachtenden" lassen sich überraschend viele Beispiele im "Zauberberg" finden: Castorp beobachtet, wie Wehsal Chauchat beobachtet (Zb 318, 30 - 319, 22; 353, 19 - 22); Castorp wird von der Gesellschaft beobachtet, wie er Chauchat beobachtet (Zb 363, 4 - 16); Castorp wird von Fräulein Engelhart beobachtet, wie er Chauchat beobachtet, die vor ihrer Abreise zum letzten Mal in den Speisesaal kommt (Zb 526, 5 - 11) ;Castorp beobachtet vom Korridorfenster aus die Abfahrt Chauchats und wird dabei von Wehsal und Chauchat gesehen (Zb 527, 12 - 15); Castorp beobachtet Joachim, wie er ein fleckiges Gesicht bekommt, wenn er Marusja sieht (Zb 225, 20 - 24; auch 315, 13 - 18); Castorp und ein Teil der Gäste beobachten Joachim im Gespräch mit Marusja (Zb 804, 1 - 5) usw.

Während im "Hamlet" eine Atmosphäre des Bespitzelns herrscht, liefert der "Zauberberg" neben der Neugierde (etwa. Schwester Berta) noch eine andere Erklärung aus der Sicht des "Opfers": Es geht darum, Aufmerksamkeit zu erregen und Anerkennung zu finden (Zb 362, 29f.). Castorp "war unempfindlich gegen die Enthüllung seines Zustandes, er mochte meinen, daß derselbe, unbeachtet und verborgen, nicht zu seinem Rechte gekommen wäre. Des allgemeinen Verständnisses dafür durfte er sicher sein" (Zb 362, 19 - 22). In diese Richtung geht auch die Renommiererei mit dem Grade der Krankheit.

Der Versuch einer Erklärung des Namens Clawdia Chauchat führte in einem früheren Beitrag ("Hans Castorps Freundin Chauchat") zu der Rahmung "chat-walk" = catwalk = Laufsteg. "Chau" wurde als engl. "show" = Schau gelesen. Für "show"  bietet nun eine Stelle im "Hamlet" eine weitere Interpretationsmöglichkeit an. Ophelia fragt Hamlet nach der Bedeutung der Pantomime: "Will 'a (sc. der Sprecher des Prologs) tell us what this show meant? HAMLET. Ay, or any show that you'll show him. Be not you ashamed to show, he 'll not shame to tell you what it means. OPHELIA. You are naught, you are naught" (Haml.III.2.135 - 139). "Tatsächlich ist es aufgrund des Gleichklangs mit shoe 'Schuh' möglich, darin einen vulgären Ausdruck für das weibliche Geschlechtsteil zu sehen" (11). Das Potential des Namens erweitert sich also um diese Nuance, "dia" kann dann im Sinne von "göttlich" aufgefasst werden: Castorps Onkel bezeichnet etwa Frau Redisch als "göttliches Weib" (Zb 660, 3).

Auch die Totengräberszene (Haml.V.1.1 - 204) bietet Motive für den "Zauberberg":

Das Motiv "Verfaulen, bevor man stirbt" ("CLOWN. Faith, if 'a be not rotten before 'a die", Haml.V.1.154) könnte beim "Herrenreiter" verwendet worden sein (Zb 24, 28 - 25, 34). Er hustet so "gräßlich", dass es "wie ein schauerlich kraftloses Wühlen im Brei organischer Auflösung klang" (Zb 25,  7f.; 25, 27:"alles ein Matsch und Schlamm"). Der Totengräber meint, dass sie "heutzutage viele lustsieche Leichen" hätten, "die kaum bis zum Hineinlegen halten" ("as we have many pocky corses now-a-days that will  scarce hold the laying in"). (12) Da es sich hierbei wohl um Syphilis handelt, ist die Bezeichnung "Herrenreiter" passend.

Das Wasser ist bei Leichen ein "sore decayer" (Haml.V.1.160), eine Tatsache, auf die auch Behrens aufmerksam macht: "Dann wird die Sache weitläufig. Man fließt auseinander, sozusagen. Bedenken Sie all das Wasser" (Zb 403, 30f.).

"Die Episode, in der der Totengräber Schädel aus dem Grab in die Luft wirft, gestaltet Shakespeare als eine innovative Abwandlung des Totentanzmotivs" (13). Hamlet betrachtet die Totenschädel, spekuliert über die Berufe ihrer Eigentümer und lässt sich darüber satirisch aus (Ausnahme: Hofnarr Yorick, Haml.V.1.171 - 183). "Totentanz" wählt Thomas Mann als Überschrift für ein Unterkapitel (Zb 434 - 488), in dem erzählt wird, wie Castorp und Ziemßen die "moribundi" besuchen. Satirisch wird das "prahlend-dramatische(s) Gebaren" Lauros geschildert (Zb 468, 21 - 469, 27) oder die "Überfüllte" dargestellt (Zb 463, 8 - 466, 26). Wie im "Hamlet" finden sich auch elegische Töne (etwa bei Karstedt).

Im "Hamlet" erobern Norweger ein polnisches Dorf, von dem der Name das Wichtigste ist, mit 2000 Mann (Haml.IV.4.25; Zeile 60: 20000). Im "Zauberberg" sind es "dreitausend, damit sie noch ihrer zweitausend sind, wenn sie bei den Hügeln, den Dörfern anlangen" (Zb 1082, 18ff.).



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