Inhaltsverzeichnis
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Beitrag 2
Beitrag 3
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Beitrag 5
Beitrag 6
Beitrag 7
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Beitrag 8 - Teil 2
Beitrag 8 - Teil  3
Beitrag 9
Beitrag 10
Beitrag 11
Beitrag 12
Beitrag 13
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Beitrag 15
Beitrag 16
Beitrag 17
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Beitrag 21
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Beitrag 23
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Beitrag 30 - Teil 1
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Beitrag 31
Beitrag 32
Beitrag 33
Beitrag 34
Beitrag 35
Beitrag 36
Beitrag 37
Beitrag 38
Beitrag 39
Beitrag 40
Beitrag 41
Beitrag 42
Beitrag 43
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Beitrag 45 - Teil 2
Beitrag 46 - Teil 1
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Beitrag 47
Beitrag 48 - Teil 1
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Beitrag 49
Beitrag 50 - Teil 1
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Beitrag 50 - Teil 3
Beitrag 51
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Beitrag 53
Beitrag 54
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Beitrag 78 - Teil 3
Beitrag 79
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Beitrag 81
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Beitrag 82 - Teil 2
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Beitrag 84
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Beitrag 86
Beitrag 87
Beitrag 88 - Teil 1
Beitrag 88 - Teil 2
Beitrag 89 - Teil 1
Beitrag 89 - Teil 2
Beitrag 90
Beitrag 91
Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten

Die Tänzerin Eva Sorel ist eines der Vorbilder für die Figur Clawdia Chauchat:

"Einmal sprach er (sc. Christian Wahnschaffe), um zu erproben, wie sie es aufnähme, von seiner Abreise nach England; sie raffte mit anmutig gebogenen Händen das Kleid und sah ihre Füße an. Er wußte, mit welcher Freiheit sie lebte. Warum, so fragte er sich, versagt sie mir, was sie andern gewährt, die geringer sind? Er wußte nichts von der Tänzerin. Er hielt die Tänzerin für ein Weib gleich allen andern Weibern. Er sah nicht, daß bei ihr nur Neigen und Vorübergehen sein durfte, was bei allen andern höchster Einsatz war. Es war alles (sc. für ihn) voll Schicksal" (CW 59, 20 - 30).
Chauchat teilt Castorp beiläufig mit, dass sie abreisen werde (Zb 511, 28). Castorps Reaktion darauf wird ausführlich geschildert (Zb 512, 15: "umfangreicher Zusammensturz"). 

Christian Wahnschaffe fragt Crammon: "Glaubst du, daß ich bei Eva hätte bleiben sollen?" - "Unsinn," sagte Crammon; "sie hätte dich betrogen, sie hätte mich betrogen. Sie würde den Kaiser betrügen und vor unserm Herrgott doch unschuldig dastehen. Mit ihr kann man nicht rechnen, mit ihr kann man nicht sein, sie ist bloß für die Augen da." (CW 88, 29 - 89, 4). Chauchat kostet die Freiheit, die ihr die Krankheit gibt, voll aus (Zb 512, 25 - 30). Insbesondere die Reiselust teilt sie mit Eva Sorel. Chauchats Mann sitzt derweilen in "Daghestan" = Da gehst an (s. Beitrag 37 ). 
Chauchat hat das Auftreten der Tänzerin Sorel, die Publikum braucht und allen gehört: Sie geht "ohne Laut, was zu dem Lärm ihres Eintritts in wunderlichem Gegensatz stand, ging eigentümlich schleichend und etwas vorgeschobenem Kopfes". Die eine Hand hat sie in der Tasche, die andere am Hinterkopf (Zb 118, 29 - 119, 3). Dies entspricht der Attitüde eines Models oder einer Balleteuse / Tänzerin (s. Beitrag 4). 

Für Clawdia Chauchats "breite Backenknochen" ist auf Fräulein Sinaide Gamaleja  zu verweisen: "Ich habe das Fräulein Gamaleja gesehen, " erzählte Eva. "Fjodor Szilagin hat sie mir vorgestellt. Sie ist seine Geliebte. Eine Tatarin. Schön wie eine Giftschlange. Seltsam wie unbekannte Landschaften, die man träumt. Sie maß mich, und wir rangen heimlich miteinander." (CW 252, 4 - 9). Sinaide Gamaleja "war von schmächtigem Wuchs; sie hatte breite Backenknochen, einen breiten Mund und stumpfglühende, weitlidrige Augen" (CW 271, 31 - 272, 1). Chauchat hat "breite Backenknochen und schmale Augen" (Zb 119, 23f.), "eine tatarische Physiognomie" (Zb 438, 10; "bezaubernde(n) Tatarenschlitze(n)": Zb 878, 30). Betonung der "Backenknochen" auch bei Judith Lorm: Sie hat "hervorspringende Backenknochen" (CW 704, 6). (6)

Ständig richtet sich der Blick Wassermanns im Roman auf die Hände (7):

Christian Wahnschaffe "hatte mit stummem Entzücken ihre (sc. Eva Sorels) Hände angesehen, da hatte sie die linke Hand gegen das Licht gehalten, und obgleich die Durchleuchtung des rosig glühenden Fleisches die vollendete Form noch edler hervortreten ließ, hatte man doch die dunklen Schatten des Knochengefüges darin bemerkt. Und Eva hatte gesagt: "Sieh, Eidolon, der Kern weiß nichts von Schönheit" (CW 102, 15 - 21) (8) Castorp betrachtet seine Hand durch den Leuchtschirm und sieht sein Grab, Verwesung, das Skelett seiner Hand und den Siegelring (Zb 332, 33 - 333, 20). Der Hofrat nimmt dasWort "Eidolon" (= auch Schatten, - Trugbild) auf: "Spukhaft, was? Ja, ein Einschlag von Spukhaftigkeit ist nicht zu verkennen" (Zb 333, 22f.).

Michael Hofmann macht Johanna Schöntag, der Tochter eines Bankdirektors, ein Kompliment wegen ihrer Schönheit: "nur ihre  Hände, fügte er hinzu, seien nicht die Hände einer Reichen. Sie schien überrascht und antwortete mit dem Ausdruck des Selbsthasses, ihre Hände seien, was der Buckel beim Buckligen sei, ein Wahrzeichen, woraus man ihre eigentliche Beschaffenheit ersehen könne" (CW 671, 12 - 19). Johanna ist Jüdin (CW 342, 8f.). Ihr "jüdische Selbsthass" bringt sie dazu, auch noch die Hände jüdischen Klischees zu unterwerfen. (9)  Clawdia Chauchats Hände entsprechen nicht den Frauenhänden der gesellschaftlichen Klasse Castorps (Zb 119, 3 - 17). Sollte auch hier dieses Klischee dazu herhalten, Clawdia als Jüdin zu kennzeichnen? In ärmlichen Verhältnissen lebt sie auf jeden Fall nicht (Position des Mannes, Kuraufenthalte, Reisen). (10)

Eva Sorel zu Johanna Schöntag: "Was duckst du dich so?" rief sie, "warum verkriechst du dich? warum wagst du nicht, dich zu freuen?" Johanna antwortete: "Weißt du nicht, daß ich eine Jüdin bin? " - "Nun?" gab Eva verwundert zurück: "außerordentliche Menschen, die ich kenne, sind Juden. Die stolzesten, feurigsten, weisesten." Johanna schüttelte den Kopf. Sie sagte: "Im Mittelalter mußten die Juden gelbe Flecke auf den Kleidern tragen. Ich trage den gelben Fleck in der Seele." (CW 342, 6 - 14). "Gelb" ist für  den Juden Wassermann eine besondere Farbe. (11)

Oft ist in diesem Roman in Variation das Lieblingswort Wassermanns "düster" zu finden. Dadurch bestätigt sich unsere Annahme, dass Thomas Mann mit "Düstmund" (Zb 232, 18f.) Jakob Wassermann bezeichnet (s. Beitrag  80, Teil 2).  Ein weiteres Lieblingswort ist "finster": Fietes bekannte "ehrbare Verfinsterung seiner Miene" bei der Verscheuchung einer Fliege vom Leichnam des Großvaters (Zb 47, 24) und Castorps gleiche Miene über das russische Ehepaar (Zb 63, 18f.) könnten von dort aus angeregt sein. (12)

Christian Wahnschaffe ist ein "spezieller Liebhaber von Dosen" (CW 135, 29). Judith findet die von Lorm verlorene goldene "Tabatiere" und übergibt ihm die "Dose" (CW 227, 15). Castorps Großvater "liebte die Dose - es war eine längliche, mit Gold eingelegte Schildplattdose, die er handhabte" (Zb 42, 11f.). (13)

Das Lachen der Dirnen klingt wie "Tellergeklapper" (CW 580, 21; 509, 33: "schepperndes Gelächter"). "Naphta brach in Lachen aus, das sehr an den bewußten Teller erinnerte" (Zb 597, 10f.; 565, 3ff.; 1045, 22: "Tellersprung").

Christian Wahnschaffe liest keine Zeitungen (CW 415, 15). Auch Castorp verzichtet darauf (Zb 379, 24; 573, 19ff.; 1075, 13).

Amadeus Voß raucht "Henry Clay" (CW 433, 12). Zwei kleine "Henry Clays" bringen den Hofrat fast um (Zb 385, 8 - 11).

"Es gibt Menschen, abgebrauchte, wurmstichige, schwelende Seelen" (CW 169, 29f.; 590, 4f.: "wurmstichige(n) Möbel"; 663, 4f.: "wurmstichiges Brett"). Chauchat ist "innerlich wurmstichig" (Zb 220, 25f.; 245, 18f.). Marusja hat eine "hohe(n), wurmstichige(n) Brust" (Zb 225, 26f.).

Niels Heinrich gegenüber Joachim Heinzen: Die Aktion gegen Ruth ( Selbstmord Ruths, letztendlich Mord) "müsse mit Eleganz gedeichselt werden" (CW 513, 25f.). Albin droht mit Selbstmord: "Die Sache ist ziemlich einfach ... Ich habe einiges Studium darauf verwandt und bin mit mir im reinen darüber, wie sie am besten zu deichseln ist (Bei dem Worte "deichseln" ertönte ein Schrei.)." (Zb 123, 23 - 26).

Einen epileptischen Anfall erleidet Lehrer Popów (Zb 453, 21 - 455, 5). Das junge Mädchen Schirmacher, Bedienung bei Karen Engelschall, bekommt "eine Art epileptischer Krampf" (CW 387, 17 - 22.32 - 388,1). Wahnschaffe trägt sie ins Nebenzimmer. Ein epileptisches Kind wird zum Wunderheiler Heinzen gebracht. Nicht dieser, sondern Wahnschaffe hat die Kraft den epileptischen Krampf zu lösen (CW 515, 4 - 516, 32).

"Becker trug eine hochgeschlossene dunkle Litewka" (CW 417, 1f.), Joachim eine "litewkaartige Hausjoppe" (Zb 135, 30).

Eva war in der  russischen "Schlüsselburg" (CW 547, 33), in der sich Menschen  unter "Knutenhieben" winden (CW 548, 22). Settembrini ist angetan über das Zusammenwirken Italien-Österreich, "da es gegen das lateinlose Halbasien, gegen Knute und Schlüsselburg gerichtet war" (Zb 1077, 14f.). 

Christian Wahnschaffe kennt die "wunderbaren Tränen (sc. von Mädchen), die wie warmer, salziger Tau schmecken" (CW 114, 21f.). Tränen brennen auf den Backen des englischen Marineoffiziers: "Na, und auf der gereizten Haut tut das Salzwasser natürlich weh" (Zb 24, 4f.).

Der Lebemann Christian Wahnschaffe legt ein Bekenntnis zur Arbeit ab: "Ich glaube, man muß arbeiten, " antwortete Christian leise; " gleichviel was immer, man muß arbeiten." (CW 291, 16f.). Trotz der ständigen Ermahnungen Settembrinis gelangt "Brotsack" Castorp nicht zu dieser Erkenntnis. Wahnschaffe "wandte sich zum Fenster. Die weiße, runde Wolke war verschwunden, das silberne Meer hatte sie aufgesogen."(CW 291, 17ff.). Das Bild weist die Richtung der Interpretation: Der Einzelne muss sich ins (arbeitsteilige) Kollektiv einbringen. "Bist du nun so weit?" höhnte Voß; "ich weiß es längst. Der Weg zur Hölle ist mit Arbeit gepflastert. Bloß in der Hölle kannst du reingebrannt werden. Gut, daß du endlich so weit bist." (CW 291, 19 - 22). Die Verbindung Arbeit - Hölle erscheint bei Castorp noch in spielerischer "Redewendung" als Verbindung Arbeit - Teufel. (Zb 93, 13ff.), bewahrheitet sich aber am Schluss des Romans: "Zur Arbeit hoffte ich (sc. Settembrini) dich zu entlassen, nun wirst du kämpfen inmitten der Deinen." (Zb 1080, 9f.).  








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