Inhaltsverzeichnis
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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten


7a.  Unterredung des Ehemanns der Rahl mit dem enttäuschten Liebhaber Franz (Rahl 14. Kp., 264, 19 - 278, 2).

Der Graf weiß von dem Seitensprung seiner Frau und den Briefen von Franz (Rahl 14. Kp., 267, 16f.).  Sie fordert ihn sogar dazu auf, mit dem Liebhaber zu reden (Rahl 13., 260, 18 - 21). Der "gehörnte" Ehemann beklagt sich ncht, weil Franz austauschbar ist: "Aber vielleicht waren es gar nicht Sie." Franz sah lauschend auf. Er verstand das gar nicht. Der Graf bog sich vor und strich über den langen schmalen Kopf, als ob er mit dem Tier reden würde. "Wer weiß? Vielleicht war es nur einer aus der dunklen Schar der Jauchzenden, ein bißchen von diesem Jauchzen selbst, ein bißchen Jugend, ein bißchen Rausch, von dem sie sich nicht trennen konnte, und so nahm sie sich das in Ihnen mit." (Rahl 14. Kp., 268, 25 - 269, 4). Der Roman stellt die Frage: Hat Rahl ihren Mann geliebt? (11. Kp., 193, 29 - 194, 30). Die Rahl liebt nicht die Person, die nur Mittel zum Zweck ist. Sie liebt die Sensation. Es geht hier um das "in Zärtlichkeit üben" einer Schauspielerin (Rahl 14. Kp., 276, 26f.). Insofern ist beim Gespräch auch der Hund anwesend, mit dem sich die Rahl vorher herumwälzte (Rahl 11. Kp., 214, 7f.).

7b.  Das Gespräch Ehemann - junger Liebhaber wird im "Zauberberg" zum Format des Gesprächs zwischen dem älteren Peeperkorn und Chauchat.

Der Sachverhalt (Seitensprung einer verheirateten Frau) bleibt gleich.Die Frage, ob Chauchats Ehemann dies weiß, wird offengelassen und für Peeperkorn beantwortet. Chauchat vermutet zu Recht, dass Peeperkorn von ihrer "Torheit" wusste (Zb 947, 3 - 7). Castorp war mit Peeperkorn bei Krankenbesuchen zusammengetroffen (etwa Zb 872, 1 - 30; 876, 25 - 31).  

Wie ist der Konflikt der Liebhaber zu lösen?

1.  Nur der Ehemann hätte ein Recht sich zu beklagen (Zb 919, 7f.). Die "älteren" Rechte Castorps (Zb 926, 21 "Unbill") und die Rechte Peeperkorns ( Zb 925, 12: "positive(n) Rechtslage") taugen als Anspruchsgrundlage bei Liebhabern nichts.
2. Die Oper "Carmen", deren Inhalt Castorp wiedergibt, lässt Peeperkorn auf ein Messer blicken (Zb 926, 11), weil er an die Möglichkeit denkt, dass Castorp ihn aus Eifersucht umbringt. (7)
3..Ein Duell wird von Peeperkorn alters- und krankheitsbedingt ausgeschlossen (Zb 926, 18 - 23). (8)
4. Zwischen den Beteiligten kommt es nun zu einer überraschenden Lösung. Thomas Mann überträgt die Aggressionslosigkeit des Ehemanns von Rahl auf die Nebenbuhler und überhöht noch komödiantisch: Peeperkorn schließt mit Castorp einen "Brüderbund" (Zb 927, 7), auch wenn es nach Castorp die Frauen "nicht besonders gern" sehen, "wenn ihre Liebhaber zusammenhalten" (Zb 924, 13f..; auch 906, 10f.; 927, 32.). Vorher schon hatte Chauchat mit Castorp ein Bündnis "für ihn" (sc. Peeperkorn) geschlossen (Zb 906, 21f.).

8.  Fotografie als " Erinnerungsgabe"

Der Ehemann der Rahl überreicht Franz nach dem Gespräch "neueste(n) Aufnahmen, mit der Unterschrift von ihrer Hand" (Rahl 14. Kp., 277, 15 - 30).
Castorp bekommt für die Rückgabe des geliehenen Bleistifts eine "Erinnerungsgabe" (Zb 525, 13 - 16), nämlich ein Röntgenbild, "Clawdias Innenporträt" (Zb 527, 33).

Personenverwendung

Samon
Der Philosoph Georg Lukács ist als Vorbild für Naphta namhaft gemacht worden
. (9) Ein zusätzliches Indiz scheint uns darin zu liegen, dass der Schneider im "Zauberberg", bei dem Naphta als "Aftermieter" einquartiert ist, Lukácek heißt (Zb 562, 30f.; 590, 24; 617, 20). Nun hatte Thomas Mann von einer Begegnung mit Lukács den Eindruck: "Solange er sprach, hatte er recht". (10) Damit zitiert Thomas Mann Professor Samon in Bahrs Roman "Die Rahl". Dieser kommt zu Frau Heitlinger, um über ihren Sohn Franz zu sprechen: "Nun sprach er aber immer so, daß er ihr, solange er sprach, recht zu haben schien; sie konnte ihm nichts entgegensetzen, er hatte bessere Reden als sie" (Rahl 2. Kp., 35, 2 - 5; auch 14. Kp.,272, 21f.). Samon ist wie Naphta Professor für alte Sprachen (Rahl 12. Kp., 229, 13ff.; Zb 673, 20). Wie bei Naphta wird auch bei Samon die Brille herausgehoben. (11)

Adolf Beer
Adolf Beer führt in die Jugend Naphtas. Dazu gehört die Vorstellung des familiären Hintergrundes einer jüdischen Familie (Rahl 4. Kp., 58, 12 - 59, 10; Zb 663, 1 - 665, 19). (12)
" Nein, eigentlich war der kleine  Beer doch sehr grauslich, mit seinen abstehenden Ohren!" (Rahl 9. Kp., 154, 14ff.). Naphta ist ein "Judenjüngling" (Zb 667, 14).
Der Lehrer Samon hält Beer für einen seiner besten Schüler, warnt gleichzeitig vor dem Umgang mit ihm wegen seines "einseitigen Rationalismus" (Rahl 1. Kp., 25, 5 - 10).
Leo Naphta hatte vovom Vater "einen außerordentlichen Verstand geerbt, Geistesgaben, die sich früh mit hoffärtigen Instinkten, höherem Ehrgeiz, bohrender Sehnsucht nach vornehmen Daseinsformen verbanden und ihn über die Sphäre seiner Herkunft leidenschaftlich hinausstreben ließen. Neben der Schule hatte der Vierzehn - und Fünfzehnjährige durch Bücher, die er sich zu verschaffen gewußt, seinen Geist auf regellose und ungeduldige Weise fortgebildet, seinem Verstand Nährstoff zugeführt" (Zb 665, 24 - 32). Als Sechzehnjähriger hat er Marx und Hegel gelesen (Zb 667, 18 - 22).
"Der kleine Beer gab ihm (sc. Franz Heitlinger) Stirner und Nietzsche zu lesen. Und nun sog er die Lust ein, hochmütig zu sein" (Rahel 4. Kp., 54, 18ff.).
"Spitzfindigkeit und geistiges Wühlertum" Naphtas (Zb 666, 17) lassen sich am jungen Adolf Beer festmachen: intellektuelle Scharfzüngigkeit (Rahl 9. Kp., 152, 27 - 153, 19: über Lehrer), aufmüpfige Reden in der Schule für die Herrschaft der Jugend ("Bubokratie") und gegen die Herrschaft der Alten (Rahl 12. Kp., 218, 8 - 221, 8) u.a.
"Das gelassene Denken, das unerbittliche Folgern, das Zerlegen der Probleme mit chirurgischer Sicherheit" (Rahl, 7. Kp., 121, 8 - 17) zeichnen die Gespräche zwischen Adolf Beer und Franz Heitlinger aus, Merkmale, die auch die Gespräche Naphta - Settembrini auf sachlicher Ebene auszeichnen.

Kleefeld
In Bahrs Roman malt der Maler Radauner "seit Jahren immerfort dasselbe Kleefeld" (Rahl 5. Kp., 83, 3f.; 89, 29f.). Für ihn ist der Klee ein "Luder" (Rahl 5. Kp., 93, 21). Diese Personifikation könnte zum Namen Kleefeld im "Zauberberg" führen.

Ein paar weitere Beobachtungen seien angefügt:
Nachdem der Graf zum Gespräch mit Franz Heitlinger weggegangen ist, lädt die Rahl ihre Freundin Fürstin Uldus zur Besichtigung ihrer "Schweindln" ein: "Aber sind Sie jetzt lieb und kommen mit mir! Nur ein paar Schritte, gleich hinter dem grünen Gartenhaus dort! Ich zeig´Ihnen meine Schweindln" (Rahl 13. Kp., 262, 25ff.). Nach dem Gespräch sieht sie der Graf zurückkommen (Rahl 14. Kp., 278, 10 - 14). Das Motiv der Schweindln rahmt  das Gespräch ein und rückt Franz Heitlinger in die Nähe eines "Schweindl". Unterstützt wird dies durch den Hinweis auf das Gartenhaus. Nun nennt der kleine Adolf Beer den Lehrer einen "Kyklopen", weil dieser das linke Auge zuhält, um den "Eindruck inquisitorischen Aushörens" beim Schüler zu machen (Rahl 9. Kp., 146, 4 - 7). Dieser Hinweis auf Homers "Odyssee" verhilft zur richtigen Interpretation der "Schweindl-Stelle: Die Rahl hat Franz Heitlinger in ein Schweindl verwandelt wie Kirke die Gefährten des Odysseus. Dieser verdeckte Vergleich könnte Anregung für den "Zauberberg" gewesen sein. (13)

Samon zur Mutter von Franz Heitlinger: "Ich finde nämlich, daß Eltern im allgemeinen von einem unbegreiflichen Leichtsinn sind. Ist das Kind gesund und hält es sich eben von den schlimmsten Ausschreitungen fern, so wird weiter nicht viel gefragt. Jugend hat keine Tugend, heißt´s und niemand bedenkt, daß hier die Männer heranwachsen, auf welchen dereinst die sittliche Existenz des gesamten Staatswesens ruhen soll. Das mag sehr bequem sein, nur vergißt man, daß es sich später rächt" (Rahl 1. Kp., 9, 20 - 28). Thomas Mann löst dieses Problem, indem er die Jugend auf den Friedhof verlegt: "fast lauter Jugend und keine Tugend bevölkerte das Lager, ungefestigtes Volk, das sich aus aller Welt hier zusammengefunden hatte" (Zb 487, 19 - 22).

Gemeinsames Gehen beim Diskutieren: Rahl 7. Kp., 120, 23 - 121, 1; Zb 564, 29 - 565, 3. Vorbilder dazu finden sich in den platonischen Dialogen.

Die Floskel "Ssosso!" von Samon (Rahl 12. Kp., 223, 27.29.30; 225, 3.; 226, 4) wird in leicht abgeänderter Form von Settembrini übernommen (Zb 91, 6; 133, 9; 155, 1; 753, 4f.).

Nachdenkenswert: "Ich freue mich", sagte der Graf, "daß wir glücklich wieder bei den Juden sind. Ob man von Gott anfängt oder vom Wetter oder von der Teuerung, am Ende kommt man immer auf die Juden" (Rahl 12. Kp., 249, 21 - 24).  









   




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