Inhaltsverzeichnis
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Figuren: Albin - Buligin
Castorp
Castorp
Castorp
Castorp - Chauchat
Chinese - Holger
Holländer - Miklosich
Mylendonk - Paravant
Peeperkorn - Schweizer
Settembrini - Sohn
Stöhr - Zimmermann
Ziemßen
Kollektivbezeichnungen
und Statisten
Anregungen
Anregungen
Anregungen

Spuren im "Zauberberg": Dante Alighieri, Die Göttliche Komödie (um 1300 bis 1321)


Dantes Gedicht besteht aus den drei Teilen Inferno (Inf) - Purgatorio (Purg) - Paradiso (Par). (1) Um auf die Gesamtzahl von 100 Gesängen zu kommen, erweiterte Dante den Höllenteil um einen Gesang.  Der 34. Gesang nimmt also schon "numerisch" eine Sonderrolle ein. Er ist Teil des 9. Kreises (Inf XXXII - XXXIV), des Aufenthaltsorts Luzifers. (2) Diesen Ort teilt Dante ein in Kainsort, Antenorland, Ptolemäusland und Judasland ("Giudecca": Inf XXXIV, 117). Mit der Einquartierung ins Zimmer Nr. 34 wird Castorp  damit allegorisch der tiefste Platz in der "Hölle" zugewiesen, dem diabolischen Zentrum der Erde.

A.  Inferno XXXIV: Judasland ("Giudecca") als Zielprojektion
1. Auf dem Wege ins Zimmer Nr. 34 kommen die Vettern an Dr. Krokowski vorbei. Er sitzt am "Kamin", eine Erinnerung an den Weg Dantes und Vergils ins Jenseits ("cammino": Inf II, 142). Sein Gesicht ist von "phosphoreszierender Blässe" (Zb 30, 20). "Phosphoros" ist in der Mythologie Luzifer. Vor dem Ort der "peccatori de gola" (s. schon "Restaurantbesuch" der Vettern, opulentes Essen im Sanatorium ) sitzt der Höllenhund Cerberus, der die Seelen packt und zerstückelt (Inf VI, 18: "graffa ei spiriti, scrova e disquatra"). Cerberus betreibt also "Seelenzergliederung", die herausgehobene Tätigkeit Dr. Krokowskis. Trotz seiner Nähe zu Luzifer kann Dr. Krokowski "wie der Herr Jesus am Kreuz" aussehen (Zb 198, 19f.). Das entspricht der Darstellung Luzifers in Inf XXXIV: Der gefallene Engel mit seinen ausgebreiteten Flügeln und der malträtierte Rücken des in seinem Maul hängenden  Judas Ischariot lässt an die Kreuzigung Jesu denken. In das Zimmer Castorps kommt er Dr. Krokowski über den Balkon "als sei er durch die Lüfte gekommen". Plötzlich sieht ihn Castorp im Zimmer stehen (Zb 290. 15 - 30).

2.  Das Zimmer Nr. 34 wird Castorp von Behrens zugewiesen (Zb 23, 7f.). Bei Dante bestimmt der Seelenrichter Minos den "Strafort", er ist der "conoscitor delle peccata" (Inf V, 4 - 15) und fordert Dante auf  "al doloroso ospizio" zu kommen (Inf V, 16). Im "Zauberberg" wird Dr. Krokowski zwar "Minos" genannt (Zb 297, 1) und Hofrat Behrens "Radamanth" (Zb 91, 19f.), aber der dirigierende Arzt Behrens übernimmt hier die mythische Aufgabe des Minos. Beide Ärzte sind "Höllenrichter" (Zb 99,5), Behrens zusätzlich noch ein "Teufelsknecht" (Zb 338, 33).

3.  Eine Verknüpfung von Zimmer Nr. 34 mit dem 1. Weltkrieg könnte in dem doppelten Hinweis auf das "Totenbett" (Zb 33, 1f.) und Castorps Vorgänger, der Amerikanerin und dem englischen Marineoffizier als künftigen "Kriegsteilnehmern" liegen. Die abfällige Bemerkung Joachims über den vorhersehbaren Kriegsgegner (Flottenpolitik Deutschlands) verstärkt diesen Zusammenhang ("nicht gerade stramm", Zb 23, 10 ). Castorp passt als Schiffsingenieur dazu. Einen Bezug zum Teufel stellt eine Gruppe von Engländern her mit einem "entsetzlichen" Gesellschaftsspiel: "Did you ever see the devil with a night-cup on?" (Zb 958, 18 - 25). (3)

4.  Joachim stellt zur Begrüßung eine kleine Vase mit Schafgarbe und Glockenblumen ins Zimmer Nr. 34. Der Gattungsname von Schafgarbe ist "Achillea", eine Anspielung auf den toten Joachim, der wie ein antiker Held (Homers Held Achilles) aussieht (Zb 812, 32 - 813, 4). Die Totenbeschwörung des Soldaten Joachim kommt in den Blick.  Bei Dante schickt die Zauberin Erichtho Virgil in den nach Judas Ischariot benannten Judaskreis ("cerchio di Giuda"), um eine Seele herauszuholen (Inf VIII, 22 - 27; Inf XXXIV, 117)). Nach der antiken Tradition (Lukan) ist das die Seele eines gefallenen Soldaten.(4)

5.  Der hinkende Concierge des Sanatoriums (Zb 15, 17 - 30) bringt das Gepäck Castorps aufs Zimmer Nr. 34  (Zb 32, 4f.). Settembrini bezeichnet ihn später als "hinkende(n) Teufel" (Zb 365, 27). (5)

6.  Das Zimmer ist kalt. Castorp friert (Zb 24, 10 - 17; 407, 6ff.).. Der Marineoffizier benützt "cold- cream" (Zb 23, 12; 24, 5; 33, 14). Kälte ist durchgehendes Motiv im Roman. (6)  Bei Dante steckt Luzifer im Eis (Inf XXIX, 37; XXXI, 123). Die Farbe "Weiß" dominiert im Sanatorium (Türe, Möbel, Tapeten, Milch) und in der Natur (Schnee). Ein Bezug zur Lungenkrankeit ist hergestellt.

7.  Ins Zimmer Nr. 34 kommt Settembrini (Zb 88, 12; 719, 27: "Satana") und besucht den kranken Castorp (Zb 293, 5 - 306, 19; 620, 10 - 15). Er macht sofort "Licht", ist also "Lichtbringer" = Luzifer ( "luziferisch" wird im "Zauberberg" verwendet: Zb 888, 26). Settembrini betreibt "Windbeuteleien" (Zb 242, 23: Dante steht im Kontext! Dazu Purg XV, 51: "mantaco"), er ist ein "Windbeutel und Drehorgelmann" (Zb 719, 28f.). Das könnte ein Hinweis auf den Wind sein, den Luzifer mit seinen Flügeln erzeugt (Inf XXXIII, 103ff.) und auf seine Drehbewegungen. Settembrini bezeichnet sich als Schüler Carduccis (Zb 92, 5 - 16), des Verfassers der Satanshymne (Zb 92, 33f.; "o forza vindice della Ragione", vgl. Inf XXVII, 122f.).. Die Bezeichnung "Oppositionsmann" (Zb 156, 9) schließt die Übersetzung "Widersacher" für "Satana" ein  - seine Rolle gegenüber Naphta. Settembrini und auch schon seinen Vater friert es (Zb 148, 6 - 13). Der Bezug auf "Frost" liegt im Namen Settembrini: "brini" (it.) wird mit "Raureif" übersetzt. (7) 

8.  Ins Zimmer Nr. 34 kommt die Oberin Adriatica von Mylendonk. Auch bei ihr ist von Kälte die Rede (Zb 253, 22 - 254, 2). Auf die Nummer des Zimmers wird besonders aufmerksam gemacht: Mylendonk liest rückwärts, also "hebräisch", Nummer 34 als Nr. "43" ( ein weiterer Beweis für das Rückwärtslesen des Namens "Castorp" zu "Brotsack"). Dante glaubt zunächst (statt Luzifer) eine "Mühle" zu sehen (Inf XXXIV, 4ff.). Schon früher sind wir bei der Erklärung des mittelalterlich anmutenden Namens Mylendonk (Zb 95, 25 - 96, 5; 581, 31ff.) auf die Mühle Bernard von Clairvaux gestoßen (Zb 568, 9 - 16). Bei Dante dreht sich die "heilige Mühle" (la santa mola: Par XII, 3). Der Vergleich wird später noch einmal aufgenommen: Ein Licht - Petrus Damianus - "wirbelte herum wie ein Mühlstein" (Par XXI, 81: "come veloce mola"). Vielleicht war das Anlass zur witzigen Ausgestaltung Mylendonks: Eine Drehbewegung findet sich bei Mylendonk (Zb 253, 26). Sie bewegt "in rollender, schleifenförmiger Bewegung den Kopf" (Zb 254, 5f.). Mylendonk bewahrt Behrens vor dem "Abtanzen" (Zb 385, 30ff.).  Ihre Bezeichnung "Petrefakt" (Zb 96, 7) kann zusätzlich von Petrus Damianus inspiriert sein, der (als Petrus Peccator) "im Haus unserer Heiligen Frau an der adriatischen (Adriatica!) Küste" lebte (Par XXI, 121ff.). Auch der Vergleich Mylendonks mit der "mediceischen Venus" (Zb 95, 27), die als "Venus pudica" gilt, könnte  auf den sittenstrengen Petrus Damianus weisen.(8)


B.  Eine besondere Rolle spielt Zimmer Nr. 34 in der Séance mit Holger (Zb 1002, 23 - 1010, 27).
 Schon der Kontext bestätigt die Nähe zu Dante: "Man stützte den rechten Arm mit der Linken am Ellenbogen" (Zb 1002, 17f.) - die Pose von "Dichtern und Denkern". 35 ( = 5 mal 7) Buchstaben finden sich bei Dante im Fluge der Erlösten zusammen zu "DILIGITE IUSTITIAM QUI IUDICATIS TERRAM" (Par XVIII, 76ff.), Anfang des alttestamentarischen Buches "Weisheit Salomos". Dem Anruf der göttlichen Muse dort kann spirit Holger seinen  Beruf  "Dichter" verdanken (Par XVIII, 82f.). Warum "vergisst" der Dichter Holger beim Rücken des Glases zunächst den Buchstaben "e"? Auf jeden Fall ist die Ergänzung ein Hinweis auf die 7er Zahl. Interessant, dass Holger eine Rechtschreibschwäche,  Ellen einen Sprachfehler hat: "Fleich" statt "Fleisch" (Zb 993, 26; 995, 15). Sie "ergänzen" sich. Die Frage an Holger, ob er "lyrischer" Dichter sei, kann auf die lyrischen Gedichte Dantes deuten, die Aussprache "i" statt "y" auf italienisch (Zb 1004, 2f.; 1006, 29). Niemand kann sich nachher einen "Vers" auf die Antwort machen (Zb 1008, 11).

 Castorp fragt nun spirit Holger nach der Zeit seines Aufenthaltes "hier oben" und bekommt eine "merkwürdige Antwort": Der Fragende soll ">>quer durch sein Zimmer gehen<<. - Quer durch sein Zimmer? Quer durch Nummer 34? Was sollte nun das?" (Zb 1008, 15ff.).

1. Eine naheliegende Antwort: Quersumme von 34 beantwortet Castorps Frage: 7 Jahre. (9)

2. Man denkt sogleich an Joachim: Ihn treibt das "Weh des Abschieds" durch sein Zimmer (Zb 673, 8 - 11; auch 284, 16). Sollte die Aufforderung Holgers also bedeuten:"Nimm Abschied! Reise ab!" ? Holgers Aufforderung ist vergeblich. Schon Settembrini konnte Castorp nicht zur Abreise bewegen ("Satana macht ehrenrührige Vorschläge", insbesondere Zb 133, 22-25; 228, 15-18). Castorp findet den Rückweg nicht (Settembrini: Zb 536, 28 - 31). Er ahnt es selbst (Zb 626, 19ff.). Settembrini entlässt Castorp am Schlusse resigniert (Zb 1080, 6 - 15), während Vergil seine Mission erfolgreich beendet und Dante aus seiner Obhut entlassen kann (Purg XXVII, 127 - 142).

3. Bei Dante wird der tiefste Punkt der Hölle Richtung Läuterungsberg verlassen (Inf XXXIV, 84).  Lucia, die den schlafenden Dante zur Pforte des Purgatoriums trägt, zeigt Vergil den Eingang (Purg IX, 55 - 63). Hervorzuheben ist die Stelle Purg IX, 90: "Andata là: quivi è la porta" ("Geht dort hinauf, da ist der Eingang"). Sollte Holger diese Funktion der Richtungsangabe von Lucia übernommen haben?
 - Lucia ist gegenüber Dante "Schutzpatron" wie Holger gegenüber Ellen (10).
- Bei der Séance wollte man wissen, "wie lange Holger sich denn schon in seinem gelassenen Zustande  befinde?" Er antwortet: "Eilende Weile", auch "Weilende Eile" wäre möglich gewesen (Zb 1004, 17 - 22). Könnte diese Antwort von "Lucia" herkommen? Im Italienischen heißt "Langeweile" l´uggia und Eile ist auch im Jenseits unanständig (Purg III, 10f.).
- Anknüpfungspunkt für den "martialischen" Namen "Holger" (von Holmger: "Kämpfer von der Insel", passt zu Ellens Heimat Odense auf Fünen: Zb 993, 10f.)) könnte der Wächter sein, der mit blankem Schwert an der Pforte steht (Purg IX, 82). Der Läuterungsberg ist eine Insel. Alighieri, der Zuname Dantes, soll "Schwertträger" heißen und stützt diese Verbindung.


4. Ein weiteres Motiv ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen: Beim Aufstieg aus der Hölle auf den Läuterungsberg gehen Dante und Virgil dem Geräusch eines Baches nach, der "Lethe" (Inf XXXIV, 127 - 139). Dieser "Fluss des Vergessens" fließt vom irdischen Paradies des Läuterungsberges zum Erdmittelpunkt, dem Ort Luzifers. Castorp trinkt Kulmbacher Bier. "Kulmbach" setzt sich zusammen aus  Bach und "Kulm" =  "abgerundeter Berggipfel, Bergkuppe" (11). Castorp trinkt also das Bier des Vergessens. Das Kulmbacher Bier wird mit "Gehen" und "Frost" vebunden:  Zum Erstaunen der Berghofgesellschaft verzichtet Castorp auf das bestellte Kulmbacher Bier. Anschließend machen Castorp und Joachim einen "Gang hinunter nach Platz" (Zb 262, 24 - 264, 21). Eine weitere Stelle bringt das Kulmbacher Bier in Beziehung zu Schnee und Frost (Zb 737, 7 - 12).

C. Warum soll Castorp im tiefsten Punkt der Hölle sitzen, "nel fondo ogni reo" (Inf XXXI, 102)? Bei Dante ist jeweils nur eine Bestrafung für eine Sünde vorgesehen ("contrapasso": Inf XXVIII, 142). Eine harmlose Erklärung mag darin liegen, dass Castorp im Sanatorium , wo kaum einer entlassen wird, so festgehalten wird, wie Luzifer Judas Ischariot, Brutus und Cassius packt. 
Bei Dante büßen die Bewohner ihre im Diesseits vollbrachten Taten, im Jenseits kann man nicht mehr sündigen (Purg XXVI, 132). Im "Zauberberg" ist von früheren Verfehlungen nichts bekannt. Die Bewohner (außer Castorp) bringen ihre "Bestrafung" mit, nämlich die lebensgefährliche Krankheit. Sucht man nach dem "Strafsystem der Hölle" Dantes (12) "Sünden" auf dem "Zauberberg" und entsprechende Orte der Buße für Castorp in Dantes Unterwelt, so bieten sich folgenden Plätze an:

 1. Ein Platz im dritten Höllenkreis, dem Ort der Schlemmer (Inf VI). Die Möglichkeit der Zuweisung an diesen Ort bestätigt unsere schon früher gewonnene Erkenntnis, dass hinter dem Namen Castorp "Brotsack" mitzulesen ist (Beitrag 1). Castorp kommt in Davos an einen Ort, der seinem Wesen entspricht: gutes Essen ohne Arbeit. Castorp isst "aus Selbstachtung" (Zb 27, 12).   

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